Petition an die Stadt – Kostengründe sind Hauptargument

Bürger gegen neues Feuerwehrhaus in Berwartshausen

Protest gegen neues Feuerwehrhaus: Auf dem Gelände am Ortsrand von Berwartshausen, wo das Gebäude geplant ist, haben die Gegner des Projektes ein Transparent aufgestellt.
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Protest gegen neues Feuerwehrhaus: Auf dem Gelände am Ortsrand von Berwartshausen, wo das Gebäude geplant ist, haben die Gegner des Projektes ein Transparent aufgestellt.

Mehr als die Hälfte der erwachsenen Einwohner von Berwartshausen wenden sich per Unterschrift gegen den geplanten Bau eines neuen Feuerwehrhauses mit Dotfgemeinschaftseinrichtungen.

Berwartshausen - Der Neubau ist mit 1,2 Millionen Euro veranschlagt. Das Feuerwehrhaus könnte mit Dorfgemeinschaftseinrichtungen und einem Jugendraum kombiniert werden.

Mit einer Petition an die Stadt Northeim wollen sie erreichen, dass das nach ihrer Meinung völlig überdimensionierte Projekt gestrichen wird. Ihren Protest gegen diese „Steuerverschwendung“ befeuern die Einwohner mit dem Slogan „Ja zur Feuerwehr! Nein zum Neubau!!! 1,2 Mio. für 82 Einwohner?“ Auf dem Grundstück an der Dorfstraße Richtung Hillerse, auf dem der Bau nahe der A 7 entstehen soll, haben sie inzwischen ein Banner mit diesem Slogan aufgestellt.

Die protestierenden Einwohner, zu denen auch Ortsvorsteher Lutz Keese gehört, betonen, sie seien froh, Feuerwehrmitglieder im Ort zu haben, könnten aber die Dimensionen des Neubaus nicht nachvollziehen. Soweit sie informiert worden seien, werde der Neubau damit begründet, dass das avisierte neue Feuerwehrfahrzeug wegen seiner Größe nicht in die alte Garage hineinpasse.

„Rechtfertigt dies einen Neubau für über eine Million Euro?“, fragen sie. Die Einwohnerzahl von Berwartshausen einschließlich Kindern liege gerade mal bei 82. „Die Anzahl der aktiven Feuerwehrmitglieder ist uns nicht bekannt. Auch auf Anfragen unseres Ortsvorstehers bei unserem Ortsbrandmeister wurde keine Auskunft gegeben“, heißt es in dem Protestbrief an die Stadt.

Angeblich gäbe es 23 Aktive in der Wehr. Das bezweifeln sie jedoch. Sie schätzen, dass es allenfalls zehn sind. Eine Reihe von Wehrmitgliedern würde auch nicht in Berwartshausen wohnen. Sollte es tagsüber zu einem Einsatz kommen, wäre zudem kaum jemand erreichbar, weil alle außerhalb arbeiten würden.

Weiteres Argument gegen den Bau sei, dass zwei weitere Feuerwehrgerätehäuser in unmittelbarer Nähe liegen: in Hillerse, 1,3 Kilometer entfernt, und in Höckelheim, 1,6 Kilometer weit weg.

Die protestierenden Bürger verweisen darauf, dass ein Dorfgemeinschaftshaus im nahen Schnedinghausen genutzt werden könne und es einen Container als Jugendraum im Ort gebe. Diesen nutze nur ein einziger Jugendlicher.

Ortsbrandmeister Thorsten Bohmhauer wies die Vorwürfe zurück. „Wir kämpfen seit 25 Jahren für ein neues Gerätehaus. Das alte entspricht nicht dem Brandschutzgesetz“, sagte er auf Anfrage. Andere Möglichkeiten seien nicht zu verwirklichen gewesen. Er wies darauf hin, dass Berwartshausen auch für den Brandschutz in Schnedinghausen zuständig sei, wo es keine Feuerwehr mehr gibt.

Zur Einsatzstärke wollte er sich nicht äußern. „Die Wehr hat die erforderliche Anzahl von Mitgliedern“, sagte er. Die Zahlen lägen der Stadt vor, die sie geprüft habe. Sie flössen nun in die Entscheidung des Rates ein.

Den Mitgliedern der Wehr, die sich jetzt gegen den Neubau aussprechen, warf er vor, „von Kameradschaft weit weg zu sein“. Das Dorf sei inzwischen gespalten.

Bürgermeister möchte Kompromiss am Runden Tisch

Northeims Bürgermeister Simon Hartmann (SPD) hat jetzt auf die Proteste der Bürger reagiert. Er schlägt einen Runden Tisch vor, um einen Lösungsvorschlag zu erarbeiten. Dazu möchte er den Ortsbeauftragten, den Ortsbrandmeister, den Stadtbrandmeister und die Fraktionsspitzen des Stadtrates einladen, um eine „zweckmäßige, bedarfsgerechte und kostengünstige Lösung für die Feuerwehr und die Einwohnerschaft“ zu finden.

Die Feuerwehr sei nach den vorliegenden Zahlen des Ortsbrandmeisters und des Stadtbrandmeisters einsatzfähig. Wesentlicher Mangel in Berwartshausen sei der viel zu kleine Stellplatz für das Tragkraftspritzenfahrzeug. Eine Vergrößerung im Bestand sei nicht möglich. Weiterhin fehlen die notwendigen Stellplätze für die Einsatzkräfte auf dem Grundstück. Außerdem verweist der Bürgermeister auf das Stadtkommando der Feuerwehr. Es habe in einer baulichen Prioritätenliste einen Neubau in Berwartshausen auf Platz 1 gesetzt. (Hans-Peter Niesen)

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