"Ich wollte wieder arbeiten"

Mit Engagement vom Hausmann zurück ins Berufsleben

Geglückte Rückkehr ins Erwerbslaben: Torsten Müller an seinem Arbeitsplatz als pharmazeutisch-kaufmännischer Angestellter in der Northeimer Mühlenapotheke. Hinter ihm sein Arbeitgeber Wolfram Schmidt (rechts) und Frank Hartmann von der Agentur für Arbeit. Foto: Eriksen

Northeim. Sechs Jahre als Hausmann waren genug. Der gelernte Landwirt Torsten Müller wollte zurück ins Erwerbsleben. In der Mühlen-Apotheke in Northeim hat er eine berufliche Zukunft gefunden. Der verheiratete Vater von zwei Kinden, ist nach einer Weiterbildung dort als PKA (Pharmazeutisch-kaufmännischer Angestellter) beschäftigt.

„Ich wollte unbedingt wieder arbeiten“, betont der 41-Jährige. Die seiner Meinung nach wichtigste Einsicht, die er bei seinen Bemühungen um einen Widereinstieg gewonnen hat, lautet: „Den ersten Schritt muss jeder einzelne selber tun.“

„Es ist unerlässlich, flexibel und kompromissbereit zu sein, im beruflichen wie im familiären Umfeld“

Zurück auf seine alte Stelle im Großhandel konnte er nicht, weil die Firma nicht mehr existiert. Auf die 30-Stunde-Stelle in der Apotheke wurde er durch eine Anzeige aufmerksam, die er während seiner Weiterbildung gesehen hat. Er ist Apotheker Wolfram Schmidt dankbar, dass er ihm eine Chance gegeben hat. Die Probezeit liegt hinter Müller, er hat eine feste Stelle.

Auch nachmittags arbeiten 

„Es ist unerlässlich, flexibel und kompromissbereit zu sein, im beruflichen wie im familiären Umfeld“, sagt Müller. Er wollte ursprünglich nur halbtags und nur vormittags arbeiten, aber er musste umdenken. „Ich musste aus betrieblichen Gründen darauf bestehen, dass Herr Müller auch an einigen Nachmittagen arbeitet“, betont Schmidt.

Torsten Müller sieht es als großes Glück an, dass die Kinderbetreuung nachmittags von Familienmitgliedern übernommen wird. Seine Frau arbeitet ganztags.

Physische Kraft

Warum einen Mann in einer Apotheke einstellen, die traditionell eher frauendominiert ist? Schmidt: „Erstens hat Torsten Müller mich im Gespräch überzeugt. Außerdem: Wir bekommen die Waren teilweise palettenweise geliefert. Da ist schlicht auch physische Kraft erforderlich.“

Mit einer breiten Palette an Maßnahmen für Berufsrückkehrer will die Agentur für Arbeit (AA) angesichts des wachsenden Fachkräftemangels die „stillen Reserven“ reaktivieren, erklärte AA-Pressesprecherin Christine Gudd. Dazu bedürfe es vielfältige Hilfestellungen.

Frank Hartmann, Leiter der AA-Geschäftsstellen Northeim, Einbeck und Uslar ergänzt: „Torsten Müller ist sehr zielstrebig vorgegangen. Aber bei vielen Rückkehrern müssen wir erst einmal Ängste abbauen und Mut machen.“

Hilfen der Arbeitsagentur 

Die Arbeitsagentur und die Jobcenter haben viele Beratungs- und Vermittlungsangebote für Berufsrückkehrer. Orientierungs- und Qualifizierungsmaßnahmen sowie Fahrtkosten werden bezahlt und Kinderbetreuung bis maximal 130 Euro monatlich übernommen. Hartmann, betont, dass man nicht Leistungen beziehen muss, um diese Hilfen in Anspruch zu nehmen.

Service-Nummer

Unter der kostenlosen Service-Nummer 0800/ 4 55 55 00 kann man einen Termin für eine individuelle Beratung in der zuständigen Geschäftsstelle bekommen. Telefonische Beratung wird nicht gegeben. (zäl)

Mehr zum Thema in der Montagausgabe der Northeimer und der Sollinger HNA

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