Nager setzt großen Bäumen zu – Tiere sind streng geschützt

Biber hält Wasserwirtschaft im Landkreis Northeim auf Trab

Jens Schatz, Geschäftsführer des Leineverbandes, an einem vom Biber angenagten Baum
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Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis dieser Baum vom Biber zu Fall gebracht worden ist. Die frischen Nagespäne, die Jens Schatz, Geschäftsführer des Leineverbandes, in der Hand hält, verrät das der große Nager in der Nacht zuvor hier wieder aktiv war.

Die Rückkehr des Bibers beschäftigt die Mitarbeiter des Leineverbandes.

Northeim – Auch wenn seine Zuständigkeit erst flussabwärts hinter dem Wasserkraftwerk am Rhumekanal beginnt, verfolgt Jens Schatz, Geschäftsführer des Leineverbandes, die aktuellen Aktivitäten des Bibers im Bereich des Northeimer Auewäldchens (wir berichteten) mit großem Interesse. Und auch in der Nacht zum Dienstag hat der große Nager dort wieder eine Nachtschicht eingelegt.

Das verraten die frischen Spuren an einem der großen Bäume, dem der Biber schon arg zugesetzt hat. Ein weiterer, etwas kleinerer Baum ist bereits gefällt und liegt in der Rhume. „Das ist der Klassiker“, sagt Schatz und vermutet, dass die zuständigen Kollegen vom Rhumeverband hier demnächst tätig werden müssen, um zu verhindern, dass der umgestürzte Baum weiter die Rhume hinuntertreibt.

Weil der Biber streng geschützt sei, verzichte man nach Möglichkeit auf das komplette Entfernen solcher Bäume, betont Schatz. „Denn die dünneren Äste und Zweige, dienen ihm als Nahrung.“ Hier reiche es vermutlich, den Baum mit Seilen zu sichern. Solche Maßnahmen seien aber grundsätzlich mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises abzustimmen.

Nicht nur aus Naturschutzgründen, sei die Rückkehr des Bibers zu begrüßen, sagt Schatz. Denn angesichts der trockenen Sommer mit sinkendem Grundwasserspiegel sei es gut, wenn der Biber mit seinen Aktivitäten dafür sorgt, dass das Wasser langsamer abfließt.

Wie viele Biber bis jetzt in die Region zurückgekehrt sind, lässt sich laut Schatz nur schwer abschätzen, da die Tiere selbst nur ganz selten gesehen werden. „Wir gehen aber davon aus, dass der Biber mittlerweile das gesamte Leinetal im Bereich des Leineverbandes besetzt hat. Das sind rund 150 Kilometer Fließstrecke.“

Hier hat der Biber schon ganze Arbeit geleistet: Jetzt gilt es, den gefällten Baum so zu sichern, dass er nicht in Richtung Rhumekanal abtreibt.

Hinzu komme, dass auch in fast allen Flüssen, die in die Leine münden, bereits Spuren des Bibers entdeckt wurden, schildert Schatz die aktuelle Situation. Demnach sei davon auszugehen, dass eine weitere Gewässerstrecke von rund 225 Kilometern auch von Bibern besiedelt ist.

Der vom Biber verursachte finanzielle Mehraufwand für den Leineverband lässt sich laut Schatz derzeit noch nicht beziffern, weil bei der Beseitigung von Abflusshindernissen in der Statistik nicht zwischen Sturmschäden, Biberfraß oder Trockenheitsschäden unterschieden wird. „Klar ist aber, dass bei dem ohnehin recht hohen Aufwand, den wir für den ordnungsgemäßen Wasserabfluss betreiben müssen, der Biber on Top kommt.“

Im Hinblick auf die Gefahren durch angeknabberte Bäume für Spaziergänger, Freizeitsportler oder Paddler weist Schatz darauf hin, dass der Leineverband in der Regel nicht der Eigentümer des Gewässers oder Anliegergrundstücke sei und demnach auch nicht die Verkehrssicherungspflicht habe. „In den Bereichen, in denen der Leineverband Eigentum besitzt, ist das Gewässer und dessen Randstreifen naturnah, und das Betreten der freien Landschaft erfolgt grundsätzlich auf eigene Gefahr“, betont Schatz. Gewässerabschnitte, die Gefahren für Leib und Leben bergen könnten, seien der Kreisverwaltung als Sicherheitsbehörde zu melden, die dann über weitere Maßnahmen entscheiden müsse.

„Im Hinblick auf den künftigen Umgang mit dem Biber möchten wir eng mit dem Landkreis zusammenarbeiten und ein Konzept entwickeln, das im Einklang mit dem Naturschutz und der Wasserwirtschaft steht“, so Schatz.

Er geht davon aus, dass an allen Gewässern, die potenziell als Besiedlungsraum für den Biber in Frage kommen, künftig ein 10 bis 15 Meter breiter Streifen nur sehr vorsichtig befahren werden sollte, da mit Unfällen durch vom Biber gegrabene Gänge zu rechnen sein muss. Schatz empfiehlt den Bewirtschaftern solcher Flächen, diese als Blühstreifen umzuwandeln und sich dafür eine Förderung geben zu lassen.

„Das würde viel Stress aus der Diskussion nehmen“, meint Schatz. „Auf diese Weise wäre ausreichend Lebensraum für den Biber geschaffen, und man könnte ihn so von landwirtschaftlich genutzten Flächen fernhalten.“

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