Kassebeersches Haus mit schönster Fassade findet keine Nutzer

Denkmal in Northeims Innenstadt seit zehn Jahren leer

Steht seit zehn Jahren leer: Das Kassebeersche Haus in Northeim. Bis 2010 hatte dort die Innungskrankenkasse Niedersachsen ihren Sitz mit einer Geschäftsstelle.
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Steht seit zehn Jahren leer: Das Kassebeersche Haus in Northeim. Bis 2010 hatte dort die Innungskrankenkasse Niedersachsen ihren Sitz mit einer Geschäftsstelle.

Das Kassebeersche Haus in der Northeimer Innenstadt steht jetzt seit zehn Jahren leer.

Northeim - Es ist eines von vielen leer stehenden Häusern in der Northeimer Innenstadt, aber es ist eines der eindrucksvollsten Altstadt-Gebäude: Das Kassebeersche Haus an der Breiten-Straße-Ost, früher Fußgängerzone und jetzt für Autos wieder in einer Richtung geöffnet. Gerüchte, dass es verkauft sei, weil drinnen gewerkelt wurde, bestätigten sich nicht, aber die AOK als Eigentümer arbeitet daran.

Zu haben ist das unter Denkmalschutz stehende Gebäude, in dem bis zum Jahre 2010 die Innungskrankenkasse Niedersachsen ihre Geschäftsstelle hatte, für 125 000 Euro, wie Sebastian Peters, Liegenschaftsmanager der AOK Niedersachsen in Hannover, auf HNA-Anfrage bestätigt.

Die AOK Niedersachsen hatte das Gebäude in der Northeimer Innenstadt mit übernommen, als die Innungskrankenkasse Niedersachsen 2010 mit der AOK Niedersachsen fusionierte und noch im selben Jahr auch die IKK-Geschäftssstelle geschlossen wurde.

Seitdem, so Peters, stehe das Gebäude weitgehend leer. Es sei lediglich zwischendurch während einer Umbauphase des AOK-Gebäudes an der Wallstraße in Northeim für eine längere Zeit einmal als Lager für ausgelagerte Akten genutzt worden. Das Haus werde aber beheizt und von einem Hausmeister beaufsichtigt.

Einen Kauf-Interessenten für das Objekt, in dem auf drei Etagen auf 500 Quadratmetern Büroräume untergebracht waren, habe es schon einmal gegeben, fährt der AOK-Liegenschaftsmanager fort. Leider sei der kurz vor Vertragsabschluss abgesprungen. Unter anderem deswegen, weil der bestehende Bebauungsplan der Stadt Northeim für den Bereich nördlich der Breiten Straße-Ost bislang im Erdgeschoss keine Wohnnutzung zulässt.

Genau dies soll nun aber geändert werden, denn die Stadt Northeim will den geltenden Bebauungsplan schnell ganz aufheben. Einen entsprechenden Beschluss hat laut Sarah Pauly vom Stadtplanungsamt der Verwaltungsausschuss am 7. Dezember vorigen Jahres bereits gefasst. Das eingeleitete Verfahren dazu werde aber noch einige Monate in Anspruch nehmen.

Die Aufhebung des Bebaungplans in dem Bereich sei auch wichtig für den weiteren Fortgang der Stadtsanierung im östlichen Innenstadtbereich, ergänzt der fachtechnische Projektleiteer für die Stadtsanierung im städtischen Bauamt, Andreas Krause-Hedenus.

Die Planaufhebung soll in allen Häusern entlang der Breiten Straße-Ost die Umwandlung auch der Erdgeschossflächen in Wohnnutzung ermöglichen. Bislang ist Gewerbenutzung vorgeschrieben. Und die Förderung der Wohnnutzung und damit auch der Vorrang sei unter anderem ein Ziel des Innenstadt-Sanierungskonzepts für die östliche Breite Straße.

Schließlich könnten sich Kauf-Interessenten von innerstädtischen Leerstands-Immobilien durchaus auch Hoffnungen auf Zuschüsse aus dem Städtebauförderungsprogramm bei dann anstehenden Sanierungen machen, so Krause-Hedenus weiter. Dies sei ein möglicher Kaufanreiz.

Den AOK-Liegenschaftsmanager in Hannover dürften die positiven Aussichten freuen. Vielleicht findet sich so doch noch ein Interessent, der dem zehnjährigen Dornröschen-Schlaf des Kassebeerschen Hauses ein Ende bereitet.

Fassade im Renaissancestil

Die denkmalgeschützte Immobilie an der Breiten Straße 37 wird in Tourismus-Führern als „Kassebeersches Haus“ bezeichnet. Es wurde im Jahre 1566 gebaut. Es ist damit eines der ältesten Häuser der Stadt und stellt durch seine Fassade eines der schönsten Fachwerkhäuser in Northeim dar. Durch seine vielen Schnitzereien und den schwarzen Anstrich fällt das im Renaissancestil erbaute Gebäude besonders ins Auge.

Es wurde mit einem vorkragenden Obergeschoss erbaut und erhielt rund hundert Jahre später auf seiner rechten Seite einen Erker. 1927 wurde es erstmals restauriert und vor dem Verfall gerettet. Im Jahre 2006 fand eine Sanierung der denkmalgeschützten Fassade durch die damaligen Eigentümerin, der Innungskrankenkasse Niedersachsen, statt. Die Geschäftsstelle der IKK wurde 2010 geschlossen, nachdem die IKK mit der AOK Niedersachsen fusionierte.

(Axel Gödecke)

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