Für Schüler vom fünften bis zehnten Jahrgang

Deutsch für Flüchtlinge: Schule hat Sprachklasse eingerichtet

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Neu in Northeim: Die Brüder Mohammad (13, von links) und Ahmad Alloush (16) aus Syrien lernen mit derzeit elf weiteren Flüchtlingen in der Thomas-Mann-Schule bei Klassenlehrerin Lena Nolte (rechts) Deutsch. 

Northeim. Die Thomas-Mann-Schule gibt Flüchtlingskindern seit Beginn des neuen Schuljahres Deutschunterricht. Schon 13 Kinder besuchen die in Northeim einzigartige Sprachlernklasse.

Sie kommen aus Syrien, Bulgarien und dem Kosovo: Kinder, die kürzlich als Flüchtlinge in den Landkreis Northeim gekommen sind. Da sie schulpflichtig sind, aber meist kein Wort Deutsch sprechen, hat die Northeimer Thomas-Mann-Schule zum neuen Schuljahr eine Sprachlernklasse eingerichtet. Für Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 10 ist sie laut Schulleiterin Anika Müller-Wüstefeld bislang die einzige in Northeim.

In der Flüchtlingsklasse unterrichtet die Schule derzeit 13 Jungen und Mädchen. „Einige sind erst gestern aus Friedland zu uns gekommen, nehmen aber schon hochmotiviert am Unterricht teil und wollen keine Minute verpassen“, sagt Klassenlehrerin Lena Nolte.

Die größten Herausforderungen seien die unterschiedlichen Jahrgänge und Wissensstände der Neuankömmlinge. Während einige Schüler in ihrer Heimat gute Zeugnisse hatten, unterrichten Lena Nolte und ihre insgesamt vier Kolleginnen auch Kinder, die nicht einmal gelernt haben, mit einem Stift zu schreiben.

Individueller Unterricht

„Wir versuchen den Unterricht deshalb so individuell zu gestalten, dass wir allen gerecht werden“, sagt die Klassenlehrerin, die eine Zusatzausbildung für „Deutsch als Fremdsprache“ hat.

Dass der Unterricht bislang so gut klappt, sei auch darauf zurückzuführen, dass die Schule durchgehend mit zwei Lehrerinnen unterrichte, sagt Schulleiterin Müller-Wüstefeld: „Von der Landesschulbehörde ist allerdings nur eine Lehrkraft vorgesehen.“ Hinzu komme, dass die Schule bestens mit Laptops, Lernmaterialien und Bildkarten ausgestattet sei.

Auf dem Stundenplan, der 30 Stunden pro Woche vorsieht, steht vor allem Deutsch. „Ziel ist es, alle Schüler auf B1-Niveau zu bringen“, sagt Klassenlehrerin Nolte. Also auf ein Niveau, auf dem sie sich mit einfachen Worten zusammenhängend über vertraute Themen und persönliche Interessen unterhalten können. „Wir lassen aber auch andere Fächer einfließen“, sagt Müller-Wüstefeld, die den Mathe-Unterricht übernimmt.

Wie lange die Schüler bleiben, wissen die Lehrer nicht. „Geplant ist, dass sie erstmal ein Jahr bei uns Deutsch lernen“, sagt sie. Ob und wann neue Schüler dazukommen, wissen sie auch nicht. „Wir erfahren das oft erst, wenn sie schon vor der Tür stehen.“ Fest steht nur: Ab 16 Schülern muss laut Landesschulbehörde eine zweite Klasse eingerichtet werden.

Angst vor der Eisenbahn

Auch wenn der Unterricht bisher reibungslos funktioniert, würde sich die Schulleiterin etwas weniger Bürokratie wünschen. Ein junges Mädchen müsse beispielsweise aus Hardegsen mit dem Bus oder dem Zug zur Schule fahren. „Das Mädchen hat allerdings furchtbare Angst vor Zügen“, sagt sie.

Und im Bus, der eine Stunde zur Schule benötigt, werde ihr regelmäßig schlecht. „Besser wäre es, wenn man dem Mädchen einfach ein Taxi bezahlen könnte“. Doch das sei bisher nicht vorgesehen.

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