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Paralympics 2022: Northeimer Arzt zwischen Medaillen-Glück und Trauer um Ukraine-Krieg

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Von: Kathrin Plikat

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Riesige Freude über die Goldmedaille in der Super-Kombination: Anna-Lena Forster und Dr. Hartmut Stinus. Alle
Riesige Freude über die Goldmedaille in der Super-Kombination: Anna-Lena Forster und Dr. Hartmut Stinus. © Dr. Hartmut Stinus/Privat

Noch bis Sonntag laufen die Paralympics 2022 in Peking. Der Northeimer Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Dr. Hartmut Stinus, ist als Mannschaftsarzt des Ski-Alpin-Teams in China dabei und hat uns von seinen Eindrücken erzählt.

Northeim/Peking – „Wir sind so ein tolles Team. Ich bin total glücklich.“ Der Northeimer Mediziner, Dr. Hartmut Stinus, gerät immer wieder ins Schwärmen, wenn er von seinen Eindrücken bei den Winter-Paralympics, die noch bis Sonntag in Peking stattfinden und bei denen er Mannschaftsarzt des Para-Ski-Alpin-Teams ist, erzählt.

Der 62-Jährige freut sich natürlich vor allem über die tollen Erfolge „seiner Sportler“, die nahezu täglich Medaillen für das deutsche Team holen. Doch bei aller Freude, sagt Stinus, trübe gleichzeitig der Krieg in der Ukraine bei allen Team-Mitgliedern die Stimmung. Denn natürlich verfolgen alle im Internet die Geschehnisse im Osten Europas. „Das hat bei uns allen Spuren hinterlassen. Trotzdem haben wir vom Betreuerteam unseren Athleten gesagt, dass sie sich auf den Sport fokussieren sollen.“

Und diesen Tipp haben die deutschen Athleten offensichtlich beherzigt, denn fast jeden Tag steht einer von ihnen auf dem Medaillen-Treppchen. Zum Beispiel Anna-Lena Forster: Sie hat schon eine Gold- und zwei Silbermedaillen für Deutschland geholt. „Sie macht einfach einen super Job“, sagt der Northeimer Mediziner. Überrascht habe das gesamte Team aber die „Grande Dame“ des Para-Ski-Alpin-Sports, Andrea Rothfuß, die sensationell am Freitag eine Bronzemedaille im Riesenslalom geholt hat.

Auf eine Medaille durch Anna-Lena Forster hatte das Team übrigens auch am Freitag beim Riesenslalom in der sitzenden Klasse gehofft – doch leider verpasste die Athletin knapp den Medaillenrang und kam auf den „undankbaren“ Platz 4. Aber vielleicht klappt es ja am Sonntag mit Gold: Da startet Forster im Slalom und gilt als Favoritin.

Doch nicht nur tolle Erfolge, sondern auch Verletzungen beschäftigen Dr. Stinus und sein Team immer wieder: Am Donnerstag musste er mit dem gerade 18-jährigen Christoph Glötzner verletzungsbedingt in eine Klinik in Peking. Glötzner wollte eigentlich seine Paralympics-Premiere feiern, doch der Skifahrer war beim Einlaufen schon vor dem ersten Start schwer gestürzt.

„Das war natürlich erst mal ein Schock für uns alle. Aber in der Klinik haben die Chinesen alles aufgefahren, was möglich ist“, zeigt sich Stinus beeindruckt. Und: Im Anschluss an die dreistündigen Untersuchungen gab es vorsichtige Entwarnung: Glötzner erlitt zwar eine schwere Schienbeinprellung sowie eine Muskelverletzung im Oberarm, „wir hoffen trotzdem, dass er am Samstag starten kann“, so Stinus. Denn: „Wir haben hier das beste Physiotherapeuten-Team der Welt.“

Etwas traurig mache ihn, dass es in diesem Jahr coronabedingt in Peking kein „Deutsches Haus“ im Paralympischen Dorf gibt. „Es ist einfach schade, dass wir abends nicht mit den anderen deutschen Athleten zusammenkommen und auch mal feiern können“.

Zwar habe Stinus auch diesmal seine Gitarre im Gepäck, doch für Stimmung wie bei den Weltmeisterschaften und Paralympics der vergangenen 25 Jahre – so lange betreut Stinus nämlich schon die deutschen Ski-Alpin-Sportler – kann sich der Arzt, der sich übrigens selbst als „Rampensau“ bezeichnet, mit seinem Instrument diesmal nicht sorgen. Obwohl: „Auch in kleiner Runde haben wir hier schon jede Menge Spaß gehabt.“ (kat)

Nach der Goldmedaille von Anna Lena Forster feierte das gesamte Ski-Alpin-Team im Paralympischen Dorf. Ganz rechts: Dr. Hartmut Stinus.
Nach der Goldmedaille von Anna Lena Forster feierte das gesamte Ski-Alpin-Team im Paralympischen Dorf. Ganz rechts: Dr. Hartmut Stinus. © Dr. Hartmut Stinus/Privat

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