Brasilianerin kontrolliert Brückenbau am Bahnhof

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Vorbereitungen für die nächste Behelfsbrücke: Bauübewacherin Graziele Devechi Ginez bei der Kontrolle der Stelle, wo die vierte von insgesamt sechs Behelfsbrücken eingesetzt wird. 

Northeim. Wenn beim Abriss der alten Bahnbrücken und dem Einbau der Behelfsbrücken am Northeimer Bahnhof irgendetwas nicht nach Plan läuft, dann ist Graziele Devechi Ginez gefragt.

Die aus Brasilien stammende Bau-Ingenieurin ist als sogenannte Bauüberwacherin dafür da, auftretende Probleme zu lösen. „Das ist eine hohe Verantwortung“, betont ihr Chef, der Regionalleiter der DB Engineering & Consulting, Matthias Jahns. „Die muss man tragen können und tragen wollen.“

Auf der Brückenbaustelle ist bisher weitgehend alles glatt gelaufen. Nur, so berichtet Projektleiter Alexander Karrasch im Untergrund der Brücke von Gleis 11 (aus Richtung Nordhausen) fanden die Bauarbeiter eine Packlage aus Steinen, die in den Plänen nicht verzeichnet war.

„Es gibt Sachen, die können Planer nicht vorhersehen“, betont Devechi Ginez. Ihre Aufgabe sei es dann, den Baufirmen Vorschläge zu machen, wie es weitergehen soll. Dafür könne sie auch nach Feierabend innerhalb von zehn Minuten auf der Baustelle sein.

Nach ihrem Studium in Hannover hat Devechi Ginez eine zweijährige spezielle Ausbildung bei der Bahn absolviert, ehe sie seit Mai hauptverantwortlich die Baustellenüberwachung in Northeim übernommen hat.

An der Tätigkeit bei der Bahn haben sie neben der Koordinierung der verschiedenen Gewerke vor allem gereizt, dass der Bahnverkehr von den Arbeiten so wenig wie möglich beeinträchtigt werden darf. „Wir arbeiten unter dem rollenden Rad“, bringt das Bahn-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis auf den Punkt. Für die Vorbereitung einer Streckensperrung wegen Bauarbeiten ist nach seinen Worten ein mehrjähriger Vorlauf notwendig, um Ersatzfahrpläne aufzustellen und einen Ersatzverkehr zu organisieren. Schließlich gebe es täglich bis zu 850 Baustellen im deutschen Bahnnetz.

Die Northeimer Baustelle ist im Zeitplan. Noch bis Montag, 12. September, soll der Einbau der Behelfsbrücken dauern. Anschließend werden die noch stehenden Reste der alten, verklinkerten Widerlager der Brücken abgerissen. Die Behelfsbrücken, die größere Spannweiten als die alten Brücken haben, ruhen auf eigenen Fundamenten, so dass die alten Widerlager unter den Behelfsbrücken zurückgebaut werden können.

Mitte Oktober soll dann der Bau der Dichtsohle für den Trog erfolgen, durch den künftig die Bundesstraße 241 (Bahnhofstraße, Sollingtor) unter den Brücken hindurchführen soll. Wie die bereits im Frühjahr gerammten Spundwände soll sie verhindern, dass die Baugrube voll Wasser läuft.

Knapp zwei Jahre wird Bauüberwacherin Devechi Ginez noch in Northeim zu tun haben. Denn erst im Juli 2018 sollen die neuen Eisenbahnbrücken fertig sein. Die Northeimer Autofahrer müssen dann wohl noch weitere drei Monate Geduld haben, bis die neue Straße unter den Brücken befahrbar sein wird. Sie wird tiefer gelegt, um die Durchfahrtshöhe von vier auf 4,50 Meter zu erhöhen.

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