Bis zu 1.5 Millionen Euro müssten investiert werden

Erhalt des Fachwerkhauses am Northeimer Kirchplatz zu teuer

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Erhalt zu teuer: Das Kantorenhaus am Kirchplatz in Northeim wäre nach den Worten des Vorsitzenden des Sixti-Kirchenvorstands, Dr. Joachim Hartung, nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand von über einer Million Euro zu retten und umzunutzen. Die Sixti-Ge meinde, die hier eine Krippe bauen möchte, könne das nicht finanzieren.

Northeim. Am Abriss des 500 Jahre alten ehemaligen Kantorenhauses gegenüber der Northeimer Sixti-Kirche geht wohl kein Weg vorbei.

Die Sixti-Kirchengemeinde, die auf dem Grundstück neben ihrer früheren Schwesternstation eine Krippe als Außenstelle des Sixti-I-Kindergartens errichten möchte, sieht sich außer Stande die Kosten für den Erhalt des abbruchreifen Hauses aufzubringen.

„Wir wollten das Haus 2011 schon einmal kaufen, um unsere damals noch im Nachbarhaus befindliche Schwesternstation zu erweitern“, erzählt Sixti-Kirchenvorstandsvorsitzender Dr. Joachim Hartung. Seinerzeit habe der Kirchenvorstands daran gedacht, das einsturzgefährdete Haus zu sanieren und dann umzunutzen. Doch Schätzungen von Fachleuten hätten Kosten zwischen einer und 1,5 Millionen Euro ergeben. Hartung: „Das konnten wir uns nicht leisten und das können wir auch heute nicht schultern“. Deshalb habe man bei der jetzigen Planung für die Krippe einen Neubau ins Auge gefasst.

Experten besichtigten Objekt

Das Kantorenhaus sei von der Substanz her sowohl außen als auch innen in einem solch schlechten Zustand, dass ein Erhalt wirtschaftlich nicht tragbar sei, fährt Hartung fort. Dies hätten auch Experten sowohl der Oberen Denkmalschutzbehörde in Hannover als auch der Unteren Denkmalschutzbehörde bei der Stadt Northeim nach Besichtigung übereinstimmend bestätigt und den Denkmalschutz aufgehoben.

Der Sixti-Kirchenvorstandschef reagiert mit dieser Aussagen auch auf die Kritik des Northeimer Heimat- und Museumsvereins. Vorsitzender Gustav Heinecke hatte in einem Schreiben an die Stadtverwaltung und Ratsmitglieder betont, dass das Fachwerkhaus mit „geeigneten Mitteln und gutem Willen vor dem Abbruch bewahrt“ werden könnte. Zuschüsse aus Stadtsanierungstöpfen und dem Fachwerk-Fünfeck-Projekt sollten angezapft werden.

Erhalt nicht gelungen

Der Erhalt, so entgegnet Hartung, sei dem Hauseigentümer, von dem die Sixti-Gemeinde das Grundstück kaufen werde, und dessen Vorgängern über Jahre nicht gelungen. Aufgrund der schlechten Substanz habe der Eigentümer bereits vor über zwei Jahren die Genehmigung zum Abriss von den Denkmalschutzbehörden erhalten. Die Genehmigung sei erst vor wenigen Wochen verlängert worden, so dass der Noch-Eigentümer mit dem Abbruch Anfang August starten könne.

Der Krippenneubau werde sich gut in den umgebenden Gebäudebestand - also dem Fachwerk der benachbarten einstigen Schwersternstation, dem Steinbau der Sixti-Kirche und dem verputzten Bau des Theaters der Nacht gegenüber - einfügen, sagte Hartung.

Einer Veröffentlichung des schon fertigen Bauplans in der HNA lehnte der Sixti-Kirchenvorstand allerdings ab. So wolle man verhindern, dass das Projekt im Vorfeld schlecht gemacht werde. Lediglich eine Beschreibung gab Hartung.

Nach seinen Worten soll kein billiger Zweckbau, sondern um die Grundfläche des Abbruchhauses herum ein eingeschossiger, L-förmiger Komplex entstehen. Er soll eine eine Grundfläche von 140 Quadratmetern bekommen. Die Außenfassade soll viel Holz und Glas aufweisen und der Bau ein sehr steiles Satteldach mit roten Ziegeln erhalten.

Steiles Satteldach

Das Satteldach sei eine Empfehlung von Experten sowohl der kirchlichen als auch der staatlichen Denkmalpflege, mit denen die Neuplanung am Kirchplatz eng abgestimmt sei, fährt der Sixti-Kirchenvorstandschef fort. Der Neubau soll mit einem gläsernen Gang mit dem Fachwerkbau der ehemaligen Sixti-Schwesternstation verbunden werden, so dass die Krippe beide Gebäude nutzen könne.

Haus-Ecke als Reminiszenz

Besonderheit am Rande: Als Reminiszenz an das historische Kantorenhaus soll die Grundfläche, auf der das Haus stand, als Spielfläche erhalten bleiben. Symbolisch soll eine Mauerecke am Rande der Fläche auf das Maß des Kantorenhauses hinweisen.

Baukosten: 450.000 Euro

Die Kosten für den Krippen-Neubau betragen laut Hartung 450 000 Euro, wovon 250 000 Euro durch Zuschüsse gedeckt sind. Den Rest wird der ev. Kindertagesstättenverband Northeim als Betreiber der Krippe über Darlehen finanzieren. Die Kosten für Zins und Tilgung fließen in die Kostenrechnung der Einrichtung ein, die als Außenstelle des Sixti-I-Kindergartens fungieren wird. Jährlich entstehende Defizite übernimmt seit jeher die Stadt.

Die Sixti-Kirchengemeinde stellt das Grundstück für den Krippenbau. Dafür kauft sie das Kantorenhaus-Grundstück vom bisherigen Eigentümer, der das Haus abreißen lässt. Das Geld für den Kauf nimmt die Gemeinde aus dem Verkaufserlös des ehemaligen Pfadfinderhauses am Seldeweg, das der Gemeinde gehörte. Dafür erzielte St. Sixti nach Aussagen des Kirchenvorstands 80 000 Euro.

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