1. Startseite
  2. Lokales
  3. Northeim
  4. Northeim

Ein ganzes Dorf rührt Zwetschgen zu Mus: Kochaktion wird am Wochenende wiederholt

Erstellt:

Von: Hans-Peter Niesen

Kommentare

In den Schalen sammeln sich die bereits entsteinten Zwetschgen. Ortsbürgermeister Armin Töpperwien (rechts) sorgt für Nachschub.
In den Schalen sammeln sich die bereits entsteinten Zwetschgen. Ortsbürgermeister Armin Töpperwien (rechts) sorgt für Nachschub. © Hans-Peter Niesen

Der Duft von warmen Zwetschgenmus waberte am Wochenende durch Teile von Höckelheim. Anlass war das gemeinsame Kochen des Mus’ vor der Scheune von Ortsbürgermeister Armin Töpperwien.

Höckelheim – Rund 250 Kilogramm simmerten unter ständigem Rühren in zwei Schlachtekesseln stundenlang vor sich hin. „Wir verlieren durch das Kochen rund ein Drittel der Masse“, sagte Töpperwien, der zusammen mit einer Schar von Helfern für das Rühren mit den Muskrücken zuständig war. „Wenn wir nicht rühren, brennt das Mus an.“

Und das wollte natürlich niemand. Dafür steckte zu viel Arbeit in der Aktion: Sie hatte am Mittag des Vortages begonnen. Reife Zwetschgen wurden von Bäumen in Gärten und in der Feldmark geschüttelt, aufgesammelt und dann ins Heimatmuseum gebracht. Dort hatten sich am späten Nachmittag eine Schar von rund 15 Helferinnen und Helfer versammelt, ausgestattet mit Schüsseln Schälmesser, Handtuch und Plastikhandschuhen.

In der gemütlichen Stube des Museums und auf dem Hof ging es dann ans Waschen der Zwetschgen und „Ausbüttchen“, wie die Höckelheimer sagen. Sprich in fröhlicher Runde wurden die Früchte entsteint – überlagert von einem nicht abebbenden Fluss an Geschichten und Geschichtchen aus dem Dorfleben. Mit dabei auch ein Ehepaar aus der Ukraine, das in Höckelheim aufgenommen worden ist.

Steter Nachschub in Plastikeimern

Die Logistik war perfekt organisiert. Helfer brachten in großen weißen Plastikeimern den Nachschub. Rasch füllten sich die Schalen mit den entsteinten Früchten. „Der Zuckergehalt ist so hoch, dass wir wahrscheinlich keinen Zucker beim Einkochen benötigen werden“, sagte Töpperwien.

Vor rund 30 Jahren hatte das letzte Mal eine Zwetschgenmus-Aktion in Höckelheim stattgefunden. Angesichts des überaus guten Zwetschgenjahres tauchte der Wunsch auf, diese alte Tradition wiederzubeleben. Die Resonanz war groß. Selbst aus Nachbardörfern kamen Interessierte vorbei, um sich berichten zu lassen, wie es läuft. Angesichts steigender Preise beobachten die Höckelheimer, dass Menschen sich zunehmend wieder auf Produkte wie Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten besinnen. Die Zwetschgenmusaktion soll am kommenden Wochenende wiederholt werden, um auch Früchte zu verwerten, die noch nicht reif waren. Eingebunden wird dann auch die Grundschule im Ort.

Verkaufsaktion im Museum

Und was geschieht mit dem ganzen Mus? Alle Helferinnen und Helfer erhalten natürlich einen Anteil an den gefüllten Weck- und Schraubgläsern.

Außerdem, so Elke und Hartmut Hartje vom Höckelheimer Heimatmuseum, wird das Mus am Tag des offenen Heimatmuseums angeboten, beispielsweise mit Rosinensemmel. Er findet am Erntedankfest, Sonntag, 2. Oktober, um 14 Uhr statt.

Eingebunden sind die Kochaktionen in das Projekt „Soziale Dorfentwicklung“ in Höckelheim. In ihm geht es um die Verbesserung des Lebens in der Dorfregion „Mooredörfer“ mit Höckelheim, Hillerse, Berwartshausen und Schnedinghausen.

Der jüngste Teilnehmer beim Rühren des Zwetschgenmus’ war Philipp Deppe.
Der jüngste Teilnehmer beim Rühren des Zwetschgenmus’ war Philipp Deppe. © Privat

Auch interessant

Kommentare