Handballer in der griechischen Nationalmannschaft und beim Northeimer HC

Efthymios Iliopoulos: "Nenn mich einfach Carlos"

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Spielt in der griechischen Nationalmannschaft und beim Northeimer HC: Efthymios Iliopoulos.

Seit Anfang der aktuellen Saison verstärkt Efthymios Iliopoulos  die 1. Herrenmannschaft des Northeimer Handball-Clubs. Er spielt auch für die griechische Nationalmannschaft.

Efthymios Iliopoulos grinst, wenn man versucht, seinen Namen korrekt auszusprechen. „Nenn mich einfach Carlos“, sagt der sympathische 21-Jährige und nippt entspannt an seinem Cappuccino. Carlos ist sein Spitzname – vermutlich, weil schon viele andere mit seinem richtigen Namen ein Problem hatten. Ist halt auch ein Zungenbrecher.

Seit Anfang der aktuellen Saison verstärkt der junge Grieche die 1. Herrenmannschaft des Northeimer Handball-Clubs im rechten Rückraum. Doch nicht allein in Northeim legt man Wert auf seine wuchtigen Linkswürfe: Gerade erst hat er mit der griechischen Handball-Nationalmannschaft in der Qualifikation für die Europameisterschaft gespielt, in einer Gruppe mit Mazedonien, der Türkei und Island.

In der Begegnung gegen Island hat Carlos vier Tore gemacht. „Es hätten auch sechs oder sieben sein können“, sagt er zerknirscht. Zweimal hat er verworfen. Ärgerlich. Denn eigentlich will Carlos nur eines: gewinnen. Immer. Und dabei viele Tore machen.

„Meine Trainer haben immer gesagt, du musst werfen, werfen, werfen. Das ist dein Job“. Dass man damit allein aber kein Spiel gewinnt, ist klar. „Ich muss halt noch viel lernen.“ Von Spieltaktik weiß er einfach noch viel zu wenig. Sagt er selbst. Manchmal mag er für Außenstehende daher auf dem Spielfeld wie ein Egoist wirken. Doch das ist eine Eigenschaft, sagt er, die ihm völlig fremd ist. In der Mannschaft und mit dem ganzen Team fühlt er sich total wohl, er genießt die tolle Atmosphäre bei den Heimspielen, wenn die Fans die Mannschaft in der Schuhwallhalle lautstark unterstützen. „Northeim ist eine große Familie. Das habe ich so noch nirgends erlebt“, erzählt der 21-Jährige.

Seine erste Handball-Erfahrung macht er mit acht. Sein Vater, Sportlehrer von Beruf und selbst Hobby-Handballer, merkt schnell, dass Fußball und Basketball nichts für seinen Sohn sind. „Also schlug er mir vor, mal Handball auszuprobieren. Und da wusste ich sofort, hier bin ich richtig“, blickt Carlos heute zurück.

Mit 15 spielt Carlos das erste mal für die griechische Jugendnationalmannschaft. Danach geht es weiter nach oben: U 21-Kader und schließlich mit 20 das erste Training in der Herren-Nationalmannschaft. Und jetzt der erste Einsatz im Nationaltrikot bei den Herren. Schon seit gut vier Jahren steht Carlos inzwischen in Deutschland unter Vertrag. Mit 17 Jahren hat er seine Geburtsstadt Athen verlassen, weil der damalige Oberligist Freiberg (Sachsen) den starken Linkshänder unbedingt haben will.

Erstes Spiel im Trikot des NHC: Efthymios „Carlos“ Iliopoulos beim Test im Sommer gegen Vinnhorst. 

Von dort geht es zum Zweitligisten Rostock, als die Mannschaft in die 3. Liga absteigt und Carlos immer weniger Spielanteile hat, kommt die Kontaktaufnahme von Olli Kirch vom NHC in diesem Sommer gerade recht: Der Vertrag bei Rostock läuft aus, so ist der Weg zum NHC frei. Nach einer „Probewoche“ in Northeim werden sich NHC und Carlos schnell einig.

Sein Vertrag läuft bis 2019. „Dann schauen wir weiter“, sagt der 21-Jährige. Zusammen mit NHC-Torwart Frederic Stammer aus Dänemark wohnt er inzwischen in einer WG in Northeim. „Das klappt super, wir verstehen uns echt prima.“

Carlos trainiert dreimal die Woche mit der Mannschaft, außerdem fast täglich Kinder- und Jugendmannschaften des NHC, hält seinen athletischen Körper zusätzlich im Fitnessstudio in Form. „Du musst durchtrainiert sein, sonst stehst du das nicht durch.“ Handball ist ein Vollkontakt-Sport, sagt er, da wird man auch mal 60 Minuten lang gefoult.

„Ich versuche immer, ruhig zu bleiben. Außer mein Gegenspieler schlägt mir absichtlich ins Gesicht. Dann werde ich sauer.“ Sonst bezeichnet er sich als entspannt und sozial. „Ich mag Menschen, beim Training tanze und singe ich auch mal, um mit meiner guten Laune anzustecken“. Und was macht ein Vollblut-Handballer, wenn er mal Freizeit hat, außer Handball? „Ab und zu lese ich ein Buch. Und ich schlafe sehr gern“, grinst er. Morgens braucht er zwei starke Kaffee, um in Gang zu kommen.

Und dann wird der coole Carlos doch etwas sentimental. „Ich vermisse meine Familie in Griechenland. Immer, in jeder Minute, an jedem Tag“. Vor allem seinen kleinen Bruder. „Er war ein Jahr alt, als ich nach Deutschland gegangen bin. Jetzt ist er vier, läuft, redet, wird schnell groß. Das alles habe ich verpasst, weil ich nicht bei ihm war. Das macht mich traurig“.

Weihnachten fliegt er nach Griechenland zu seiner Familie. Und seinen besten Freund aus Kindertagen. „Wenn ich wieder nach Deutschland fliege, weine ich drei Tage. Das weiß ich jetzt schon“.

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