Hohe Belastung unter Corona-Bedingungen

Eine Tagesmutter aus Hillerse über die Situation in der Kindertagespflege

Die zweijährige Elisabeth mit Tagesmutter Birgit Fröchtenicht
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Die zweijährige Elisabeth ist eines von drei Kindern, das von Birgit Fröchtenicht momentan betreut wird.

Die erste Herausforderung wartet auf Tagesmutter Birgit Fröchtenicht schon direkt am Morgen. Nach der Begrüßung wird erst mal mit den Kindern Hände gewaschen. „Kleinkinder sind morgens, gerade nach dem Abschied von den Eltern, nicht immer in der Laune für sowas“, sagt sie.

Hillerse – Das Händewaschen mit Kleinkindern ist sehr aufwendig. „Selbst ein Tritthocker reicht nicht aus, um an das Waschbecken zu kommen. Also muss ich die Kinder hochheben und mit einem Waschlappen nachhelfen, damit die Hände auch wirklich sauber werden.“ Eine Belastung für den Rücken und auch die Hände der Tagesmutter.

Im Moment betreut die 46-Jährige drei Kinder im Alter von ein bis drei Jahren bei sich zuhause. Ihr Job geht uneingeschränkt weiter, trotz Lockdown.

Um die Hygienevorschriften einzuhalten, steigere sich die Belastung in der Tagespflege von Kindern immens. „Noch mehr als vorher muss man die Kinder ganz genau im Blick haben. Dass beim Essen zum Beispiel nichts von anderen Tellern gegessen wird“, berichtet Fröchtenicht. Aus dem großen 10-Uhr-Obstteller für alle Kinder sind nun separate Teller für jedes Kind geworden.

Auch der Putz- und Waschaufwand ist wesentlich größer geworden. „Bei Krabbelkindern muss man regelmäßig den Boden wischen“, so Fröchtenicht. „Waschlappen, Bettlaken und Handtücher – all das muss mehr und noch häufiger gewaschen werden als zuvor.“

Doch gerade wegen der erschwerten Rahmenbedingungen ist für Fröchtenicht weiterhin das Wichtigste das Wohl der ihr anvertrauten Kinder. „Ich möchte natürlich versuchen, die Kinder den Ernst der Lage nicht spüren zu lassen und das Spielen und Basteln so normal wie möglich zu gestalten.“

Deshalb versucht die 46-Jährige das Händedesinfizieren und -waschen möglichst unbemerkt für die Kinder zu erledigen.

Die Belastung für die Tagesmutter geht jedoch über das Körperliche und Organisatorische hinaus. Die Angst, den Hygienevorgaben nicht gerecht zu werden und die Schuld an einer Corona-Infektion der Kinder zu haben, ist dauerhaft präsent und zehrt an den Nerven.

„Aufgrund des Alters der Kinder kann man sich nicht mal mit Masken schützen“, erklärt Fröchtenicht. Es ist wichtig, dass die Kinder das Gesicht der Tagesmutter erkennen können. Und hinzu kommt: „Tagespflegekräfte können es sich schon unter normalen Bedingungen kaum leisten, krank zu werden.“

In der aktuellen Coronasituation wären die Auswirkungen noch weitgreifender. „Die Eltern sind sehr auf die Betreuung ihrer Kinder angewiesen. Da hängt schon einiges dran, falls ich doch mal ausfallen sollte“, sagt Fröchtenicht.

Besonders fehlen Fröchtenicht momentan die Feste, die sie mit den Kindern und deren Eltern gerne gefeiert hätte, wie zum Beispiel das Laternenfest im Herbst. „Solche Feste sind eine gute Gelegenheit, um mehr mit den Eltern ins Gespräch zu kommen.“

Aktuell finden laut Fröchtenicht nur kurze Gespräche zwischen Tür und Angel statt. Ins Haus dürfen die Eltern nicht.

Dass die Kitas geschlossen wurden, findet die 46-Jährige gut und richtig. Sie wünscht sich jedoch, dass beim Thema Kinderbetreuung in der Tagespflege mehr Beachtung geschenkt wird. „Wenn es um Kinderbetreuung geht, werden wir Tagesmütter gern vergessen.“

80 Tagespflegekräfte im Kreis aktiv

In der Kindertagespflege werden drei Formen der Betreuung unterschieden. Die Betreuung kommt zur Familie nach Hause oder die Kinder werden von den Eltern zur Pflegekraft gebracht. Außerdem gibt es noch Großtagespflegestellen, in denen sich bis zu drei Tagespflegekräfte zusammengetan haben.

Insgesamt 80 Tagespflegekräfte sind laut Kreissprecher Dirk Niemeyer aktiv. Bei 336 betreuten Kindern in der Tagespflege betreut jede Pflegekraft im Durchschnitt mehr als 4 Kinder Das Maximum liegt bei 5 Kindern pro Pflegekraft. In den Großtagespflegestellen gilt wie bei den Notgruppen der Kitas momentan die Höchstgrenze von 8 Kindern.

(William Abu El-Qumssan)

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