Modellversuch auf zwei Straßen

Fahrrad-Schutzstreifen im Landkreis Northeim müssen wieder verschwinden

+
Haben ausgedient: die Schutzstreifenmarkierungen, hier auf der Kreisstraße zwischen Behrensen und Lütgenrode.

Northeim. Für die Fahrrad-Schutzstreifen zwischen Behrensen und Lütgenrode sowie Bad Gandersheim und Heckenbeck gibt es keine Zukunft. Und das, obwohl das Fazit des Modells positiv ausfällt.  

Die im Landkreis Northeim auf zwei Kreisstraßen erprobten Markierungen, die Radfahrern einen Teil der Fahrbahn zugewiesen haben, müssen wieder verschwinden. Das hat der Landkreis Northeim auf Anfrage bestätigt.

„Da die verkehrsbehördliche Anordnung des Landes Niedersachsen nicht verlängert wird, besteht keine andere Möglichkeit, als den Modellversuch einzustellen und die vorhandenen Markierung zu entfernen“, teilte Pressesprecher Dirk Niemeyer mit. 

Die Teststrecken im Landkreis Northeim waren die Kreisstraßen zwischen Behrensen und Lütgenrode und von Bad Gandersheim nach Heckenbeck. Darüber hinaus war auch die Strecke von Erichsburg nach Eilensen mit Schutzstreifen markiert worden.

Streifen haben sich bewährt

Das Bundesverkehrsministerium lege keinen Wert auf die Weiterführung des Modellversuchs, betonte Niemeyer zur Begründung. Der Landkreis bedauere das, da das Projekt Schutzstreifen sich gerade auf der Kreisstraße zwischen Erichsburg und Eilensen bewährt habe.

Das Bundesverkehrsministerium widerspricht mit seiner ablehnenden Haltung dem Abschlussbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern, das die Federführung bei dem Modellversuch hatte. Es hat sich für die Aufnahme von Fahrradschutzstreifen in die Straßenverkehrsordnung ausgesprochen.

„Die im Modellversuch gewonnenen Erkenntnisse sprechen aus der Sicht des Landes Mecklenburg-Vorpommern deutlich für eine entsprechende Änderung des Straßenverkehrsrechts“, sagte Renate Gundlach, Sprecherin des Ministeriums für Infrastruktur in Schwerin der HNA.

Aufgabe des Modellversuchs sei es gewesen, nachzuweisen, dass mit der Einrichtung von Schutzstreifen außerorts keine Verschlechterung der Verkehrssicherheit einhergeht. Das sei gelungen.

„Schutzstreifen außerorts bedeuten keine zusätzlichen Gefahren, wenn die Höchstgeschwindigkeit für den motorisierten Verkehr auf 70 Kilometer pro Stunde reduziert ist und die Kfz-Belastung pro Tag bei unter 2000 liegt“, fasst die Sprecherin das Ergebnis zusammen.

Kein Ersatz für Radwege

Sie können nach ihren Worten unter diesen Bedingungen eine Lösungsmöglichkeit zur Führung des Radverkehrs auf schwächer belasteten Landstraßen sein, ersetzen aber nicht aus Sicherheitsgründen erforderliche getrennte Radwege. Wo Radwege aus finanziellen, technischen oder umweltrechtlichen Gründen nicht infrage kämen, seien sie aber eine Alternative.

Dem Bundesverkehrsministerium reicht das nicht. Es stützt seine ablehnende Haltung damit, dass der Modellversuch keine sicherheitssteigende Wirkung der Fahrradschutzstreifen belegt hat.

Das CDU-Kreistagsmitglied Joachim Stünkel bedauert das Ende der Fahrradschutzsteifen. Wenn sie nicht weiter bestehen dürfen, dann werde er eine Initiative starten, dass zwischen Erichsburg und Eilensen ein Radweg gebaut wird, kündigte er an. Dieser Kreisstraßenabschnitt gehöre zum Europaradweg R1, der von Calais nach St. Petersburg führt. „Wenn wir die Radfahrer sozusagen auf den schönen Europaradweg einladen, dann muss die Sicherheit der Radfahrer auf der teils viel befahrenen Kreisstraße auch größtmöglich gewährleistet sein“, betonte Stünkel. 

Der Bau von Radwegen dort wie auch an den beiden Strecken des Modellversuchs, Lütgenrode - Behrensen und Bad Gandersheim - Heckenbeck ist nach Auskunft des Landkreises derzeit nicht geplant. Landrätin Astrid Klinkert-Kittel hat Stünkel nach dessen Worten mitgeteilt, dass für den Bau eines Radweges einschließlich notwendigem Planfeststellungsverfahren mindestens fünf Jahren vergehen würden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.