„Behandelt wie ein Depp“: Seniorin erlebt Drama mit Bank

Erhielten Mahnungen und sogar einen Inkasso-Bescheid: Susanne Kosiolek-Sakuth (links) und ihre Mutter Christa Kosiolek kamen zwei Monate nicht an ihr Konto. Foto: Schwekendiek

Northeim. „Es ist zum Verrücktwerden." Mehrfach fällt dieser Satz, als Christa Kosiolek von ihren Erlebnissen mit der Postbank erzählt.

Seit etwa zwei Monaten kommt die 74-jährige Seniorin nicht mehr an ihr Konto. Rechnungen und Mahnungen häufen sich. „Wir wissen nicht mehr weiter“, bestätigt Tochter Susanne Kosiolek-Sakuth, die sich um ihre Mutter kümmert.

Ende November nahm das Drama seinen Lauf. Nach dem Tod ihres Mannes wollte die Seniorin das gemeinsame Konto der Eheleute auf ihren Namen umschreiben lassen und ihrer Tochter eine Vollmacht einräumen. Sie selbst ist gesundheitlich angeschlagen und kaum noch mobil. Deshalb zog sie von Kreiensen in ein Seniorenheim nach Northeim.

Bei der Post richtete sie einen Nachsendeauftrag ein. Auch der Bank teilte sie die Adressänderung mit. Dann wartete die Seniorin jedoch vergeblich auf ihre neue EC-Karte. Auch die PIN kam nicht an - beides wurde weder nachgesendet noch an die alte Anschrift zugestellt.

Nachfragen der Tochter am Schalter ergaben, dass auch die Vollmacht nicht ins Computer-System eingepflegt worden war. „Keiner konnte mir weiterhelfen“, sagt sie. Auch eine Kopie der Vollmacht wurde nicht akzeptiert. Am Überweisungsautomaten konnte sie mit der alten EC-Karte der Mutter ebenfalls nichts ausrichten, diese war bereits gesperrt. Überweisungsvordrucke erhielt sie nicht, weil sie weder eine gültige EC-Karte noch eine gültige Vollmacht besaß.

„So zog sich die Geschichte hin, bis schließlich die ersten Mahnungen kamen“, sagt Kosiolek-Sakuth. Ihre Mutter ist Privatpatientin und muss alle Arztrechnungen zunächst selbst begleichen.

Mehrfach suchte Kosiolek-Sakuth Hilfe am Schalter der Postbank, mehrfach wurde sie vertröstet - und angelogen. Die Karten seien längst verschickt, die müssten doch angekommen sein. „Ich wurde wie der letzte Depp behandelt“, berichtet sie.

Mittlerweile erhielt ihre Mutter ein Schreiben eines Inkasso-Unternehmens. Eine Arztrechnung von 101 Euro verdoppelte sich durch Mahn- und Anwaltsgebühren auf 208 Euro. „Ich konnte nächtelang nicht schlafen“, berichtet die Seniorin - auch aus Angst, sie könne ihr Zimmer im Seniorenheim nicht bezahlen.

Schließlich entschied sie sich Mitte Januar, das Konto bei der Postbank zu kündigen und zur Sparkasse zu wechseln. Doch auch das verlief nicht reibungslos. „Zwei Wochen später war das Geld immer noch nicht übertragen worden“, erzählt Kosiolek-Sakuth. Als sich am 2. Februar ein Bankberater der Postbank dem Problem annahm, konnte auch er nichts mehr ausrichten: Das Konto war eingefroren. Stattdessen löste er nun das ebenfalls bei der Postbank befindliche Sparbuch der alten Dame auf. In bar trug die Tochter das Geld zur Sparkasse und zahlte es auf das neue Konto ein. So konnte Christa Kosiolek endlich ihre Rechnungen bezahlen.

Seit Kurzem ist nun auch das übrige Geld auf dem neuen Konto angekommen. Auf den ganzen Ärger hätten beide Damen jedoch gerne verzichtet.

Das sagt die Postbank:

Eineinhalb Tage nach unserer Anfrage an die Pressestelle, erreicht die HNA-Redaktion eine Antwort der Postbank. Darin heißt es, dass die am 24. November beauftragte Umstellung des Girokontos am 18. Dezember erfolgt sei. Die Vorsorgevollmacht sei am 28. November hinterlegt worden, allerdings nur am Sparbuch der Kundin. „Die Hinterlegung am Girokonto erfolgte versehentlich nicht“, so die Bank.

Am 2. Februar habe sich ein Kundenberater zur Klärung des Sachverhalts mit der zuständigen Kontoführung in Verbindung gesetzt. Daraufhin wurde die Vollmacht am 3. Februar an allen Konten hinterlegt und eine Karte für die Tochter erstellt - mehr als zwei Monate nach dem Auftrag. Gleichzeitig wurde das Geld des Girokontos auf das Sparkassen-Konto übertragen.

„Den Kontowechsel-Serviceauftrag der Sparkasse Northeim vom 14. Januar haben wir aufgrund der Vielzahl von Kundenaufträgen erst am 3. Februar bearbeitet und das Girokonto bei der Postbank geschlossen“, heißt es in dem Schreiben. Und weiter: „Wir bitten sowohl Frau Kosiolek als auch ihre Tochter für die entstandenen Unannehmlichkeiten in aller Form um Entschuldigung.“ Neben einer kleinen Entschädigung wolle man der Kundin gegen Nachweis auch die entstandenen Mehrkosten erstatten.

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