Glückliches Ende in Northeim

Sie wurden vom IS verfolgt: Ehepaar aus dem Irak nach einem Jahr wieder vereint

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Glücklich: Das Ehepaar Shami und Saeed mit Bernd Hornkohl (rechts) und Dr. Wilhelm Priesmeier (links). 

Northeim. Im Landkreis Northeim fand jetzt ein Flüchtlingsdrama ein glückliches Ende.

Saeed aus dem Irak gehört der religiösen Minderheit der Jesiden an, die vom Terrorregime IS als Ungläubige verfolgt und ermordet werden. Saeed floh allein. Er hatte nur Geld für eine Person zusammenkratzen können, um die Schlepper zu bezahlen, die pro Person 5000 US-Dollar verlangen. Er war vier Monate unterwegs nach Deutschland - teilweise zu Fuß - und ist anerkannter Flüchtling.

Seine Frau Shami floh auch aus ihrem Dorf vor dem IS, um Vergewaltigung und Zwangsverheiratung zu entgehen. Shami kam in einem großen Flüchtlingscamp im Irak unter. Eher zufällig erfuhr Saeeds Alltagsbetreuer Bernd Hornkohl, dass anerkannte Flüchtlinge ihre Ehepartner nachholen können, wenn der Antrag innerhalb von drei Monaten nach der Anerkennung gestellt wird. Diese Frist drohte eine Woche später abzulaufen, Hornkohl stellte der Antrag. Das war im Februar.

Hornkohl berichtete jetzt von den endlosen Hindernissen, die Saeed mit seiner Hilfe in Deutschland und Shami im Irak von April bis Juli überwinden mussten. Unter anderem musste Shami vom Camp aus nach Teheran im Iran zur deutschen Botschaft reisen, weil die Botschaft im Irak keine Anträge mehr entgegennahm.

Als Frau durfte sie natürlich nicht allein reisen, sondern wurde von ihrem Schwager begleitet. Dabei mussten Zeiten gefunden werden, wo es möglichst wenig gefährlich war, unterwegs zu sein.

SPD-Politiker Priesmeier half

Immer wieder ging es um Urkunden und deren Beglaubigungen. Als es fast so aussah, als würde die Familienzusammenführung scheitern, schaltete Hornkohl den SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Wilhelm Priesmeier ein, der mit Hilfe des Auswärtigen Amtes für eine Beschleunigung sorgte. „Ohne diese Hilfe würden wir hier heute nicht zusammensitzen“, erzählt Hornkohl dankbar. „Natürlich passierte das alles innerhalb der gesetzlichen Grenzen und bürokratisch korrekt“, betonte Priesmeier jetzt beim Treffen mit dem Ehepaar.

Vor einer Welle von Hilfegesuchen aufgrund des jetzigen Schritts in die Öffentlichkeit habe Priesmeier keine Angst. „Innerhalb der rechtlichen Möglichkeiten helfe ich gerne, und ich habe fähige Mitarbeiter, die sich in Flüchtlingsfragen auskennen.“

Augen-OP und Nachzug

Irgendwann in den zurückliegenden Monaten hatte Saeeds Sprachlehrerin wegen seiner geringen Fortschritte herausbekommen, dass der Syrer fast blind ist. Also stand eine Operation der Augen an.

Am Tag vor der Augen-OP wurde ihm mitgeteilt, dass der Antrag seiner Ehefrau Shami abgelehnt worden war. Ein herber Rückschlag. „Viermal kam er an diesem Vormittag weinend zu mir“, erzählte Hornkohl, der nicht locker ließ und sich wieder für das Ehepaar einsetzte.

Irgendwann erzielte er tatsächlich die Annahme des Antrags in Teheran. Was folgte, war ein Tag der Freude: Saeed erhielt dank der Operation sein Sehvermögen zurück und erfuhr am selben Tag, dass seine Ehefrau in den Landkreis Northeim nachkommen darf.

Gottesdienst-Besuch

Seit etwa einer Woche lebt Shami jetzt wieder mit ihrem Ehemann zusammen. Sie teilen sich eine Wohnung mit zwei weiteren Flüchtlingen, die ebenfalls von Bernd Hornkohl betreut werden.

Der engagierte Flüchtlingshelfer erzählt, dass Shami und Saeed mit ihm zusammen den Gottesdienst besuchen, weil sie für ihre glückliche Rettung danken wollen.

„Jetzt müssen sie möglichst schnell Deutsch lernen, damit sie sich integrieren können“, sagte Priesmeier. 

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