Ehrenamtlicher Deutsch-Kurs für Flüchtlinge: Drei Lehrer für 20 Schüler

Fleißig: Rolf Bruns (links) und Rainer Härtel (rechts) unterrichten im ehemaligen Rathaus Kreiensen Flüchtlinge. Auch Kimete Muqolli (vorne) und Arben Muqolli lernen mit. Foto: Wendt/nh

Kreiensen. Drei pensionierte Lehrer bringen Flüchtlingen aus unterschiedlichen Ländern die deutsche Sprache nahe. Zweimal die Woche gibt es je zwei Stunden Unterricht.

„Das ist ein Glas“, sprechen die Schüler im ehemaligen Rathaus Kreiensen nach. „Was gehört in ein Glas?“, fragt Deutschlehrer Rolf Bruns. „Bier“, antwortet Arben Muqolli und lacht.

Zusammen mit über 20 Flüchtlingen hat der Mann aus dem Kosovo schon so einiges über die deutsche Kultur gelernt. Seit März nehmen die Asylbewerber aus Syrien, Albanien, Mazedonien, Russland und dem Kosovo am Unterricht im Alten Rathaus Kreiensen teil. Der Spaß darf dabei nicht zu kurz kommen.

Motivation ist groß 

Dienstags und donnerstags findet der Deutschkurs für Erwachsene jeweils von 10 bis 12 Uhr statt. Die pensionierten Lehrer Rolf Bruns, Rainer Härtel und Arne Splittberger unterrichten die Flüchtlinge. „Wir merken, dass die Frauen und Männer unbedingt die deutsche Sprache lernen wollen. Die Motivation ist hoch“, sagt Härtel.

Im März entstand beim Ortsrat Kreiensen die Idee für den Kurs. Ortsrat-Mitglied Roland Heimann stellte Bruns das Konzept vor. Der ehemalige Lehrer der Haupt- und Realschule Kreiensen war sofort bereit, den Deutschkurs zu leiten. Nur wenige Zeit später sprangen Härtel und Splittberger mit ins Boot.

Es mag übertrieben klingen, dass drei Lehrer gleichzeitig 20 Schüler unterrichten. Aufgrund des ganz unterschiedlichen Bildungsstandes der Flüchtlinge wird aber jede Hilfe benötigt. Zwölf ehrenamtliche Helfer unterstützen die Arbeit. Auch Ortsbürgermeister Hans-Hennig Eggert hilft mit. „Einige nehmen erst seit Kurzem am Unterricht teil. Manche sind bereits seit März dabei. Frontalunterricht ist daher immer nur kurzzeitig möglich. Die Flüchtlinge lernen am effektivsten in Einzelarbeit“, erklärt Bruns.

Zahlen und Uhrzeiten 

Neu-Einsteiger lernen zuerst die Wochentage, Zahlen und Uhrzeiten. Wie in der Schule prägt sich jeder unterschiedlich schnell die neuen Wörter ein. Vor allem die Syrer haben es schwer, sagt Härtel. Sie müssten erst einmal das lateinische Alphabet erlernen.

Muqolli ist da schon weiter. Ohne Probleme wiederholt er das Wort „Geschirrspülmaschine“, das auch für so manchen Deutschen ein Zungenbrecher ist. Vielleicht dauert es nicht mehr lange, bis der Kosovare selbst zum Lehrer wird und anderen Flüchtlingen hilft.

Von Jan Wendt

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