Lanz Bulldog: Eckhard Bokelmann hat den Traktor aus Argentinien liebevoll restauriert

Schlepper-Schätzchen: Eckhard Bokelmann mit den seinen Mitstreitern Christian Jerebic, Svenja Knocke und Benjamin Herbst vor restaurierten Lanz-Bulldogs, in der Mitte der aus Argentinien geholte Schlepper. Foto: Niesen

Northeim. Von Argentinien nach Northeim: Eine weite Reise hatte der alte Traktor schon hinter sich, bevor er in Northeim von Eckhard Bokelmann mit viel Liebe restauriert wurde.

Eckhard Bokelmann und Benjamin Herbst benötigen ein wenig Geduld, um den Motor des 10,3 Liter Lanz Bulldogs für das erste Zünden vorzubereiten. Dann ist es soweit: mit einem kräftigen Dreh an der Schwungscheibe beginnt der Motor seine Arbeit. Die Karosserie des schweren Traktors schüttelt sich im Takt des Motors und das unverwechselbare, rhythmische Wupp, Wupp, Wupp schallt über den Platz der Firma Hunold in Northeim.

Der Geschäftsführer der Firma Hunold, Eckhard Bokelmann, hat die Maschine des Baujahrs 1950 aus Argentinien im vergangenen Jahr nach Northeim geholt. Dann hat er sie zusammen mit Benjamin Herbst und weiteren Bulldog-Fans komplett auseinander genommen, wieder zusammengesetzt und dabei fehlende oder marode Teile ergänzt beziehungsweise neu gebaut. Jetzt läuft das Schmuckstück, das zuvor 20 Jahre in der Pampa vor sich hin gammelte, wieder rund.

„Die Maschine schluckt alles: Schweröl, Rohöl, Paraffin, ausgelassene Butter, alles was zündet“, erläutert Eckhard Bokelmann. Die Beschäftigung mit den Bulldogs, ihre Restaurierung und Pflege sind für ihn Ausgleich für seinen stressigen Job: „Da kann ich abschalten und entspannen.“

Nicht nur Eckhard Bockelmann hat sich von der Faszination der urwüchsigen Maschinen einfangen lassen. Auch Benjamin Herbsts Freundin Svenja Knocke und Christian Jerebic sind Fans der Maschine. Benjamin Herbst ist der absolute Techniker der Vier. Er kennt jede Schraube und jedes Detail. Der Ingenieur Fritz Huber hat etwa von 1918 an den legendären Bulldog-Motor entwickelt: Sein Credo gipfelte in dem zum Kult gewordenen Satz: „Ein Schlepper kann nicht einzylindrig genug sein.“ Im Fall des Pampa-Bulldogs ist er so groß wie ein Wassereimer. Zunächst trieben die Motoren Sägen, Mühlen, Steinbrecher und Dreschmaschinen an. Um 1921 entstanden dann die ersten Lanz-Ackerschlepper, zwei Jahre später gingen sie in Serie.

Die Traktoren traten einen Siegeszug um die Welt an. In Lizenz wurden sie unter anderem in Argentinien und Australien gebaut. Mitte der 1950-er Jahre nahte dann das Ende. Der Glühkopfmotor wurde von modernen Motoren abgelöst, die Heinrich-Lanz AG in Mannheim 1956 von dem amerikanischen Hersteller John Deere übernommen, und 1962 wurde der letzte Bulldog in Spanien gebaut.

Nach über 200 000 Exemplaren ging eine Ära zu Ende, aber von ihrer Faszination haben sie nichts eingebüßt. Deutschlandweit gibt es rund 500 Vereine, die das Bulldog-Erbe pflegen und viele Enthusiasten, die ihre Freizeit für die Maschine opfern. Eckhard Bokelmann hat für sein Passion neben der Technik eine ganz einfache Begründung: „Der Klang macht es!“.

Wohl wahr: Wer ihn mal gehört hat, erkennt ihn immer wieder: Wupp, Wupp, Wupp. Da kommt noch nicht einmal eine Harley mit. (zhp)

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