Kritik an der Vorgehensweise des Gesundheitsamtes

Chaotische Nachtestung bei Breckle in Northeim?

Lange Schlange vor dem Werkstor: Dieses Foto entstand am Sonntag vor der Firma Breckle in Northeim, wo die Belegschaft erneut getestet wurde.
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Lange Schlange vor dem Werkstor bei Breckle

Der Landkreis Northeim weist Kritik an der Organisation der Testung zurück.

Northeim – Wurden beim Nachtesten der Belegschaft des Northeimer Matratzen-Produzenten die Hygiene- und Abstandsvorschriften missachtet? Dieser Vorwurf ist zumindest nachvollziehbar, wenn man Fotos betrachtet, die am Sonntag von besorgten Bürgern vor dem Werkstor gemacht wurden.

Silvia Wiechens aus Northeim, die selbst in der Pflege beruflich tätig ist und eine bei Breckle beschäftigte Freundin zu dem vom Gesundheitsamt Northeim veranstalteten Test gebracht hat, beschreibt das, was sie dort beobachtet hat als „Albtraum“.

„Abstand gleich Null. Hygiene gab es nicht und personenbezogene Daten spielten wohl auch keine Rolle“, beschreibt sie die Situation. „Ich hätte da vermutlich einfach unter dem Namen meiner Freundin reingehen und mich an ihrer Stelle testen lassen können.“

Allein die Tatsache, dass man dort sehr viele Menschen zur selbem Zeit hinbestellt habe, sei unmöglich, so Wiechens. Auch im Gebäude sei es wohl ähnlich chaotisch zugegangen, weil es kein Personal gegeben habe, das den Ablauf hätte regeln können.

Das bestätigte auch ein Mitarbeiter der Firma Breckle, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er sei für 10.30 Uhr zum Test bestellt worden und habe sich gewundert, dass dort bereits viele seiner Kollegen gewartet hätten, weil sie ebenfalls um 10.30 Uhr getestet werden sollten.

„Ich dachte, da findet eine Grillparty statt“, schildert er seinen ersten Eindruck. Insgesamt sei alles ziemlich chaotisch gelaufen. Weder am Ein- und Ausgang noch im Innern des Gebäudes habe es irgendeine Regelung gegeben, um die Hygienevorschriften und die Abstände einzuhalten.

Nach Einschätzung des Landkreises Northeim, der die Testung veranlasst und ausgeführt hat, war in der auf den Fotos festgehaltenen Situation keine „wesentliche Infektionsgefahr“ gegeben, da eine Übertragung der Infektion über Aerosole unter freiem Himmel sehr gering sei. Zu sehen sei auf dem Bild zwar eine größere Menschenmenge, in der die Mindestabstände nicht eingehalten wurden“, so Landkreis-Pressesprecher Dirk Niemeyer. Soweit erkennbar, hätten aber alle Personen eine geeignete Maske getragen.

Das Fehlen von Desinfektionsmitteln im Gebäude sei in diesem Fall unbedeutend, da die Personen nicht gemeinsam Gegenstände anfassen. Eine Menschenansammlung, wie sie draußen stattgefunden habe, wäre aufgrund der Aerosolverbreitung die Unterschreitung der Abstände infektionshygienisch nicht zu tolerieren gewesen, betont Niemeyer.

Die Testungen hätten in insgesamt sechs Räumen stattgefunden, geht Niemeyer auf die von einigen Mitarbeitern geäußerte Kritik an der Organisation des Tests ein. „Einbestellt waren die Beschäftigten zu 10 Uhr und 10.30 Uhr, sodass auf jeden Raum pro Time-Slot rund 25 Personen kamen“. Das dürfte auch unter Beachtung von Abstandsvorschriften gut zu bewältigen gewesen sein.

Niemeyer: „Außerdem wurden alle Personen bereits in der Einladung mehrsprachig darauf hingewiesen, dass bei dem Test Masken zu tragen sind und der Abstand einzuhalten ist.“ Darüber hinaus sei dem Landkreis von der Firma Breckle im Vorfeld ein Ordnungsdienst zugesagt gewesen.

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