Oft Sprachprobleme bei Bewerbern

Northeim: Busfahrer dringend gesucht

Arbeiten beim Northeimer Busunternehmen Weihrauch Uhlendorff als Busfahrer: Uwe Büsch (links’) und Mykhaylo Yeliyeshvili.
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Arbeiten beim Northeimer Busunternehmen Weihrauch Uhlendorff als Busfahrer: Uwe Büsch (links’) und Mykhaylo Yeliyeshvili.

Eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen sieht der Klimapakt bis zum Jahr 2030 vor. „Die neuen Bundesregierung steht hinter der Verkehrswende“, freut sich Michael Frömming, Geschäftsführer Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN). Er fragt sich aber auch, wo die vielen neuen Busfahrer herkommen sollen.

Northeim - „Mittlerweile ist jeder dritte, der bei mir den Busführerschein macht, ein Zuwanderer“, berichtet Matthias Düring, der die gleichnamigen Fahrschulen in Kalefeld leitet. Vor zehn Jahren sei es nicht einmal jeder zehnte gewesen – damals vor allem Spätaussiedler.

Heute würden bei ihm Menschen aus Ländern wie Eritrea oder Afghanistan mit „großem Ehrgeiz“ lernen. Sie geben „alles“, um später sozialversicherungspflichtig beschäftigt zu sein. Ihnen helfe, dass sie die Fahrprüfung mittlerweile in elf verschiedenen Sprachen ablegen könnten, darunter Hocharabisch.

„Ohne Deutschkenntnisse auf B2-Niveau schaffen sie allerdings später nicht die ebenfalls notwendige, 140 Unterrichtsstunden umfassende Grundqualifikation zum Berufskraftfahrer“, stellt Fahrlehrer Düring klar. Am Ende müssten sie bei der Industrie- und Handelskammer ihre Prüfung auf Deutsch ablegen.

„Die Sprachkenntnisse sind dann auch im Berufsleben unumgänglich“, ergänzt Horst Weihrauch, Geschäftsführer des Northeimer Busunternehmens Weihrauch Uhlendorff. Die Fahrer müssten später Fahrgäste bei Tariffragen beraten oder ihnen erklären, wo sie aus- oder umzusteigen hätten.

„Auch immer mehr Frauen sind in der einstigen Männerdomäne tätig“, beobachtet Fahrlehrer Düring. Frauen stellten mittlerweile 20 Prozent der Kursteilnehmer. Technisches Interesse sei nach wie vor wichtig, die Automatisierung erleichtere aber einiges.

Eine Stärke der Frauen läge in ihren sozialen Kompetenzen. Busunternehmen bräuchten Menschen „mit ruhigem Gemüt“, die sich auch im Umgang mit nicht immer einfachen Fahrgästen „im Griff“ hätten. „Im Alltag kochen bei dem einen oder anderen Gast schon mal die Emotionen hoch“, weiß Frömming.

„Der Stundenlohn beim Einstieg in den Linienverkehr liegt bei zwölf bis 14 Euro“, sagt Düring. „Unsere Fahrer kommen mit Zuschlägen und Zulagen auf ihr Geld“, betont Weihrauch. Eine Herausforderung: Zum Teil gibt es im Laufe des Tages nicht bezahlte Leerzeiten. Die Mitarbeiter sind dadurch lange von Zuhause weg, außer sie wohnen in der Nähe des Firmensitzes. „Zudem arbeiten Busfahrer auch abends oder am Wochenende“, gibt Düring zu bedenken.

„Damit die Verkehrswende gelingt, muss auch das Angebot stimmen“, betont Frömming. Busse müssten häufiger fahre, auch Schnellverbindungen seien notwendig. „Bei den Fahrscheintarifen brauchen wir bessere Angebote für sporadische Busnutzer“, sagt Weihrauch.

Die Arbeitsagentur hat im Bezirk Göttingen, zu dem auch der Landkreis Northeim gehört, 2019 deutlich mehr als 50 Personen den Busführerschein finanziert, berichtet Pressesprecherin Christine Gudd. 2020 hat sich die Zahl aufgrund der Pandemie halbiert. 2021 wird der Wert von 2019 vermutlich auch noch nicht wieder erreicht. Daneben kommt das Northeimer Jobcenter ebenfalls für entsprechende Qualifizierungen auf.

Voraussetzung für die Kostenübernahme durch die Agentur ist, dass Arbeitssuchende oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen mit ihren derzeitigen Kenntnissen geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Zudem müssen sie gesundheitlich und von den Sprachkenntnissen her den Anforderungen des Arbeitsmarkts entsprechen. Die Agentur fördert zum Teil auch Arbeitsuchende ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld, etwa Wiedereinsteigerinnen nach einer Familienphase. „Vereinzelt“ hat die Agentur Frauen für die Qualifizierung zur Busfahrerin gewonnen, sagt Gudd. (zmc)

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