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Bewährungsstrafe für Bombenbauer

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Von: Heidi Niemann

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Symbolbild Justiz
Symbolbild Justiz © Fotolia

Eine Explosion in einem Mehrfamilienhaus in Northeim hat jetzt ein strafrechtliches Nachspiel gefunden.

Northeim – Anfang Februar hatte es nachmittags in der ersten Etage eines vierstöckigen Wohnhauses in der Northeimer Stegerwaldstraße einen lauten Knall gegeben, Fenster und Balkontürscheiben zerbarsten, Splitter flogen umher. In der Wohnung hatten sich drei Männer im Alter von 42 und 56 Jahren aufgehalten, zwei von ihnen erlitten durch die Explosion schwere Verletzungen, darunter auch der Wohnungsinhaber.

Der 42-Jährige musste sich deshalb kürzlich vor dem Amtsgericht Northeim verantworten. Am Ende der Verhandlung sei der Angeklagte wegen fahrlässigen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, unerlaubten Umgangs mit gefährlichen Stoffen sowie fahrlässiger Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten verurteilt worden, deren Vollstreckung aber zur Bewährung ausgesetzt wurde, teilte Richter Sönke Andresen auf Anfrage mit.

Der Angeklagte hatte sich an jenem Spätnachmittag mit zwei Bekannten im Wohnzimmer seiner damaligen Wohnung aufgehalten. Bei dieser Gelegenheit habe er seinen Bekannten sogenannte Sprengfallen vorführen wollen, die er aus ausgeschnittenen Böllern und Schwarzpulver zusammengebastelt hatte, um damit potenzielle Einbrecher von seiner Schrebergartenkolonie fernzuhalten.

Dabei sei es dann passiert: Als er eine Portion auf einem Stück Papier anzündete, habe die Flamme auf die gesamte Menge des herumliegenden Explosivstoffes übergegriffen.

Es gab einen gewaltigen Knall, der so laut war, dass einem seiner Bekannten die Trommelfelle platzten. Auch der zweite Besucher wurde durch die Explosion verletzt. Der 42-jährige Bastler erlitt unter anderem diverse Brandverletzungen und Trommelfellperforationen. Die Wohnung wurde durch die Explosion völlig verwüstet. Der Sachschaden betrage rund 6500 Euro, sagte Andresen.

Die Explosion hatte damals einen Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften ausgelöst. Neben dem betroffenen Mehrfamilienhaus wurden zwei Nachbarhäuser evakuiert, insgesamt mehr als 30 Wohnungen. Laut Staatsanwaltschaft wurden in der Wohnung des 42-Jährigen metallene Rohrstücke, Schwarzpulver sowie unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen aufgefunden, außerdem diverse Polenböller und eine Holzschachtel mit Schießkugelschreibern.

Das Gericht begründete das vergleichsweise milde Urteil unter anderem damit, dass der Angeklagte selbst erhebliche Verletzungen davongetragen habe.

Außerdem kämen noch finanzielle Folgen auf ihn zu, da ihm die Krankenkassen voraussichtlich die Behandlungs- und Krankenhauskosten seiner verletzten Bekannten in Rechnung stellen würden. (Heidi Niemann)

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