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Prozess um Bankraub: Hauptangeklagter soll fünf Jahre in Haft

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Von: Heidi Niemann

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Polizisten vor der Höckelheimer KSN-Filiale.
Die Höckelheimer KSN-Filiale wurde kurz nach dem Überfall für immer geschlossen. © Hubert Jelinek

Plädoyer der Staatsanwaltschaft im Prozess um Höckelheimer Banküberfall

Göttingen / Höckelheim – In dem seit Ende August laufenden Prozess um den Überfall auf die Kreis-Sparkassenfiliale (KSN) in Höckelheim ist am Freitag mit den Plädoyers begonnen worden. Die Staatsanwaltschaft forderte für einen bereits einschlägig vorbestraften 22-jährigen Angeklagten aus Göttingen eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Der zweite Angeklagte, ein 20-Jähriger aus dem Landkreis Hildesheim, fällt noch unter das Jugendstrafrecht. Der Staatsanwalt beantragte, eine bereits wegen früherer Taten gegen ihn verhängte Jugendstrafe um drei Jahre und sechs Monate zu erhöhen und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt anzuordnen.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat die Beweisaufnahme zweifelsfrei ergeben, dass beide Angeklagte den Überfall am 12. Januar dieses Jahres begangen haben. Damals hatten um kurz vor 10 Uhr morgens zwei Männer mit FFP2-Maske im Gesicht die Sparkasse in Höckelheim betreten. Einer von ihnen schob eine Schusswaffe unter die Durchreiche der Panzerglasscheibe und forderte die dahinter stehende Mitarbeiterin zur Herausgabe der Geldscheine auf. Nachdem der zweite Täter das Bargeld – insgesamt 12 460 Euro – eingesteckt hatte, flüchteten die Unbekannten.

Nachdem es im Februar einen weiteren Überfall auf die Sparkassenfiliale in Sudheim gegeben hatte, startete die Polizei eine Öffentlichkeitsfahndung. Daraufhin meldete sich eine Zeugin, die angab, die beiden Männer auf den Fotos der Überwachungskameras vom Tatort in Höckelheim erkannt zu haben. Einer von ihnen war ihr 22-jähriger Ex-Freund, der zweite eine Knastbekanntschaft von ihm. Beide hatten zuvor wegen ähnlicher Delikte zusammen in der Jugendanstalt Hameln in Haft gesessen. Nachdem weitere Ermittlungen den Verdacht erhärtet hatten, nahm die Polizei Anfang März die beiden Männer fest.

Während sich der 22-Jährige in dem Prozess vor der Jugendkammer nicht zu den Tatvorwürfen äußerte, gestand der 20-Jährige seine Tatbeteiligung an dem Banküberfall ein. Seinen Angaben zufolge hatte der Mitangeklagte jedoch nichts damit zu tun. Diese Version habe sich als falsch erwiesen, sagte der Staatsanwalt.

Dies ergebe sich nicht nur aus zahlreichen Nachrichten, Fotos und Videos, die die Ermittler auf den Handys der Angeklagten fanden, sondern auch aus diversen Aufnahmen von Überwachungskameras. Bilder nahe der Sparkasse zeigten, wie zwei junge Männer auf die Filiale zugehen. Hinter ihnen folgt ein Pkw in auffallend langsamem Tempo.

Dass das Fahrzeug nun offenkundig von jemand anders gesteuert wurde, lässt nach Ansicht des Staatsanwalts nur einen Schluss zu: „Es muss drei Täter gegeben haben.“ Die Identität des Fahrers habe sich allerdings nicht ermitteln lassen, möglicherweise handele es sich um einen Mann aus Northeim, mit dem sich die Angeklagten am Vortag getroffen hatten.

Zu Lasten der Angeklagten sei zudem zu werten, dass beide erheblich vorbestraft seien, der 22-Jährige wegen zweier Überfälle auf Sparkassenfilialen im Göttinger Kreishaus und in Friedland, der 20-Jährige wegen diverser Raub- und Gewaltdelikte. (Heidi Niemann)

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