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Auswirkungen der Corona-Pandemie: Große Textilfirma vor dem Aus? Mitarbeiter in Sorge

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Von: Rosemarie Gerhardy

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Hier stehen seit der Corona-Pandemie die Nähmaschinen still: Jetzt verhandeln Geschäftsführung und Betriebsrat, wie die Firma Wilvorst am Standort Northeim erhalten bleiben kann.
Hier stehen seit der Corona-Pandemie die Nähmaschinen still: Jetzt verhandeln Geschäftsführung und Betriebsrat, wie die Firma Wilvorst am Standort Northeim erhalten bleiben kann. © Hubert Jelinek

Die Corona-Pandemie hat auch die Textilbranche stark mitgenommen, die Firma Wilvorst in Northeim bekommt das nun mit voller Wucht zu spüren.

Northeim – Die Mitarbeiter befinden sich seit März in Kurzarbeit. Die Umsätze sind um 35 Prozent zurückgegangen, berichtet Geschäftsführer Andreas Wolf auf HNA-Nachfrage, dabei hätte das Jahr fantastisch gestartet. Im Februar sei man noch von einem sehr umsatzstarken 2020 ausgegangen.

Doch die aktuelle Situation hat die Geschäftsführung veranlasst, die Mitarbeiter anzuschreiben und die angespannte Lage zu erklären. Denn die Kosten müssten angepasst werden, damit der Standort Northeim auch in Zukunft erhalten bleibe, so Wolf. Dazu müsse sich das Unternehmen effizienter und digitaler aufstellen.

Wegen Corona in Not: Großer Textilhersteller denkt über Verlagerung ins Ausland nach

Andreas Wolf
Andreas Wolf, Wilvorst Geschäftsführer. © Archivfoto: Privat/NH

In allen Bereiche müssten die Prozesse und die Organisation verschlankt werden. Noch habe man keine Kündigungen ausgesprochen, aber dauerhaft könnten die Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit bleiben. Unter anderem würde auch darüber nachgedacht, die Produktion ins Ausland zu verlegen. Wilvorst unterhält bereits Produktionsstätten in Kroatien, Bulgarien und in Rumänien.

Andere Textiler hätten bereits bewiesen, dass es gehe und man auch die Qualität halten könne. Zurzeit befinde man sich aber noch in Gesprächen mit dem Betriebsrat, die eventuelle Verlagerung ins Ausland sei ein letzter Schritt. Die Entscheidung darüber solle in den kommenden zwei bis drei Monaten gefällt werden.

Angeschlagener Textilhersteller: Gewerkschaft setzt sich für Mitarbeiter ein

Bianka Berlin, von der zuständigen Gewerkschaft IG Metall, die auch die Textilbranche vertritt, hofft, dass die Mitarbeiter gehalten werden können. Man habe sich fachkundige Beratung mit an Bord geholt, um Ideen zu entwickeln, damit Wilvorst zukunftsfähig aufgestellt werden könne.

Sie fordert, dass die Zeit der Kurzarbeit, die bis Ende 2021 möglich sei, genutzt werde, neue Geschäftsbereiche zu erschließen und auch den Käufern den Wert von „Made in Northeim“ zu verdeutlichen. Zudem appelliert sie an die Stadt, dass sie sich für die Firma engagieren sollte.

Wilvorst - Seit 104 Jahren am Markt

Das seit 1946 in Northeim ansässige Unternehmen Wilvorst wurde 1916 von Wilhelm Vordemfelde in Stettin gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion nach Northeim verlagert. 1949 bezog das Unternehmen das Firmengebäude an der Stettiner Straße. Heute beschäftigt die Firma Wilvorst an den Standorten Northeim und Goslar rund 220 Mitarbeiter. Andreas Wolf und Stefan Kohlmann sind die Geschäftsführer in Northeim. Wilvorst Herrenmoden gehört seit 1993 zur Bugatti Holding in Herford. 

Von Rosemarie Gerhardy

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