500 Jahre altes Fachwerkhaus soll ein Stahlkorsett bekommen

Sanierung des Konrektorenhauses soll 1,7 Millionen Euro kosten

Das Konrektorenhaus
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Das über 500 Jahre alte Konrektorenhaus.

Die Instandsetzung des bekanntesten Sanierungsstaus in der Northeimer Innenstadt soll 1,7 Millionen Euro kosten. Die Schätzung geht aus einer Voruntersuchung zur Sanierung des sogenannten Syndicats- oder Konrektorenhauses, hervor, die jetzt im städtischen Sanierungsausschuss vorgestellt worden ist.

Northeim – Der Ausschuss empfahl dem heute, Montag, tagenden, Verwaltungsausschuss (VA), dass das Planungsbüro, welches die Voruntersuchung vorgenommen hat, auch allen anderen planerischen Arbeiten sowie die Überwachung der späteren Bauarbeiten übernehmen sollen. Es handelt sich um das unter anderem auf die Sanierung historischer Gebäude spezialisierte Büro „Die Bauhütte“ aus Mühlhausen.

Die Verwaltung soll die Beauftragung vorbereiten. Für die weiteren Planungsschritte sind dann allerdings jeweils weitere politische Beschlüsse (von VA oder Stadtrat) notwendig.

„Das barocke Kulturdenkmal „Kirchplatz 8 in Northeim aus dem Jahre 1510 braucht Hilfe und fachkundige Zuwendung“, heißt es unter anderem in der Voruntersuchung der Experten. Es sei „historisch authentisch“, da es bis ins 20. Jahrhundert nur gering verändert worden sei.

„Es besteht unzweifelhaft eine Vielzahl an Einzelschäden durch eindringende Nässe und Systemschäden durch Überlastung“. Allerdings betonen sie auch, dass angesichts des langen Leerstandes des Gebäudes außergewöhnlich viele Bauteile noch erhaltungsfähig oder aber restaurierbar seien. Sie schlagen eine Restaurierung vor allem unter Verwendung historischer Materialien vor. Dabei soll allerdings der Einbau eines Stahlrahmens das Gebäude versteifen. Ein „Geraderücken“ des geneigten und nicht rechtwinkligen Fachwerkhauses wollen die Experten nicht.

Der Stahlrahmen soll aber möglicherweise auch die Verbindung zu einem an der Ostseite aufzustellenden Treppenturm schaffen. Über diesen, nicht direkt am Gebäude, sondern „abgerückt“ zu errichtende Turm, der eine Holzverkleidung erhalten könnte, sollen nach der Sanierung die oberen Stockwerke des Hauses erreichbar werden. Denn im Inneren ist – dem ursprünglichen Zustand entsprechend – keine Treppe vorgesehen.

Konrektorenhaus: Um die oberen Stockwerke erreichen zu könne, soll an der Ostseite (im Bild die rechte Giebelseite) mit etwas zum Gebäude ein Treppenturm entstehen.

Die Sanierung soll mithilfe von Stadtsanierungsmitteln realisiert werden. Bürgermeister Simon Hartmann (SPD) erinnerte im Gespräch mit der HNA daran, dass die Instandsetzung des inzwischen der Stadt gehörenden Gebäudes finanziell abgesichert sei. Sie sei als öffentliche Maßnahme Teil des Vertrages zur Innenstadtsanierung mit dem Land Niedersachsen.

Wie hoch der Eigenanteil der Stadt an den Gesamtkosten sei, stehe dabei allerdings noch nicht fest. Angesichts der von den Experten aus Mühlhausen bestätigten großen bauhistorischen Bedeutung des Gebäudes wolle er aber in jedem Fall versuchen, weitere Förderer für das Projekt zu gewinnen, kündigte Hartmann an.

Das über 500 Jahre alte Fachwerkhaus ist inzwischen im Besitz der Stadt. Die Sanierung soll in ihrem Auftrag erfolgen. Der seit anderthalb Jahren bestehende Verein „Leben am Northeimer Kirchplatz anno 1510“ soll es anschließend nutzen. Er will dort unter anderem Kurse für Schüler und Studenten, aber auch kulturelle Veranstaltungen anbieten. (Olaf Weiss)

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