Genügend Geld ist da

Baustellen-Boom im Kreis Northeim ärgert Autofahrer

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Gleichmäßig aufgetragen: Eine knapp ein Meter dicke Materialschicht wird beim Straßenbau in die Erde eingelassen. Bauarbeiter verwenden dazu ganz spezielle Maschinen. 

Northeim. Eine Baustelle jagt die nächste: Viele Autofahrer im Landkreis Northeim ärgern sich aktuell über Sperrungen und  Verkehrsbehinderungen auf den Straßen. 

Aber wie wird eine Straße eigentlich gebaut, wie lange sollte sie halten und warum gibt es gerade heutzutage so oft Vollsperrungen?  Wir haben mit Udo Othmer von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Bad Gandersheim gesprochen.

Woran liegt es, dass es zurzeit viel mehr Baustellen gibt als noch vor zehn Jahren?

Die Finanzlage für den Bau und die Sanierung von Straßen sei so gut wie lange nicht, sagt Othmer. Nun müssen viele Arbeiten nachgeholt werden, die in den vergangenen Jahren wegen Geldmangels nicht möglich waren. Die Vermutung, dass die Straßen maroder sind als früher, sei ein Trugschluss.

Welche Straßen haben bei der Sanierung Priorität?

Bei der Entscheidung, welche Straße zuerst saniert wird, spielt der Sicherheitsaspekt die wichtigste Rolle. Was Autofahrer gefährdet, muss neu gemacht werden. „Natürlich ist aber auch die Verkehrsbelastung ein Einflussfaktor“, sagt Othmer.

Die Sanierung von Autobahnen, auf denen täglich rund 65 000 Fahrzeuge unterwegs sind, haben deshalb gegenüber Kreisstraßen oder Bundesstraßen, auf denen nur rund 3000 Autofahrer pro Tag fahren, Priorität.

Was hat sich in Sachen Sicherheit im Vergleich zu früher verändert?

„Die Sicherheit der Bauarbeiter ist das A und O“, betont Othmer.

Damit ihnen auf der Straße nichts passieren kann, werden Baustellen immer häufiger durch Vollsperrungen vom Verkehr abgetrennt.

Das sei zwar für viele Verkehrsteilnehmer ärgerlich, für die Bauarbeiter allerdings unverzichtbar. Früher waren die Regelungen diesbezüglich deutlich weniger streng.

Wie muss eine Straße gebaut werden, damit sie möglichst lange hält?

Auch wenn es auf den ersten Blick nur wie eine dünne Schicht aussieht – eine Straße wird knapp einen Meter tief in die Erde eingelassen. Sie setzt sich aus einer frostsicheren Deck- und einer Binderschicht zusammen.

Teer darf schon lange nicht mehr für den Bau verwendet werden. Heute setzen sich Straßen aus einem Mineralgemisch mit Bitumen – kurz: Asphalt – zusammen. So können die Fahrbahndecken 20 Jahre alt werden.

Welche Schritte müssen eingeleitet werden, bis es zum Baubeginn kommt?

Bevor die tatsächlichen Bauarbeiten beginnen, muss viel Bürokratie erledigt werden. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Verläufe: Wenn eine Straße an einer ganz neuen Stelle gebaut wird, muss zunächst ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden.

Nachdem eine unabhängige Behörde – der Landkreis oder das Landesamt – grünes Licht gegeben hat, muss die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr die Grundstückseigentümer anfragen.

Wenn dies geschehen ist, beginnt die Ausschreibung für eine Baufirma, die die Arbeiten schließlich erledigt.

Ist eine Straße hingegen nur sanierungsbedürftig, fällt der Aufwand deutlich geringer aus. In diesem Fall kann sofort mit der Ausschreibung begonnen werden.

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