Förderung soll fünf Jahre laufen

Phosphor-Recycling: Kläranlage Northeim wird zum bundesweiten Forschungsobjekt

Das Foto zeigt die Kläranlage in Northeim mit dem Neubau des dritten Nachklärbeckens im Hintergrund.
+
Die Kläranlage in Northeim.

Der technische Leiter des Eigenbetriebs Abwasserbeseitigung der Stadt Northeim, Olaf Hagenow, spricht von einem Glücksfall für Northeim: Die Kläranlage der Stadt soll zu einer Art bundesweiten Forschungszentrum in Sachen Phosphorrecycling aus Klärschlamm werden.

Landkreis Northeim – Das Tolle daran sei, so Hagenow weiter, dass die Stadt Northeim bis Ende 2025 eine funktionierende Anlage zur Phosphorrückgewinnung aus dem anfallenden Klärschlamm im Wert von rund fünf Millionen Euro bekommt, und dafür selbst mit 400 000 Euro nur einen Bruchteil beisteuern muss.

Den Rest zahlt der Bund aus dem mit 30 Millionen Euro bestückten Forschungsprogramm „Regionales Phosphorrecycling (Regio-P)“ des Bundesforschungsministeriums.

Weiterer Vorteil für die Stadt: Sie, beziehungsweise ihr Eigenbetrieb, müsste ohnehin bis Ende 2028 dafür sorgen, dass der wertvolle Rohstoff Phosphor aus dem Trocken-Klärschlamm eliminiert oder recycelt wird und nicht bei der ab 2024 angewandten Verwertung als Brennstoff in der Zementindustrie in Luft aufgeht oder in der Asche verbleibt. So schreibt es eine Novelle der Klärschlammverordnung von 2017 vor.

Die Rückgewinnung von Phosphor aus der Klärschlamm-Asche wäre für die Stadt später fast um das Fünffache teurer als bei der jetzt ins Visier genommenen Fällung in der Kläranlage.

Das auf der Anlage gewonnene Magnesium-Ammonium-Phosphat-Granulat kann vermarktet werden. Daraus lässt sich Phosphor, Ammoniakwasser und Magnesiumchlorid für den Einsatz in der chemischen Industrie gewinnen. Mit eingebunden in das Forschungsvorhaben, das in der Fachwelt für Aufsehen sorgen dürfte, ist auch das Clausthaler Umwelttechnik-Forschungszentrum (Cutec) und die Technische Universität Clausthal. Über die Uni entstand auch der Kontakt zu Northeim. Eigentlich war für das Modellprojekt in Niedersachsen die Kläranlage Wolfenbüttel vorgesehen, doch die fiel überraschend aus. Zum Glück für Northeim.

Das Forschungsprojekt im Überblick

Vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sind dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) als Projektträger 30 Millionen Euro bereitgestellt worden. Mit dem Geld sollen sechs Projekte auf sechs Kläranlagenstandorten im Bundesgebiet finanziert werden. Ziel ist es, das Phosphorrecycling in Kläranlagen vom Versuchsmaßstab hin zu größeren Anlagen, die in den Betrieb von Kläranlagen integriert sind, weiterzuentwickeln, einzurichten und zu betreiben.  (Axel Gödecke)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.