Situation für Handwerksbetriebe spitzt sich zu

Materialknappheit Bremse für Baukonjunktur im Landkreis Northeim

In den Kreisschulen wird über die Ferien kräftig gebaut: Hier ist Dachdecker Stephan Fett von der Moringer Firma Henkel bei der Montagarbeiten am Vordach der Kooperativen Gesamtschule Moringen zu sehen.
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In den Schulen des Landkreises Northeim wird über die Ferien kräftig gebaut: Hier ist Dachdecker Stephan Fett von der Moringer Firma Henkel bei der Montagarbeiten am Vordach der Kooperativen Gesamtschule Moringen zu sehen.

Auf vielen Baustellen im Landkreis Northeim geraten die Arbeiten ins Stocken, weil Material fehlt.

Northeim – Die coronabedingten Lieferengpässe, unter denen die Handwerksbetriebe im Landkreis Northeim leiden (wir berichteten), werden aus Sicht der Kreishandwerkerschaft Northeim-Einbeck zu einer Bremse für die Konjunkturerholung im privaten Wohnungsbau.

Nach Einschätzung von Kreishandwerksmeister Ulrich Schonlau ist auch in den niedersächsischen Sommerferien keine Entspannung in Sicht. „Die Materialbeschaffung ist schwierig und wird immer schwieriger“, ist er überzeugt. Mittlerweile seien alle Gewerke davon betroffen.

Auch Armin Sander, Obermeister der Tischlerinnung Northeim-Einbeck, sieht in der Materialbeschaffung ein zunehmendes Problem. Er betont, dass die Betriebe mittlerweile schon auf Ersatzmaterialien zurückgreifen müssten oder gezwungen seien, größere Teile zu kaufen und diese dann zu zerschneiden, um die Teilstücke weiterverarbeiten zu können. „So etwas gab es vor der Pandemie noch nie.“

Für die Handwerksbetriebe sei die aktuelle Situation absurd, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Kreishandwerkerschaft. Die Betriebe hätten zwar volle Auftragsbücher, aber es lohne sich in vielen Bereichen angesichts der derzeitigen Einkaufspreise für Material gar nicht, die Aufträge auszuführen, weil schon vorher klar sei, dass dabei ein Minus herauskomme.

In den vergangenen fünf Monaten, habe sich das Baumaterial um 20 bis 30 Prozent verteuert. Bei einzelnen Gütern habe sich der Preis aber sogar verdreifacht.

Nicht nur Holz, sondern alles, was man braucht, um ein Haus zu bauen oder zu renovieren ist derzeit knapp und teuer. Erhebliche Engpässe beklagt das Handwerk bei bestimmten Metallen und Kunststoffen, und sogar Schrauben werden langsam knapp. Derzeit geht die Kreishandwerkerschaft davon aus, dass auch in den nächsten Monaten die Versorgung mit den für das Elektrohandwerk wichtigen Halbleiterprodukten problematisch bleiben wird.

Auf das umfangreiche Sanierungsprogramm, das sich der Landkreis Northeim in den Sommerferien für sieben seiner Schulen vorgenommen hat – insgesamt sollen 4,6 Millionen Euro investiert werden (wir berichteten) –, haben die Materialengpässe allerdings noch keine Auswirkungen.

„Zum jetzigen Stand werden die Zeitpläne der Baumaßnahmen eingehalten“, teilt Kreissprecherin Saskia Binnewies auf HNA-Anfrage mit. „Ob sich dies im Verlauf der Maßnahmen ändern wird, können wir aktuell nicht sagen.“

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