Eine Brücke über Vorurteile hinweg

Integrationsverein Köprü wendet sich in Northeim an Migranten verschiedener Herkunft

Der Köprü-Vorstand: von links Abdullah Dömen (Vorsitzender), Aslihan Deriner (2. Vorsitzender) und Müfit Pürtelas (Jugendwart). Es fehlen Ayhan Savran (Kassenwart) und Serap Özer (Schriftwart).
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Der Köprü-Vorstand: von links Abdullah Dömen (Vorsitzender), Aslihan Deriner (2. Vorsitzender) und Müfit Pürtelas (Jugendwart). Es fehlen Ayhan Savran (Kassenwart) und Serap Özer (Schriftwart).

Der im vergangenen Jahr in Northeim neu gegründete Integrationsverein Köprü möchte nach dem Ende der Corona-Pandemie durchstarten.

Northeim – Ziel ist unter anderem der Abbau von Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus, Islamfeindlichkeit und Antisemitismus sowie die Einbindung von Menschen mit Migrationshintergrund in die deutsche Gesellschaft. „Wegen der Pandemie konnten wir uns noch nicht richtig zeigen“, sagte Köprü-Vorsitzender Abdullah Dömen (51).

Der Name Köprü ist Programm. Er bedeutet aus dem Türkischen übersetzt Brücke. „Wir wollen Vorurteile und Hemmschwellen gegenüber Minderheiten abbauen“, sagt Müfit Pürtelas (42), der zu den Gründungsmitgliedern des Integrationsvereins gehört und das Amt des Jugendwarts ausübt. Bevor sie ihre eigene Initiative gegründet haben, waren sie, wie auch der zweite Vorsitzende Aslihan Deriner (46), in der Northeimer türkisch-islamischen Ditib-Gemeinde aktiv.

Mit knapp zehn Mitgliedern ist der Verein noch klein, aber in der islamischen Community Northeims mit ihren geschätzt 600 Familien bestens vernetzt. Erst am vergangenen Wochenende hatten sie zusammen mit Partnern eine Aktion zur Verschönerung auf dem muslimischen Gräberfeld des Northeimer Friedhof organisiert.

„Wir wollen Menschen mit unterschiedlichen Migrationshintergrund und unterschiedliche Ansichten verbinden und eine Basis für einen demokratischen Umgang miteinander schaffen“, sagt Pürtelas weiter. Ein entscheidender Grund dafür sei, dass sich das gesellschaftliche Klima verändert habe.

„Plötzlich sind gewisse Äußerungen nicht mehr schlimm. Viele kommunizieren ganz offen ihren Hass gegenüber Minderheiten und bekommen Rückenwind“, ist sich Pürtelas mit seinen Vorstandskollegen einig. Sie und seine Mitstreiter weisen in diesem Zusammenhang auf den „stetigen Anstieg der Gewalt gegenüber Minderheiten“ hin. So etwa auf die Schändungen des muslimischen Gräberfeldes in Northeim, Angriffe auf Synagogen und Moscheen sowie den rechtsextremistischen Terrorakt 2020 in Hanau.

Der Integrationsverein plant unter anderen ein Erzählcafé für Gastarbeiter, Deutsch- und Schwimmkurse für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, Informationsseminare (coronabedingt auch online), Seminarfahrten mit Jugendlichen zu Gedenkstätten und politischen Einrichtungen sowie Familientreffs.

Wichtig ist dem Verein die Arbeit mit jungen Menschen und ihre Teilhabe an politischen Prozessen. Dabei denkt er beispielsweise an die Zusammenarbeit mit Schulen, wenn es im persönlichen Umfeld um das Erfahren, Erleben und Begreifen des demokratischen Miteinanders geht. Beispiele dafür seien das Aushalten und die Lösung von unterschiedlichen Meinungen und Konflikten, die beispielsweise in Rollenspielen geübt werden können.

Kontakt: Wer mit dem Integrationsverein Köprü Kontakt aufnehmen möchte, kann dies per E-Mail über info@köprü.de tun. Geplant ist auch eine Vorstellungstour bei Vereinen und Parteien. (Hans-Peter Niesen)

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