Betriebe fragen nach Landeshilfen

Corona im Landkreis Northeim: Handwerk leidet unter Krise

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Haben noch gut zu tun, weil sie quasi im Notfalleinsatz sind: Handwerker der Northeimer Firma Sero beim Beheben eines Wasserschadens im Northeimer TGN-Heim. Vorn Viktor Quade und hinten Torsten Dahlmann.

Die Coronakrise trifft auch viele Handwerksbetriebe im Landkreis Northeim, obwohl fast alle von ihnen auch nach dem Erlass von Einschränkungen und Verboten weiter arbeiten dürfen.

  • Die Coronakrise beeinflusst fast alle Lebensbereiche
  • Auch viele Handwerksbetriebe im Landkreis Northeim merken Veränderungen
  • Die meisten Firmen im Handwerk dürfen jedoch zumindest weiter arbeiten

Viele Auftragsarbeiten vor allem im Innenbereich werden in der Coronakrise von den Auftraggebern verschoben. Von Umsatzrückgängen bis zu 30 Prozent berichtet beispielsweise Lutz Vogel, Inhaber der Firmen Sero Handwerkerservices und Taros-Wasserschadensanierung. Er hat rund 60 Mitarbeiter und aufgrund von zurückgestellten Aufträgen für einen Teil seiner Belegschaft vor drei Tagen Kurzarbeit beantragt.

Zumal beispielsweise Fassadenanstriche draußen wegen der niedrigen Temperaturen nicht machbar seien. Allerdings laufe das Geschäft der Wasserschadensanierung als Versicherungsschaden weiter, sodass zu Beispiel seine Installateure weiter gut zu tun hätten.

Handwerk in der Coronakrise: Auftragspolster ist noch vorhanden

Von Auftragsverschiebungen berichtet auch Adolf Barnkothe, Inhaber einer Tischlerei in Moringen mit fünf Mitarbeitern. Vor allem Betriebe als Auftraggeber wollten derzeit keine Fremdfirmen in ihren Häusern haben.

Trotzdem habe er noch ein Auftragspolster. Zudem stelle er seit Neuestem Plexiglas-Schutzwände für Arztpraxen oder auch Anwaltskanzleien her und baue sie ein. Barnkothe: „Ich hoffe, auch weiter ohne Kurzarbeit auszukommen.“

Hans-Joachim Nüsse, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft

Anders ist die Situation allerdings in vielen anderen Handwerksbetrieben, berichtet Hans-Joachim Nüsse, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaften Northeim-Einbeck und Osterode. Da seien zum Beispiel Friseure, die wegen der Coronakrise schließen mussten, oder Bäckereien, denen Cafés geschlossen wurden und auch die Laufkundschaft fehle.

Nüsse: „Wir haben täglich rund 50 Anrufe von Mitgliedsbetrieben, die um Rat fragen.“ Viele wollten wissen, wie sie an die von der Politik zugesagten Zuschüsse für Kleinunternehmer kommen.

Seit Mittwoch (25.03.2020) gibt es zur Beantragung der Landeshilfen ein Online-Formular auf der Seite der N-Bank, die aber oft überlastet ist. Auch um Kurzarbeitergeld gehe es bei den Anrufen. Manche fürchteten auch Nachschubprobleme beim Material, so Nüsse. 

Handwerk in der Coronakrise: Bauwirtschaft läuft noch

Auf den meisten Baustellen im Kreisgebiet Northeim laufen die Arbeiten trotz drastischer Einschränkungen im Zuge der Coronakrise weiter. Darauf weist die Gewerkschaft IG Bau Niedersachsen-Süd hin. „Die Bauwirtschaft ist bislang insgesamt deutlich immuner gegen die Krise als viele andere Branchen“, sagt Heinrich Grupe von der IG Bau Niedersachsen-Süd.

Er dankt zugleich den 1170 Bau-Beschäftigten im Landkreis Northeim für ihren Einsatz. Damit leisteten die Beschäftigten einen entscheidenden Beitrag zur Stützung der regionalen Wirtschaft.

Handwerk in der Coronakrise: Hand-in-Hand-Arbeit wird erschwert

Neben den Maurern und Zimmerleuten, den Landschaftsgärtnern, Dachdeckern und Straßenbauern seien das auch diejenigen, die für den Nachschub auf dem Bau sorgen: die Beschäftigten der Baustoffindustrie. Natürlich treffe die  Coronakrise auch den Bau hart, fährt Grupe fort.

So mache das Abstandhalten die Hand-in-Hand-Arbeit auf den Baustellen nicht leichter. Sie sei aber ein Muss. Und deswegen appelliert der Gewerkschafter an die Arbeitgeber, die strikte Einhaltung der Hygieneregeln sicherzustellen. 

Große Frühstücksrunden im Baucontainer seien in der Coronakrise ebenso tabu wie die Fahrt im voll besetzten Bulli zur Baustelle. Grupe: „Der Mindestabstand von 1,5 Metern muss eingehalten werden – besser ist eine ganze Zollstocklänge, also zwei Meter.“

Sollte das bei speziellen Arbeiten nicht gehen, müsse der Chef spätestens dann Masken und Schutzhandschuhe bereitstellen.

Handwerk in der Coronakrise: Zuschüsse für Kleinbetriebe von Land und Bund

Sowohl das Land als auch der Bund gewähren Zuschüsse für Kleinbetriebe fürs Überleben in der Coronakrise. Das Land zahlt an Soloselbstständige und Kleinunternehmen bis 46 Personen je nach Größe zwischen 3000 und 20 000 Euro.

Zudem ist ein Kredit bis zu 50 000 Euro möglich. Der Bund kann ergänzend für Kleinstunternehmen bis zehn Beschäftigte zwischen 9000 und 15 000 Euro für drei Monate zahlen. Anträge nur online über die N-Bank unter nbank.de

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Von Axel Gödecke

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