Erdverkabelung von Suedlink: Ohne Graben geht es nicht

Ab in die Erde: Dicke Kabel sollen für die Stromübertragung verbuddelt werden. Foto:  dpa

Northeim. Netzbetreiber Tennet hat zwei Trassenvarianten für die Suedlink-Gleichstromverbindung von Schleswig-Holstein nach Bayern vorgestellt. Beide führen durch den Landkreis Northeim.

In einer Pressekonferenz hat Tennet-Geschäftsführer Lex Hartmann am Donnerstag sich zu Details des Projekts geäußert. Dazu Fragen und Antworten.

Favorisiert Tennet eine der beiden Varianten? 

Nein. „Wir haben die Alternativen noch nicht bewertet“, betont Hartmann. Darauf habe man bewusst verzichtet. Das sei ein Ergebnis der Erfahrungen aus Diskussionen mit Bürgern bei vorangegangenen Planungen. Es soll nicht der Anschein erzeugt werden, die Entscheidung sei eigentlich schon gefallen, bevor der Dialog mit den Bürgern beginnt.

Sind noch andere Varianten als die beiden präsentierten denkbar? 

Theoretisch könnte sich aus der Diskussion noch ein anderer Verlauf herauskristallisieren, so Hartmann. „Das ist eine erste Idee, wo es langgehen könnte“, sagte er. Wahrscheinlich sei eine deutlich Abweichung aber nicht.

Können die Kabel ohne Ausheben eines breiten Grabens vollautomatisch verlegt werden? 

„Das wäre schön“, sagt Hartmann. „Wir wären die ersten, die das nutzen würden.“ Schließlich sei ein solches Verfahren, wie es bei der Verlegung von 110-Kilovolt-Kabeln angewendet wird, kostengünstiger. Doch sei diese Technik, wie sie von der Bürgerinitiative für HGÜ-Erdkabel propagiert wird, für Kabel mit deutlich höheren Spannungen nicht anwendbar.

Wie breit muss der Graben für die Kabel werden?

Das hängt laut des Tennet-Geschäftsführers davon ab, was für Kabel verwendet werden. Bisher seien nur Kabel für eine Spannung von 320 kV erprobt. Für Suedlink müssten davon acht verlegt werden. Dafür sei eine Grabenbreite von 25 Meter nötig. Hartmann hofft, dass bis zum Baubeginn von Suedlink 525-kV-Kabel zur Verfügung stehen. Dann wäre eine Grabenbreite von nur 15 bis 18 Metern notwendig, weil nur vier Kabel verlegt würden. In jedem Fall werden in etwa 1,80 Meter Tiefe verlegt.

Wieso ist die diese Breite notwendig? 

Die Erdkabel geben Wärme ab. Bis zu 40 Grad Celsius gehen von ihnen aus. Damit die im Boden gut abgeführt werden kann, sei die Breite notwendig, erklärte Hartmann.

Wann soll Baubeginn für Suedlink sein? 

Wenn die Suedlink-Stromverbindung wie geplant 2025 fertig sein soll, muss der Bau nach Hartmanns Worten 2021 beginnen. „Da ist kein Puffer drin“, betonte er dabei. Das heißt, werde später begonnen, werde die Leitung in jedem Fall auch später fertig.

Sind Zusammenlegungen mit anderen Trassen geplant? 

Ja. Beispielsweise ist eine streckenweise Zusammenlegung mit der Trasse der geplanten 380-kV-Wechselstromverbindung von Wahle nach Mecklar, die ebenfalls durch den Landkreis Northeim verläuft, denkbar. Um beispielsweise in Wäldern die vorhandenen Schneisen zu nutzen, könnten die Suedlink-Kabel in Abschnitten auch unter bestehenden Freileitungen in die Erde gelegt werden.

Warum wird die Stromtrasse nicht entlang der Autobahn 7 oder der ICE-Strecken verlegt? 

Das wäre nach Hartmanns Worten aus mehreren Gründen problematisch: 

• Straßen und Schienen verlaufen durch und dicht an Orten vorbei. „Wir aber wollen wegbleiben von den Menschen“, betonte Hartmann eine Maxime der Kabel-Verlegung.

• Jede Brücke mit denen Schienen und Autobahnen andere Verkehrswege und Täler überspannen, wäre ein Problem, weil man das Kabel nicht einfach unter die Brücke hängen könne.

• Außerdem gelte links und rechts der Autobahnen in einem 25 Meter-Streifen ein Bebauungsverbot, um Platz für einen etwaigen Ausbau zu haben.

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