Beim Testkauf gab es Schnaps: Einige Betriebe ignorieren Jugendschutz

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So wie auf diesem Symbolfoto aus Rotenburg sollte es sein: Verkäufer müssen nach dem Alter der Jugendlichen fragen, bevor sie Alkohol und Tabakwaren verkaufen.

Northeim. Sechs von neun Betrieben im Raum Northeim und Nörten-Hardenberg verkaufen Spirituosen und Tabak an Jugendliche. Das ist das Ergebnis einer Testkaufaktion.

Die Aktion wurde in der vergangenen Woche gemeinsam von der Polizei, dem Landkreis und der Lukas-Werk-Suchthilfe organisiert. Dabei wurden Kioske, Supermärkte und Tankstellen auf die Probe gestellt.

Das Ergebnis sei enttäuschend, heißt es in einer Pressemitteilung des Landkreises. Besonders erschreckend sei gewesen, dass die Testkäufer - drei Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren - in zwei Fällen gar nicht nach ihrem Alter oder Personalausweis gefragt wurden. Vier Personen verkauften die Waren, obwohl sie nach dem Personalausweis gefragt hatten.

Begleitet wurden die drei Jugendlichen bei der Testkauf-aktion von Thomas Sindram, Beauftragter für Jugendsachen der Polizeiinspektion Northeim/Osterode, Vanessa Henkelmann vom Fachbereich Sicherheit und Ordnung des Landkreises Northeim und Stefan Jagonak von der Lukas-Werk-Suchthilfe. Sie suchten nach dem Test das Gespräch mit den Verantwortlichen.

„Es besteht immer noch ein hoher Bedarf an ständiger Aufklärung und Information über das Jugendschutzgesetz im Landkreis Northeim. Hier muss weiterhin die Sensibilität für dieses Thema gefördert werden“, betont Jagonak.

Die meisten Geschäfte seien heutzutage mit modernen Kassensystemen ausgestattet, die das Mindestgeburtsdatum für Alkoholika anzeigen. Das Verkaufspersonal wende die Hilfestellung jedoch offenbar falsch an, heißt es weiter. Dabei sei es nicht möglich, das Alter allein durch Schätzen zu beurteilen.

Zur Aufklärung suchten Thomas Sindram, Vanessa Henkelmann und Stefan Jagonak nach jedem Testkauf - unabhängig vom Ergebnis - das Gespräch mit dem Verkaufspersonal und der Filialleitung gesucht. Dabei wurde auch Informationsmaterial für die Verkaufsstellen ausgehändigt, denn der Aushang mit Hinweisen auf das Jugendschutzgesetz war häufig nicht vorhanden.

Festgestellte Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz können mit Geldbußen bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Hinzu kommt, so Sindram, dass es auch zu Strafverfahren wegen Körperverletzung kommen kann, wenn Jugendliche nach dem Verkauf von branntweinhaltigen Getränken beispielsweise eine Alkoholvergiftung erleiden.

Die Testkäufe sind Teil der Präventionsarbeit zum Thema Jugendschutz des Landkreises Northeim, der Polizeiinspektion Northeim/Osterode sowie des HaLT-Projektes der Lukas-Werk Suchthilfe. In regelmäßigen Abständen werden Betriebe im Landkreis ausgewählt und getestet.

Infos und Hilfsmittel

Beim Landkreis Northeim können kostenlos Altersdrehschreiben angefordert werden. Damit kann das Verkaufspersonal auf einen Blick feststellen, ob jugendliche Käufer die geforderte Altersgrenze erreicht haben. Bei der Lukas-Werk-Suchthilfe gibt es zudem kostenlos „Sorry-Cards“ mit den wichtigsten gesetzlichen Grundlagen. Ansprechpartner sind Thomas Sindram (Polizei), Tel. 05551 / 7005408, und Vanessa Henkelmann (Lukas-Werk-Suchthilfe), Tel. 05551 / 708232.

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