Stadtverwaltung gegen reines Gewerbegebiet

Streit um Northeimer Industriegebiet am Mittelweg

Luftbild vom Northeimer Industriegebiet am Mittelweg
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Das derzeitige Industriegebiet am Mittelweg liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Wohnbebauung am Sultmer. Über die Möglichkeit, diesen Bereich künftig als reines Gewerbegebiet auszuweisen, ist man im Northeimer Rat geteilter Meinung.

Die Umwandlung des Industriegebiets am Mittelweg könnte Probleme für ansässige Betriebe bedeuten.

Northeim – Die Umwandlung des Industriegebiets am Mittelweg in ein reines Gewerbegebiet hätte nach Einschätzung der Northeimer Stadtverwaltung die Folge, dass dort ansässige Betriebe in ihrer künftigen Entwicklung möglicherweise stark eingeschränkt wären.

Baurat Frederik Backhaus warb deshalb in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Planen, Bauen und Umwelt für den Vorschlag der Verwaltung, den Bereich als Industrie- und Gewerbegebiet zu definieren. Er appellierte an die Ausschussmitglieder, den entsprechenden Änderungen des Bebauungsplanes zuzustimmen, weil es bereits konkrete Bauanfragen gebe, die die Verwaltung aufgrund der geltenden Veränderungssperre aber nicht ausreichend beantworten könne.

Dass dieser Sachverhalt derzeit bei den dort ansässigen Firmen für Verunsicherung sorgt, bestätigte Daniel Wenzel, Geschäftsführer der Schnittger GmbH, der die Sitzung als Zuschauer verfolgte. Das Unternehmen, das einen Nutzfahrzeug-Service anbietet und 70 Mitarbeiter beschäftigt, beabsichtigt nach seinen Worten, den Betrieb komplett umzugestalten und die bisherigen Gebäude durch neue zu ersetzen.

Eine Entscheidung wurde dennoch auf Antrag von Ausschussmitglied Helga Jäger (CDU) noch einmal vertagt. Sie sieht noch Beratungsbedarf in ihrer Fraktion und betonte, dass es Ziel der Politik gewesen sei, angesichts der Nähe zur Wohnbebauung mit der Umwandlung des Industriegebietes in ein Gewerbegebiet dafür zu sorgen, dass sich dort keine störende Industrie wie zum Beispiel ein Müllkraftwerk ansiedeln kann. Den von der Verwaltung jetzt vorgeschlagenen Bebauungsplan, der auf den Empfehlungen eines bereits in einer der vorausgegangenen Sitzungen vorgestellten Gutachtens basiert (wir berichteten), bezeichnete Jäger als „Flickenteppich“, da die Bereiche, die für gewerbliche beziehungsweise industrielle Nutzung gedacht sind, kleinteilig über das gesamte Areal verteilt sind.

Auch Ausschussmitglied Armin Töpperwien (FUL) sieht das Problem, dass in einem als Gewerbe- und Industriegebiet definierten Bereich theoretisch der Bau eines Müllkraftwerks möglich wäre. Die Befürchtungen der bereits ansässigen Unternehmen bezüglich der eingeschränkten Erweiterungsmöglichkeiten teilt er nicht, weil es für diese ja einen Bestandsschutz gebe.

Dieser beziehe sich allerdings nur auf bestehende Gebäude, gab Backhaus zu bedenken. Im Falle einer Umwidmung in ein reines Gewerbegebiet könne es daher durchaus Probleme bei Baugenehmigungen geben.

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