Vertrieb auch über Northeim

Continental entwickelt Inspektionsservice für Förderbänder mit Drohnen und Mikros

Das Contitech-Werk in Northeim: Links im Bild befindet sich die Transportband GmbH, in der auf langen Kalandern Fördergurte aus Kautschukmischungen, Geweben und Stahlseilen gefertigt werden.
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Das Contitech-Werk in Northeim: Links im Bild befindet sich die Transportband GmbH, in der auf langen Kalandern Fördergurte aus Kautschukmischungen, Geweben und Stahlseilen gefertigt werden.

Eine neue Servicelösung zur Überwachung von Fördergurtsystemen hat der Continental-Konzern auch in Zusammenarbeit mit Experten aus der Contitech Transportband GmbH in Northeim entwickelt.

Northeim - Es handelt sich um ein System, das automatisiert Drohnen auf die Reise schickt und daneben auch akustische Messungen über Mikrofone vornimmt.

Schneller und sicherer erkannt werden sollen auf diese Weise Schwachstellen entlang einer Fördergurtstrecke, und zwar, bevor ein Schadensfall einsetzt, der einen Bergbaubetrieb über Tage lahmlegen kann.

Die neue Technik, die im sogenannten „Inkubatorprogramm“ von Conti vom Team „Co-pace“ in Hamburg zum Prototypen entwickelt worden ist, bietet eine Kombination aus visueller und akustischer Inspektion von Förderbändern und dazu eine datengestützte Planung von Wartungsintervallen, heißt es in einer Continental-Mitteilung. Es ersetzt den meist sehr zeitaufwendigen manuellen Kontrollprozess.

Auf einer mittelgroßen Anlage mit einer Länge von 40 Kilometern laufe der Fördergurt auf 120 000 Tragrollen. Rund 30 Prozent der Betriebsausfälle von Fördergurtanlagen ließen sich auf Defekte an Tragrollen, die nicht rechtzeitig identifiziert werden konnten, zurückführen. Hier soll das neue Serviceangebot, das nach der Fertigstellung zur Serienreife 2021 auch über das Transportband-Headquarter von Contitech in Northeim vertrieben werden soll, ansetzen.

Und so funktioniert das System: Bei offenen Fördergurtstrecken erfolgt die Inspektion aus der Luft mit einer mit Infrarot- und Farb--Kamera ausgestatteten Drohne.

Eine Drohne inspiziert an offenen Streckenabläufen eines Fördergurts mittels optischer Farb- und Infrarotkamera wie hier in der Grafik. Continental will das System bald anbieten.

Sobald die Drohne die Strecke sensorgesteuert abgeflogen hat, kehrt sie zu einer autonomen Ladestation zurück, um während des Ladens Daten via Internet in eine Cloud zu senden. Die Bilddaten werden mittels eines Algorithmus verarbeitet und auf Tragrollendefekte analysiert. Die ständige Wartung von abgedeckten Streckenbereichen oder auch Untertage-Anlagen erfolgt über Mikrofone, die im Abstand von 20 bis 25 Metern am Förderband installiert werden. Sie erlauschen Frequenzabweichungen an den Tragrollen. Die Audioaufnahme erfolgt zweimal täglich. Die Daten werden ebenso in die Cloud hochgeladen und mittels des Algorithmus auf Ereignisse untersucht, die auf einen Tragrollenschaden hindeuten.

Herkömmliche Inspektionsverfahren können aufgrund der Bandlänge oder örtlicher Gegebenheiten wie der Strecken unter Tage zeitaufwendig, unpräzise oder gar gefährlich für Servicemitarbeiter sein. Zudem erfolge die Dokumentation meist händisch und koste ebenfalls viel Zeit, sodass Defekte zu spät erkannt würden, erklärt Clemens Panzer, der federführend an der Neuentwicklung beteiligt und Mitglied des Projektteams ist. Die neue, sensorgestützte Inspektion hingegen ermögliche eine Fernüberwachung fast in Echtzeit. Die Daten seien permanent einsehbar und erlauben eine bedarfsgerechte Planung von Servicezeiträumen.

Die neu entwickelte Lösung wurde in ersten Feldversuchen erfolgreich getestet. Der Sprung vom Konzept hin zum Prototyp habe in nur zwei Monaten realisiert werden können. Weitere Pilotprojekte mit Interessenten seien geplant, heißt es von Continental. „Wir rechnen damit, dass im Laufe dieses Jahres eine einsatzfähige Softwarelösung für den künftigen Service bereitsteht“, sagt Clemens Panzer. (Axel Gödecke)

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