Einsätze in der 2. Bundesliga der Frauen 

Interview mit Schiedsrichterin Carolin Hamka 

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Ruhig und souverän: Auch wenn es auf dem Spielfeld mal hitzig wird, zieht Caroline Hamka ihre Linie durch. Die Fotos zeigen sie in einem Bezirksligaspiel zwischen der SG Denkershausen/Lagershausen und der SVG Bad Gandersheim. 

Northeim. SchiedsrichterINNEN in der einstigen Männerdomäne Fußball sind längst keine Seltenheit mehr. 

Caroline Hamka aus Langenholtensen hat es mittlerweile bis hin zu Einsätzen in der 2. Bundesliga der Frauen gebracht. Wir sprachen mit der 24-Jährigen über ihren Werdegang und was die Schiedsrichterei so alles mit sich bringt.

Frau Hamka, wie kommt man als junge Frau auf die Idee, Fußball-Schiedsrichterin zu werden?

Caroline Hamka: Das war ein spontaner Entschluss. Damit der TSV Langenholtensen für die im Jahr 2010 damals neu gegründete Frauenmannschaft das Schiedsrichtersoll erfüllt, habe ich mich zusammen mit einer Freundin in der Verantwortung gefühlt und entschieden, diesen Schritt zu wagen. Das ging dann auch alles ganz schnell, denn es hatte zu dieser Zeit auch gerade ein Anwärter-Lehrgang begonnen. Über alles andere habe ich damals nicht nachgedacht.

Knapp fünf Jahre später sind Sie als Unparteiische in der Frauen-Regionalliga und bis zur Herren-Bezirksliga im Einsatz. Eine enorme Entwicklung.

Hamka: Ich bin vom ersten Tag an mit Begeisterung und großem Ehrgeiz bei der Sache gewesen. Und eines ist mir ganz besonders wichtig: Es macht mir unheimlich Spaß, Fußballspiele zu leiten. Mein Antrieb ist es dabei immer mein Bestes zu geben und natürlich möglichst korrekt zu entscheiden. Das Tempo dieser Entwicklung hätte ich auch selbst niemals erwartet.

Allein mit den 90 Minuten auf dem Spielfeld ist es doch sicher nicht getan, oder?

Hamka: In der Tat muss ich meinen Terminkalender immer im Blick haben. Auf Kreisebene ist das noch relativ leicht zu handhaben. Bei Einsätzen in Niedersachsen oder sogar deutschlandweit ist aber schon eine gewisse Logistik nötig. Es ist mir wichtig, dass ich mindestens eine Stunde vor dem Anpfiff am Spielort bin, damit Hektik überhaupt erst gar nicht aufkommt. Aber die Vorbereitung auf ein höherklassiges Spiel beginnt für mich schon viel früher.

Welche Anforderungen werden an eine höherklassig aktive Schiedsrichterin gestellt?

Hamka: Zunächst gibt es auf Kreisebene die wöchentliche Trainingseinheit. Das setzt sich fort mit Lehrgängen und Tagungen. Zudem absolviere ich für mich diverse Laufeinheiten, um fit zu sein.

Wieviel Zeit bleibt denn da noch für private Dinge?

Hamka: Ich organisiere mir das so gut es geht, aber es ist schon ziemlich wenig. Bis auf einige wenige freie Wochenenden bin ich fast immer im Einsatz. Aber ich habe mich nun mal dem Schiedsrichterwesen verschrieben und habe sehr großen Spaß daran.

Wie ist es, wenn Sie Spiele von Männern pfeifen? Gibt es da Probleme, weil womöglich der Respekt vor eine Schiedsrichterin nicht so groß ist wie gegenüber einem männlichen Kollegen?

Hamka: Bislang habe ich da noch keine großen Schwierigkeiten gehabt. Ich versuche meine Linie durchzuziehen und den Aktiven dies auch deutlich zu machen. In den höheren Klassen sind die Jungs taktisch besser geschult und es wird auch körperbetonter gespielt. Das mitunter einseitige Gerechtigkeitsempfinden mancher Spieler sorgt natürlich schon mal für hektische Szenen, aber für mich gehören Emotionen zum Fußball dazu. Das versuche ich alles sachlich zu behandeln.

Was halten Sie von der teilweise heftigen Kritik an Schiedsrichtern auf den Sportplätzen?

Hamka: Das sollte niemanden davon abhalten, sich für so ein Amt zur Verfügung zu stellen. Wir brauchen jeden Schiedsrichter. Kein Schiri trifft mit Absicht eine falsche Entscheidung, sondern stets aus der Situation und seinem Blickwinkel heraus. Und er muss seine Entscheidung spontan treffen. Das sollten alle bedenken.

Wie geht Ihre Schiedsrichter-Karriere weiter?

Hamka: Das lasse ich alles auf mich zu kommen. Ich weiß nicht, ob die Entwicklung in diesem Tempo weitergeht. Wenn es noch eine Stufe nach oben ginge, wäre das schön, aber ich mache mir da keinen Druck, sondern bleibe meinem Stil treu. (osx) 

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