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Den Dörfern geht das Geld aus

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Von: Olaf Weiss

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Die Gymnastikhalle in Hohnstedt
Gymnastikhalle Hohnstedt: Unter anderem weil den Ortschaften für Dorfgemeinschaftshäuser und Sporthallen die Heizkosten über den Kopf wachsen, wollen sie von der Stadt mehr Geld. © Hans-Peter Niesen

Northeim – Die Ortsbürgermeister der Northeimer Ortschaften schlagen Alarm: Angesichts steigender Energiepreise, deutlichen Lohnsteigerungen und einer zehnprozentigen Inflation laufen ihnen die Kosten davon.

Deshalb „ist es uns nicht mehr möglich, die Unterhaltung und Pflege der Dorfgemeinschaftshäuser, Mehrzweckhallen oder auch der Jugendräume sowie der Spielplätze, Sportplätze und die Pflege der Grünflächen im erforderlichen Maße aufrecht zu erhalten“, heißt es in einem Brief an Northeims Bürgermeister Simon Hartmann (SPD), der von fast allen Ortsbürgermeistern unterschrieben worden ist. Darin fordern sie eine 15-prozentige Anhebung der Ortschafts- und Verfügungsmittel. Nach ihren Worten wären das insgesamt 77 500 Euro mehr für alle 15 Ortschaften.

Die Aufstockung des Geldbetrages für die Ortschaften sei auch eine Wertschätzung des ehrenamtlichen Engagements in den Dörfern, „ohne das die Infrastrukturen nicht aufrecht zu erhalten wären“, heißt es in dem Schreiben abschließend.

Armin Töpperwien, Ortsbürgermeister von Höckelheim.
Armin Töpperwien, Ortsbürgermeister von Höckelheim. © Hubert Jelinek

„Wenn wir jetzt nicht aktiv werden, gucken wir zwei Jahre in die Röhre“, erklärte Armin Töpperwien, Ortsbürgermeister von Höckelheim, wieso der Vorstoß der Bürgermeister gerade jetzt erfolge: Demnächst wird die Stadtverwaltung den Entwurf des Doppelhaushalts für die Jahre 2023 uns 2024 vorlegen, der anschließend beraten und dann vom Stadtrat beschlossen wird. Sind darin die höheren Beträge für die Ortschaften nicht enthalten, ist eine Anhebung von Ortschafts- und Verfügungsmitteln erst wieder für das Jahr 2025 möglich.

Friedrich Lange, Ortsbürgermeister von Hohnstedt
Friedrich Lange, Ortsbürgermeister von Hohnstedt. © Axel Gödecke

„Es geht an die Substanz“, beschrieb der Hohnstedter Ortsbürgermeister Friedrich Lange die Situation. Auf der einen Seite seien die Kosten massiv gestiegen, auf derer anderen Seite fehlten Einnahmen. So werde die Gymnastikhalle kaum noch für Familienfeiern und Ähnliches gemietet. Vor Corona sei sie fast jedes Wochenende belegt gewesen.

Rainer Mosch, Ortsbürgermeister von Hammenstedt.
Rainer Mosch, Ortsbürgermeister von Hammenstedt. © Hubert Jelinek

An die schwierige Situation für die Sportvereine erinnerte Rainer Mosch, Ortsbürgermeister von Hammenstedt. Diese hätten infolge der Pandemie schon Mitglieder verloren. Müssten sie nun wegen höherer Mietkosten für die Sporthallen ihre Beiträge erhöhen, drohe der Verlust weiterer Vereinsangehöriger.

Reta Fromme, Ortsbürgermeisterin von Langenholtensen.
Reta Fromme, Ortsbürgermeisterin von Langenholtensen. © Hubert Jelinek

Einzig Reta Fromme, Ortsbürgermeisterin von Langenholtensen hat den Brief an den Bürgermeister nicht mit unterschrieben. Als Vorsitzende des Finanzausschusses wisse sie um die finanzielle Situation der Stadt in den kommenden Jahren. Da könne sie diese Forderung nicht unterstützen.

Simon Hartmann, Bürgermeister der Stadt Northeim.
Simon Hartmann , Bürgermeister der Stadt Northeim © Stadt Northeim

Nachvollziehbar nennt Bürgermeister Hartmann die Forderung der Ortsbürgermeister. Aber es sei ein schmaler Grat zwischen der Unterstützung des Ehrenamts und dem, was finanziell möglich sei. Trotzdem betonte er: „Wir lassen keinen im Regen stehen.“ So sollen alle Sportvereine 30 000 Euro im Jahr mehr erhalten, um die gestiegenen Heizkosten tragen zu können. Ein entsprechender Vorschlag soll im November im Ratsausschuss für Jugend, Sport und Kultur beraten und im Dezember vom Stadtrat beschlossen werden. Im Übrigen erwartet Hartmann, dass der von der Bundesregierung angekündigte Energiepreisdeckel auch den Kommunen (und damit auch den Ortschaften) zugutekommt. Auch von dem von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) angekündigten Milliarden-Sofortprogramm des Landes erwarte Hartmann Entlastungen. (Olaf Weiss)

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