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Sexualstraftäter aus Northeim muss vier Jahre hinter Gitter

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Von: Heidi Niemann

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Ganz in der Nähe der Northeimer Martin-Luther-Schule wollte der Täter die beiden Jungen entführen. Jetzt wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt.  
Ganz in der Nähe der Northeimer Martin-Luther-Schule wollte der Täter die beiden Jungen entführen. Jetzt wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt.   © Hubert Jelinek

Für die Betroffenen war es ein Horrorerlebnis: Im Spätsommer 2020 versuchte ein Mann aus Northeim zweimal innerhalb weniger Tage, in der Nähe der Northeimer Martin-Luther-Schule ein Kind in den Kofferraum seines Autos zu zerren.

Northeim - Glücklicherweise gelang es den beiden elf und acht Jahre alten Jungen, sich aus seiner Gewalt zu befreien. Anderenfalls wären ihnen weitere schlimme Dinge widerfahren. Davon ist die Jugendkammer am Landgericht Göttingen am Ende des Prozesses gegen einen 38-jährigen Mann aus Northeim überzeugt.

Die Richter verurteilten den bereits einschlägig vorbestraften Angeklagten wegen versuchten sexuellen Übergriffs in Tateinheit mit versuchter Freiheitsberaubung in zwei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren. Der Angeklagte habe die Jungen in seine Gewalt bringen wollen, um anschließend sexuelle Handlungen an ihm vorzunehmen oder an sich vornehmen zu lassen, sagte der Vorsitzende Richter Michael Kalde.

Die Polizei hatte den 38-Jährigen Anfang September 2020 nach dem zweiten Entführungsversuch festgenommen (HNA berichtete). Bei seiner Vernehmung und vor Gericht hatte der Angeklagte die beiden Entführungsversuche zugegeben, ein sexuelles Motiv aber bestritten. Er habe vielmehr die Jungen nur kurz mitnehmen und dann wieder laufen lassen wollen, um so zu erreichen, dass seine Bewährung widerrufen wird.

Die Richter waren jedoch überzeugt, dass er sich an den Kindern vergehen wollte. Der Angeklagte habe bei beiden Taten zwei Messer im Auto liegen gehabt, außerdem einige Wochen zuvor die Scheiben seines Autos mit Verdunklungsfolie beklebt. Auch dass sich auf seinem Laptop zahlreiche Dateien mit kinder- und jugendpornografischem Material befanden, spreche für eine sexuelle Motivation.

Als erschwerend werteten die Richter die Tatfolgen: Sowohl die beiden Jungen als auch deren Familien hätten massiv unter den psychischen Auswirkungen zu leiden.

Das Gericht entsprach mit dem Strafmaß den Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Nebenkläger. Ein Nebenklagevertreter hatte die Unterbringung des Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus gefordert. Nach Ansicht des Gerichts liegen dafür aber nicht die nötigen Voraussetzungen vor. Der Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert, weil in beiden Fällen ein strafbefreiender Rücktritt vorgelegen habe.

Die Northeimer Polizei hatte den 38-Jährigen Anfang September 2018 nach dem zweiten Entführungsversuch ganz in der Nähe der Martin-Luther-Schule festgenommen. Zu dem Fahndungserfolg hatte auch der Junge beigetragen, den der Täter einige Tage zuvor in seine Gewalt bringen wollte.

Der Elfjährige war auf dem Weg vom Kieferorthopäden zu seinen Großeltern, als ihn plötzlich ein Mann am Arm packte und aufforderte, mit zu einem Auto zu kommen, das mit geöffnetem Kofferraum am Straßenrand stand. Der Junge wehrte sich energisch und riss sich los. Er lief zu seinen Großeltern, die sofort die Eltern und die Polizei informierten.

Da der Junge sowohl den Mann als auch dessen Auto genau beschreiben konnte, hatten die Ermittler erste Hinweise auf den Täter. Vier Tage später gab es den nächsten Vorfall. Diesmal hatte der Mann morgens sein Auto mit geöffnetem Kofferraum in der Nähe der Martin-Luther-Schule abgestellt und einen Achtjährigen angesprochen. Als der Junge sich weigerte, zog der Angeklagte das Kindzum Auto und zerrte ihn in den Kofferraum.

Der Junge schrie laut um Hilfe und trat um sich. Nachdem er dem Mann einen Tritt in den Bauch versetzt hatte, konnte er aus dem Auto herausspringen und zur Schule laufen. Dort berichtete er einer Lehrerin, was passiert war. Die Polizei leitete sofort eine Fahndung ein.

Nachmittags wurden Beamte auf einen Mann in einem geparkten Auto aufmerksam, auf den die Täterbeschreibung des Jungen passte.

Eine Abfrage im polizeilichen Auskunftssystem ergab, dass der Halter des Fahrzeugs bereits einschlägig bekannt war. Der 38-Jährige hatte im April 2017 einen zehnjährigen Jungen auf dem Dachboden des Automobilmuseums PS-Speicher in Einbeck, wo er als Wachmann für einen Sicherheitsdienst arbeitete, in einem Raum eingesperrt und missbraucht.

Das Landgericht Göttingen hatte ihn deshalb zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt wurde. (pid)

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