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Bank-Angestellte nach Überfall in Höckelheim: „Das große Problem ist die Angst“

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Von: Kathrin Plikat

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ARCHIV - 25.01.2011, Niedersachsen, Hannover: Die Statue Justitia ist im Amtsgericht Hannover zu sehen. (zu dpa «Politik ohne Respekt vor der Justiz? Fall Sami A. löst Debatte aus» vom 16.08.2018) Foto: Peter Steffen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit
Der Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Bankräuber von Höckelheim wurde am Montag in Göttingen fortgesetzt. Diesmal hat die KSN-Angestellte ausgesagt (Symbolbild). © Peter Steffen/dpa

Mit der Aussage der KSN-Mitarbeiterin wurde am Montag vor dem Landgericht Göttingen der Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Bankräuber von Höckelheim fortgesetzt.

Höckelheim/Göttingen - Die 47-Jährige, die während des Überfalls am 12. Januar von einem der beiden Täter mit einer Schusswaffe bedroht worden war, schilderte auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Matthias Koller nicht nur, wie sie die wenigen Minuten des Überfalls erlebt hatte, sondern auch, wie es ihr in den Monaten nach der Tat ging.

Sie sei allein am Morgen des 12. Januars in der Höckelheimer KSN-Filiale tätig gewesen, erzählte sie. Nachdem sie um kurz vor 9 Uhr geöffnet hatte, habe reger Kundenverkehr geherrscht. Nach rund einer Stunde habe sie dann im Büro gesessen und kurz mit einer Kollegin telefoniert, als sie gehört habe, dass wieder Kunden die Kassenhalle betreten. Dort habe sie dann zwei junge Männer gesehen, die sie allerdings nicht kannte.

Schon Sekunden später habe einer der Männer eine Schusswaffe durch die schmale Durchreiche der Panzerglasscheibe gesteckt und gesagt: „Mach keinen Scheiß, die ist geladen.“ Sie hätten Geld gefordert. Sie habe den Männern sofort die Geldscheine ausgehändigt, danach habe einer der beiden Männer gefragt, wo der andere Kollege sei, er wisse, dass sie immer zu zweit seien. Als sie sagte, sie sei allein, seien die Männer wenig später geflüchtet.

Nachdem sie sich zunächst zwischen einigen Möbelstücken versteckt hatte, habe sie die Türen der Filiale verschlossen, dann den Alarmknopf gedrückt und danach eine Kollegin in der KSN-Hauptstelle in Northeim angerufen.

Danach seien schnell Kollegen und auch Polizeibeamte vor Ort gewesen. Nachdem sie zweimal von Polizeibeamten zu dem Überfall befragt worden war, sei sie mittags nach Hause gefahren. „Da hatte ich auch noch vor, am nächsten Tag wieder zur Arbeit zu gehen“, sagte sie am Montag.

Von Zuhause aus habe sie dann an dem Tattag in Online-Medien gesehen, dass eine Großfahndung nach den Bankräubern laufe. Da habe sie noch gehofft, dass die Täter noch am selben Tag gefasst werden.

Doch die Fahndung und alle anderen Maßnahmen verliefen zunächst ergebnislos. „Da bekam ich abends plötzlich Angst, habe immer die Schusswaffe gesehen. Und dann kam der große Zusammenbruch.“

Nach einer schlaflosen Nacht sei es ihr schließlich immer schlechter gegangen. Am nächsten Morgen habe sie bei der Arbeit angerufen und gesagt, dass sie nicht in der Lage sei, zu kommen.

Und diese Angst sollte in den folgenden Wochen und Monaten immer stärker das Leben der 47-Jährigen beeinflussen, wie sie dem Gericht eindrucksvoll berichtete: „Ich konnte nicht mehr arbeiten gehen, Auto fahren oder einkaufen, ständig war da diese Angst“, schilderte sie ihr Leben nach dem Überfall.

Wenn sie mit dem Auto in Richtung Northeim gefahren sei, habe sie sofort wieder das Bild von der Waffe vor Augen gehabt.

Viele Monate musste die KSN-Mitarbeiterin psychotherapeutisch betreut werden. Erst vor gut zwei Monaten habe sie mit der sechswöchigen Wiedereingliederung begonnen, kürzlich hatte sie Urlaub. Seit rund eineinhalb Wochen arbeite sie erst wieder „normal“ – in therapeutischer Behandlung sei sie aber noch immer.

Nach dem Urlaub habe sie sich jetzt wieder halbwegs gut gefühlt. Ihre neue Arbeit mache ihr Spaß, doch Kundenkontakt werde sie wohl nicht mehr haben können: „Ich konnte unsere große Kundenhalle in Northeim nur einmal betreten, als sie für Kunden geschlossen war. Alles andere geht nicht.“

Als jetzt nach dem Urlaub die Vorladung zur Gerichtsverhandlung kam, sei die Angst sofort wieder da gewesen. „Die Angst ist das große Problem.“

Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.

Vob Kathrin Plikat

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