Brexit drückt den Umsatz heimischer Firmen kaum

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Beschäftigt 1550 Mitarbeiter: Contitech mit seinen vier Werken vereint auf einem Gelände in Northeim.

Northeim. Über den Austritt der Briten aus der Europäischen Union zeigen sich die die größten Unternehmen im Landkreis Northeim zwar durchaus beunruhigt.

Die konkreten Auswirkungen auf Umsatzzahlen und die Beschäftigung schätzen die Geschäftsleitungen aus den unterschiedlichsten Gründen allerdings eher gering ein.

Ein „Jeder für sich“ entspreche nicht der Gründungsidee der EU und könne nicht die Antwort auf die Herausforderungen im weltweiten Wettbewerb mit Amerika und Asien sein, sagt Antje Lewe, Pressesprecherin des Continental-Konzerns zum Austritt der Briten aus der EU. Die Auswirkungen auf Continental und damit auch die Tochter Contitech, die in den Northeimer Werken 1550 Mitarbeiter beschäftigt, seien jedoch voraussichtlich nur begrenzt.

Conti unbeeindruckt

„In Großbritannien erwirtschaften wir weniger als drei Prozent unseres Konzernumsatzes.“ Conti beschäftige im Königreich 1400 Mitarbeiter, 550 davon bei Contitech. „Wir gehen davon aus, unsere Produkte auf dem dortigen Markt weiter erfolgreich zu verkaufen“, fährt sie fort. Contitech produziere und vertreibe in Großbritannien in erster Linie Industrieschläuche und Antriebsriemen. Der Konzern hoffe, dass die neuen Einzelabkommen der Briten mit der EU so verhandelt werden, dass es zu keinerlei Behinderungen der Handelsbeziehungen kommt.

KWS: Geschäft läuft weiter

Das Vereinigte Königreich gehöre durchaus zu den Märkten des Saatgutherstellers KWS, der seine Zentrale in Einbeck hat und am Firmensitz 1280 Mitarbeiter beschäftigt. Die Produktion und der Vertrieb von Saatgut für Getreide, Raps und Ölfrüchte laufe allerdings über die KWS-Tochter „KWS UK ltd.“, die mit rund 80 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 30 Millionen Pfund (37 Millionen Euro) mache, betont Unternehmenssprecherin Mandy Schnell. Zum Vergleich: Die KWS Gruppe mit 70 Standorten weltweit hatte im Geschäftsjahr 2014/2015 einen Umsatz von 986 Millionen Euro. Prozentual beträgt der britische Umsatzanteil demnach 3,8 Prozent.

„Unser Geschäft mit Saatgut wird auch nach dem Brexit-Votum weiterlaufen“, fährt Schnell fort. Wie sich die Währung nach der momentanen Abwertung des Pfunds entwickeln wird, bleibe abzuwarten.

ETT setzt weiter auf Export

Das Pfund ist in den Keller gerutscht, und unsere Waren werden deshalb dort teurer“, sagt der Chef von ETT-Verpackungstechnik Fredelsloh, Martin Dirks zum Austritt der Briten. Etwa eine Million Euro Umsatz mache sein Unternehmen, das in Fredelsloh 200 Mitarbeiter beschäftigt, in England. Das entspreche fünf Prozent des Gesamtumsatzes.

Trotz der zu erwartenden steigenden Preise auf dem britischen Markt sieht Dirks für ETT positiv in die Zukunft: „Die Engländer können solche Maschinen und Systeme, wie wir sie bieten, nicht selbst bauen, deswegen werden wir auch weiter dorthin exportieren.“

Thimm: Handel auch mit Nicht-EU-Ländern

Wir sind nicht direkt betroffen, weil wir nur in sehr überschaubarem Rahmen Kunden in Großbritannien haben“, meint Jens Fokuhl, Geschäftsführer der Thimm-Packaging Gruppe, die in Northeim 440 Beschäftigte zählt, zum Austritt der Briten. „Grundsätzlich kann man aber auch mit einem Land außerhalb der EU Geschäfte machen.“ Mitarbeiter in England habe Thimm nicht.

Breckle: Für uns kein Markt

Für uns hat der Austritt der Briten aus der EU keine Auswirkungen“, sagt der Chef des Northeimer Matratzenherstellers Breckle, Michael Breckle. Das Unternehmen mit seinen 400 Mitarbeitern sei auf dem englischen Markt nicht vertreten, unter anderem deswegen, weil es dort andere Bettenmaße gebe.

Breckle sieht als Folge eher eine Schwächung der englischen Wirtschaft. „ Waren aus England werden hier teurer, und das werden die Briten spüren.“

Unsere Liveticker zum Brexit finden Sie hier.

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