Autorin Margot Käßmann ist optimistisch 

Ehemalige Landesbischöfin liest in Northeim aus ihrem Buch - und spricht übers Älterwerden 

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Großer Andrang herrschte nach der Lesung bei der Signierstunde auf dem Vorplatz der Sixti-Kirche.

„Wir können nicht alle auf der Aida fahren und Champagner trinken.“ Vor vollem Haus las die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche  und Autorin Margot Käßmann in der Northeimer St.-Sixti-Kirche aus ihrem 2018 erschienenen Buch „Schöne Aussichten auf die besten Jahre“ - und richtete dabei einen Appell an alle Älteren. 

„Die Lesung war bereits seit Monaten ausverkauft“, berichtete Tobias Janus von der Buchhandlung Grimpe. Es seien rund 550 Zuschauer in die Kirche gekommen.

Begrüßt wurde die ehemalige Bischöfin von Janus und Superintendent Jan von Lingen, der sie mit den Worten „Spitze Feder und klares Wort, streitbar und zugleich lebensnah, gesellschaftlich orientiert und immer spirituell“ beschrieb.

Ihr Auftritt war keine Lesung im klassischen Sinne. Stattdessen erzählte sie frei, in unterhaltender und erfrischender Weise über die Inhalte ihres Werkes.

„Schöne Aussichten auf die besten Jahre“: Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann las vor 550 begeisterten Zuhörern aus ihrem Buch.

Die 61-jährige schreibt in ihrem Buch übers Älterwerden und plädiert für einen positiven Blick nach vorne. Sie sei gespannt auf die neue Lebensphase und empfinde es als Geschenk, diese frei gestalten zu können.

Appell an die Älteren 

„Den Sinn, sich im Alter zurückzuziehen habe ich nie verstanden“, meinte Käßmann und rief stattdessen dazu auf, sich zu engagieren: „Unser Land braucht zivilgesellschaftliches Engagement.“ Insbesondere Ältere seien hier gefragt, da sie über die Zeit dafür verfügten: „Wir können nicht alle auf der Aida fahren und Champagner trinken.“

Auch solle man nicht nur nach hinten Blicken und vergangenen Zeiten nachtrauern: „Ich möchte keine 30 mehr sein – mitten in der Rush Hour des Lebens“. Stattdessen sagte Käßmann, dass es wichtig sei, sich von den Bildern in den Medien frei zu machen und zu akzeptieren, dass man mit 60 nicht mehr aussähe, wie mit 30.

Wichtig, über Tod und Bestattung zu sprechen 

Auch das Ende des Lebens spielt im Buch eine besondere Rolle. Käßmann betonte, dass es wichtig sei, mit seinen Angehörigen über Tod und Bestattung zu sprechen und diese nicht als Tabuthemen zu behandeln: „Ich möchte alle ermutigen, sich vorzubereiten.“

Und auch zu kontroversen Themen, wie der Sterbehilfe, äußerte sich die ehemalige Landesbischöfin gewohnt pointiert und meinungsstark. So sei die Selbsttötung mit Medikamenten bei unheilbarer Krankheit für sie durchaus akzeptabel, um ein unnötiges Leiden zu verkürzen. Allerdings müssten hier laut Käßmann enge Grenzen gezogen werden.

Tobias Janus von der Buchhandlung Grimpe dankte der Autorin mit einem Blumenstrauß.

Immer wieder zog sie Parallelen zu biblischen Geschichten, um ihre Argumente zu bekräftigen, und blieb damit als ehemalige Pastorin auf gewohntem Terrain.

Erlös fließt in Sanierung der Kirche 

Bei vielen Zuschauern trafen Käßmanns Worte auf Zustimmung, was der lang anhaltende Applaus belegte.

Zum Abschluss hatten die Besucher die Möglichkeit, ein Exemplar des Buches zu erwerben und auch von Käßmann signieren zu lassen, eine Gelegenheit, die sich viele der Anwesenden nicht entgehen ließen.

Die Hälfte der Einnahmen aus den Ticketverkäufen geht an den Förderverein St.-Sixti-Kirche und soll für die Innensanierung verwendet werden.

Laut Janus sind über 2500 Euro zusammen gekommen, für die sich Rudolf Grote, der Vorsitzende des Fördervereins herzlich bedankte.

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