Barfuß zum Bodensee: Wanderer machte Rast in Northeim

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Von wegen Weichei: Als Frank Jester am Dienstag auf dem Rasthof Northeim ankam, hatte er bereits mehr als 260 Kilometer barfuß zurückgelegt. 

Northeim. Frank Jester aus Hilgermissen machte bei seinem Barfußmarsch von Hamburg zum Bodensee am Dienstag am Rasthof Northeim Pause.

Als Frank Jester am frühen Dienstagabend aus Richtung Edesheim kommend vom Rad- und Fußweg an der B 3 auf den Autohof Northeim abbiegt, sind viele interessierte und erstaunte Blicke auf ihn gerichtet.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätte er Schmerzen. Doch hinter der Art und Weise, wie er seine nackten Füße behutsam beim Gehen auf dem harten Asphalt aufsetzt, steckt eine ganz besondere Lauftechnik, die er sich für seinen außergewöhnlichen Marsch angeeignet hat. Der 46-Jährige Arzt aus Hilgermissen hat sich nämlich vorgenommen, in 25 Tagen barfuß von Hamburg bis zum Bodensee zu gehen.

Gefragt, wie man denn auf so eine Idee kommen kann, lacht er zunächst und erzählt dann, dass er sich als Arzt in unterschiedlichster Weise mit medizinischen Themen und dem menschlichen Körper beschäftigt, Bücher darüber schreibt und Vorträge hält.

Auf seiner Homepage im Internet ist er noch mit Vollbart und langen Haaren zu sehen. „Da wollte ich am eigenen Leib mal erleben, wie das Umfeld reagiert, wenn man sich äußerlich stark verändert“, sagt Jester.

Für seine Barfußtour habe er sich aber vorsichtshalber von seinem Bart und seinen langen Haare getrennt. „Als langhaariger, bärtiger Typ, der barfuß unterwegs ist, hätte ich wahrscheinlich noch viel mehr Menschen dazu bewegt, mir Hilfe anbieten zu wollen, als das jetzt schon der Fall ist“, sagt Jester, der in den ersten acht Tagen seiner Wanderung auf viel Hilfsbereitschaft gestoßen ist. Angebote, ihn mit dem Auto ein Stückchen mitzunehmen, habe er allerdings abgelehnt. „Ich möchte mir schon selbst beweisen, dass ich die Strecke auch so schaffe.“

Ursprünglich habe er ganz normal von Hamburg zum Bodensee wandern wollen, um auf den Bewegungsmangel in unserer Gesellschaft hinzuweisen, berichtet Jester. Aber als ihn Freunde dann darauf hingewiesen hätten, dass es außerordentlich schwierig sei, das geeignete Schuhwerk für so eine Tour zu finden, habe er sich kurzerhand entschlossen, noch einen draufzusetzen und auf Schuhe zu verzichten.

„Die richtige Barfuß-Lauftechnik habe ich bei meiner kleinen Tochter abgeschaut“, verrät der fünffache Familienvater schmunzelnd. „Wer barfuß große Strecken schaffen will, darf den Fuß nicht über die Ferse abrollen, wie wir es gewöhnt sind. Das habe ich beim Training für diese Aktion am eigenen Leib erfahren.“ Besser sei es, über den Fußballen zu laufen, wie es kleine Kinder von Natur aus machen.

Trotz des Trainings sei die Technik des Ballengangs aber noch nicht hundertprozentig in seinem Kleinhirn angekommen, scherzt Jester. „Ich muss mich beim Gehen immer noch darauf konzentrieren, und wenn am Ende einer Etappe die Kräfte nachlassen, fällt das manchmal schon schwer.“ 

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