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Landwirte der Region bieten kostenlose Übernachtungen an

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Von: Michael Caspar

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Stellplatz mit traumhafter Aussicht: Michael Brodda vom Hof Lichtenborner Kräuter heißt Urlauber im Camper willkommen.
Stellplatz mit traumhafter Aussicht: Michael Brodda vom Hof Lichtenborner Kräuter heißt Urlauber im Camper willkommen. © Michael Caspar

Einen kostenlosen Stellplatz für eine Nacht bieten Landwirte im Landkreis Northeim Wohnmobilisten an – unterstützt vom Berliner Reiseführer-Verlag Landvergnügen.

Landkreis Northeim – Der Urlaub mit dem Wohnmobil boomt seit Jahren. Die Pandemie hat das noch befeuert. Bauern können von diesem Trend profitieren. Irmgard Bulle vom Auetaler Biohof begrüßte zum Beispiel im vergangenen Jahr von Pfingsten bis in den Spätsommer hinein fast jeden Tag Landvergnügen-Gäste in Kalefeld. Die meisten Urlauber kauften im Hofladen ein, wo sie sich mit Biokäse, Schaffleisch und frischen Eiern eindeckten.

Mit vielen kam Bulle ins Gespräch. „Ich komme wenig heraus, nun kommt die Welt zu mir“, freut sich die Landwirtschaftsmeisterin. Gerade hatte sie ein Paar aus der Schweiz zu Gast, das auf dem Weg nach Island ist. Auch viele andere Urlauber seien auf der Durchreise. Ihr Hof biete sich da aufgrund der Nähe zur Autobahn 7 an. Auch Kurzurlauber aus Hildesheim, Hannover oder Braunschweig gebe es. Bedauert werde das mangelnde gastronomische Angebot in der Gemeinde.

„Als im vergangenen Jahr erneut alle Pflanzenmärkte ausfielen, suchten wir nach anderen Vertriebswegen“, berichtet Michael Brodda vom Hof Lichtenborner Kräuter. Sein Betrieb macht seit Ende März 2021 bei Landvergnügen mit. An die 30 Wohnmobilisten übernachteten im vergangenen Jahr bei ihm. Anfragen hatte er „noch wesentlich mehr“. Aber Brodda wählt aus, sucht nach Gästen, die sich für seinen Betrieb und seine Art des Wirtschaftens – biodynamisch, achtsam und gemeinwohlorientiert – interessieren.

Auch in Lichtenborn kauften fast alle Urlauber im Hofladen ein, griffen bei den Obstsäften und dem Honig zu. Einige bezahlten zudem Pflanzen, die sie sich zwei, drei Wochen später – nach Ende des Urlaubs – nach Hause liefern ließen. „Der Versandhandel über unseren Onlineshop, der während der Pandemiezeit kräftig gewachsen ist, hat uns in den vergangenen zwei Jahren sehr geholfen“, betont Brodda.

„Durch das Anbieten eines kostenlosen Stellplatzes können Landwirte erste Erfahrungen mit Urlaubern auf dem eigenen Hof machen“, kommentiert das der Geschäftsführer des Landvolks Northeim-Osterode, Manuel Bartens. Der eine oder andere entschließe sich vielleicht später, Ferien auf dem Bauernhof anzubieten und so den eigenen Betrieb breiter aufzustellen. Für Landwirte in Bayern, wo er fünf Jahre gearbeitet habe, sei das Teil ihres beruflichen Selbstverständnisses. Doch es gibt auch Gegner des Landvergnügen-Ansatzes. „Die kostenlosen Stellplätze sind einigen Campingplatzbetreibern ein Dorn im Auge“, erzählt ein Landwirt, der aus Angst vor Anfeindungen anonym bleiben möchte. Außer dem reinen Stellplatz bieten die Landvergnügen-Partner Wohnmobilisten allerdings nichts an – keinen Strom, keine Wasser- und Abwasseranschlüsse, keine sanitären Anlagen. Ein Gast von Brodda fuhr deswegen zum nächsten Campingplatz weiter. (Michael Caspar)

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