Erst Praktikum, dann Ausbildung: Berufsstart im Schuhlager

Blick in den Schuhkarton: Die Kontrolle, ob eine Lieferung auch den bestellten Inhalt hat, ist für den Auszubildenden Marcel Diedrich (links) – hier zusammen mit Eisenhardt-Geschäftsführer Andreas Leiffeit – fester Teil seiner Tätigkeit. Foto:  Weiss

Northeim. Praktika sind für junge Menschen mit schlechtem oder keinem Schulabschluss die Spikes, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Marcel Diedrich aus Moringen liefert dafür den Beweis.

Der 22-Jährige hat im Sommer beim Northeimer Schuhgroßhandel Eisenhardt GmbH eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik begonnen. Vorausgegangen war die Teilnahme an Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB). Sie werden von der Arbeitsagentur angeboten. Die Ländliche Erwachsenenbildung schult und begleitet die Teilnehmer.

Marcel Diedrich strebte eigentlich eine Ausbildung im Büro an. Der 22-Jährige, der vermutet, dass vor allem seine schwache Mathe-Note in seinem sonst durchschnittlichen Fachabitur Wirtschaft einem direkten Einstieg in eine Ausbildung im Wege stand, stellte bei einem ersten Praktikum innerhalb der BvB fest, dass das doch nicht das richtige ist. Sein zweites Praktikum fand dann bei Eisenhardt statt. Die Tätigkeit machte ihm Spaß. Er überzeugte im Praktikum, so dass er von Geschäftsführer Andreas Leiffeit einen Lehrvertrag bekam.

Eine spätere Übernahme ist nicht ausgeschlossen. „Wir bilden nach Bedarf aus“, sagt Leiffeit. Für Marcel Diedrich gebe es wie für alle anderen auch die Möglichkeit, sich hinterher weiterzuqualifizieren. „Ergibt sich die Chance, hier zu bleiben, werde ich hier bleiben“, betont der Auszubildende.

Talente offenbaren 

Der 22-Jährige ist nicht der erste Auszubildende, der bei Eisenhardt über ein Praktikum zu einer Ausbildung kommt. Durch die praktische Tätigkeit im Betrieb könnten die jungen Menschen Talente offenbaren, die sich aus ihren Zeugnissen nicht herauslesen lassen, betonte Leiffeit.

Hilfe auf dem Weg in die Ausbildung 

"Das ist eine gute Alternative zum Zuhausesitzen und Abwarten“, wirbt die Berufsberaterin der Arbeitsagentur Northeim, Annette Brauner, für die Berufsvorbereitende Maßnahmen (BvB). Der neue Durchgang hat zwar schon im September begonnen, es gibt aber noch die Möglichkeit einzusteigen. Interessenten sollen sich an die Berufsberater der Arbeitsagentur wenden.

Die BvB richten sich an Jugendliche bis 25 Jahre, die ihre Schulpflicht erfüllt, aber noch keine Ausbildung abgeschlossen haben. Wer Interesse hat, kann sich unter Telefon 0551/ 520 660 oder per E-Mail an goettingen.berufsberatung@arbeitsagentur.de zu einem Beratungsgespräch anmelden.

62 Prozent in Ausbildung 

60 Teilnehmer hatte die auf maximal zwölf Monate angelegte Maßnahme in Northeim im Durchgang, der im Sommer zu Ende gegangen ist. 63 Prozent von ihnen haben laut Arbeitsagentur anschließend eine Ausbildung oder eine bezahlte Arbeit begonnen.

Neben den Praktika, bei denen die Teilnehmer von einem sogenannten Begleiter unterstützt werden, gibt es Unterricht und Bewerbungstraining. Es sind mehrere Praktika in unterschiedlichen Bereichen möglich, damit jeder Teilnehmer herausfinden kann, was ihm besonders liegt.

Für jeden werde ein individuelles Päckchen geschnürt, dass den Bewerber zu einem Ausbildungsplatz führen soll, erklärt Bildungsbegleiter Ulrich Günzel von der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB), die die BvB im Auftrag der Arbeitsagentur betreibt.

Hauptschulabschluss 

Auch das Nachholen des Hauptschulabschlusses ist möglich. Angeboten werden auch Hilfestellungen bei finanziellen Problemen oder im familiären und persönlichen Bereich. Die Fahrtkosten der Teilnehmer werden übernommen. Sie erhalten auch ein Taschengeld.

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