Vorwurf: Stadtverwaltung hat nicht genug informiert

Abriss von historischer Brücke sorgt weiter für Ärger: Neubau zu teuer

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Am Brückengewölbe ist nichts marode: Das meint Hollenstedt Ortsbürgermeister Dipl.-Ingenieur Werner Boldt, der selbst Architekt ist.

Hollenstedt. Der geplante Abriss der angeblich nicht mehr tragfähigen historischen Böllebrücke in Hollenstedt und ihr Ersatz durch eine Überfahrt mit seitlichen Betonwänden wird immer mehr zum Aufreger in der Northeimer Ortschaft.

Hollenstedts Ortsbürgermeister Werner Boldt hat jetzt kritisiert, dass der Hollenstedter Ortsrat sich in seiner jüngsten Sitzung habe überrumpeln lassen und aus Angst davor, es gebe später kein Geld mehr, für den modernen Brückenersatz gestimmt habe. Boldt: „Dass der Punkt damals nicht von der Tagesordnung abgesetzt wurde, habe ich teilweise auch mir anzukreiden.“

Boldt wirft der Stadtverwaltung unzureichende Information vor. „Die Vorstellung des Brückenersatzbauwerks in der Ortsratssitzung am 3. Juni war miserabel.“ Die Stadtverwaltung habe auch noch behauptet, dass Zuschüsse für die Brückensanierung verfallen würden, wenn nicht in 2015 gebaut werde. Damit sei Druck auf den Ortsrat erzeugt worden.

Weiter habe die Verwaltung behauptet, dass der TÜV- Rheinland eine Sanierung der Brücke für nicht durchführbar halte. Boldt: „Das stimmt einfach nicht. Aus dem mir vorliegenden Gutachten geht sogar das Gegenteil hervor.“

Das Gutachten bestätige dem aus dem Jahr 1850 stammenden historischen Gewölbe der Brücke sogar, dass es es extrem tragfähig sei und erheblich mehr als die geforderten 40 Tonnen tragen könne. Nicht so belastbar sei nur der 1,50 Meter breite Anbau zur Fahrbahnverbreiterung, der 1909 angesetzt wurde.

An dem besagten Anbau sind nach Boldts Ausführungen lediglich Unterhaltungsmaßnahmen am äußeren Stahlträger nötig. Am Brückengewölbe selbst seien kaum Schäden vorhanden. Die Brücke könne zudem auch eingeengt genutzt werden. Dies sei der Verkehrsberuhigung im Dorf förderlich.

Dass der Erhalt des Brückenbauwerks von herausragender Bedeutung für das Dorfbild ist, hätten schon die Planer des Dorferneuerungsplans für Hollenstedt 1986 geschrieben. Diese Einschätzung sei heute aktueller denn je, zumal heutige Stadtplaner viel mehr Wert auf dörfliche Individualität legten.

Boldt: Neubau viel zu teuer 

Auch die Kosten sprächen gegen einen modernen Brückenersatz, so Boldt. Nach seiner Einschätzung würde eine moderne neue Betonbrücke weitaus teurer als die im Haushalt geplanten 200.000 Euro.

Man könne das dreifache dessen ansetzen, was die neue Brücke in Langenholtensen gekostet habe. Das waren 180.000 Euro. Boldt: „Und nach den Worten von Ortsbürgermeisterin Reta Fromme musste an der Brücke in Langenholtensen erheblich nachgebessert werden, um ein dem Ortsbild angemessenes Aussehen zu erreichen.“

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