Ernten wie zu Opas Zeiten: Schüler hat Mähdrescher restauriert

Qualitätskontrolle: Der Landmaschinen-Oldtimer fasst etwa 500 Kilogramm Weizen. Dann muss der Korntank entleert werden.

Moringen. In den Sommerferien hat Simon Hesse aus Moringen hat in den Sommerferien eine 54 Jahre alte Erntemaschine wieder flottgemacht. Wir waren bei seiner ersten Ernte dabei.

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Seine Leidenschaft für Landmaschinen-Oldtimer hat der 16-jährige Simon Hesse von seinem Opa. Schon als kleines Kind schaute er seinem Großvater über die Schulter, wenn dieser an zwei alten Deutz-Traktoren bastelte. Jetzt hat sich der Schüler aus Moringen einen Traum erfüllt und eigenhändig einen Mähdrescher aus dem Jahr 1961 restauriert.

„Eigentlich wollte ich auch einen alten Trecker wieder flottmachen“, sagt der Teenager. Doch historische Traktoren seien ihm einfach zu teuer gewesen. „Dann sah ich einen sehr reparaturbedürftigen Mähdrescher für 400 Euro“. Er überlegte nicht lange und kaufte ihn.

Motor umgerüstet 

Da sich die Erntemaschine, ein Claas Columbus aus dem Jahr 1961, in einem „verhunzten Zustand“ befand, gab sie dem Nachwuchs-Restaurateur ausreichend Gelegenheit, sich zu verwirklichen. Hesse erneuerte sämtliche Riemen und Ketten, rüstete den Motor von sechs auf zwölf Volt um, tauschte die Lichtmaschine aus, wechselte Reifen und baute neue Dichtungen ein.

Wie sehr sich die Landwirtschaft seit dem Claas Columbus verändert hat, zeigt ein Blick auf die technischen Daten. Der 54 Jahre alte Oldtimer leistet gerade einmal 35 PS und schneidet Getreide auf einer Breite von 1,80 Meter. Zum Vergleich: Moderne Mähdrescher haben gut und gerne 500 PS und eine Schnittbreite von acht Metern. Außerdem sitzen Landwirte heute in einer klimatisierten Fahrerkabine, steuern ihre Maschinen per Joystick und GPS.

Keine Klimaanlage 

Zeitreise: Nachdem Simon Hesse den 54 Jahre alten Claas Columbus wieder flottgemacht hat, hilft er bei der Weizenernte. In die Restauration des historischen Mähdreschers hat der Schüler bislang 200 Arbeitsstunden investiert. Foto: Schaffner

Simon Hesse hockt hingegen auf seinem Columbus ungeschützt direkt hinter dem Schneidwerk und muss sich regelmäßig Weizenstengel und Getreidestaub aus der Kleidung schütteln. „Das Steuern erfordert noch richtig Muskelkraft“, sagt er. Der Gymnasiast hat mit Unterstützung seines Großvaters bislang 200 Arbeitsstunden in die Restauration investiert - mit Erfolg. Denn pünktlich zur Erntezeit ist er jetzt zum ersten Mal mit seinem Schätzchen auf die Weizenfelder seines elterlichen Betriebes gefahren. „Dass er nach der ganzen Arbeit so einwandfrei fährt, macht mich schon ein bisschen stolz“, sagt er. Zumal der Mähdrescher nicht nur fahren, sondern auch bei der Ernte helfen sollte. „Das klappt schon ganz gut“, sagt er, nachdem er zwei Getreidereihen abgeerntet und die ersten 500 Kilogramm Weizen aus dem Korntank auf einen Anhänger befördert hat.

Ein echter Hingucker 

Abgeschlossen ist sein Schrauber-Projekt aber noch lange nicht: „Als nächstes werde ich ihn vom Rost befreien, abschmirgeln und neu lackieren“. Schließlich soll sein erstes Restaurationsobjekt nicht nur technisch, sondern auch optisch ein echter Hingucker werden.

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