Angst vor dem nächsten Lockdown ist da

Reisebüros im Kreis Northeim haben mit Corona-Folgen zu kämpfen: Aber erste Flüge gehen wieder

Zwei Urlauber einsam am Strand. So könnte es in diesem Sommer 2020 aussehen.
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Zwei Urlauber einsam am Strand. So könnte es in diesem Sommer 2020 aussehen.

Die Reiselust der Deutschen nach den Corona-Lockerungen ist wieder erwacht. Die Reisebüros im Kreis Northeim sehen einen kleinen Lichtblick, sind aber meilenweit entfernt von früheren Umsätzen.

Landkreis Northeim – Erste Flugreisen werden wieder gebucht und führen auf die Balearen, die Kanaren und die griechischen Inseln. „Wir haben derzeit vielleicht zehn bis 20 Prozent des Umsatzes wie in Normalzeiten, doch wichtig ist, dass es überhaupt wieder Urlaubsbereitschaft gibt“, sagt Reiseverkehrs-Kauffrau Nina Trümper vom Tui-Reisecenter im Northeimer Marktkauf. Sie befindet sich mit ihren zwei Kollegen weiter in Kurzarbeit, hofft aber darauf, dass der kleine positive Trend anhält und kein neuer Lockdown kommt. Auch Quartiersbuchungen mit Eigenanreisen etwa an die deutschen Küsten oder nach Bayern und Österreich, sorgten mittlerweile dafür, dass die Arbeit im Büro nicht nur aus Stornierungen und Umbuchungen bestehe.

„Wir sind positiver Dinge“, sagt auch Henrike Gamasin, Mitinhaberin des Tui-Travelstar-Reisebüros Bode in Uslar. Zwar machten Umbuchungen ins nächste Jahr und wegen der für einige Länder noch bestehenden Reisewarnungen auch Stornierungen noch immer den größten Teil der täglichen Arbeit aus, doch gebe es auch hier die kleinen Lichtblicke an ersten Flugeisen nach Mallorca oder auf die Kanaren. Gamasin: „Und die Leute, sind alle begeistert. Keiner hatte ein ungutes Gefühl“.

Henrike Gamasin

Dass die Lage für selbstständige Reisebüros trotzdem nach wie vor prekär ist, sagt Sybille Stumpe vom Reisebüro Stumpe in Moringen. Neubuchungen seien die Ausnahme. Der Juni-Umsatz ihres Geschäfts liege bei unter fünf Prozent eines Normaljahres. Nach der erfolgten Auszahlung der Soforthilfen (9000 Euro für drei Monate) für kleine Firmen hofft sie jetzt auf Zuschüsse aus dem Konjunkturpaket, um das Geschäft zu halten und die Auszubildende weiterbeschäftigen zu können. Das Verfahren sei aber kompliziert und Anträge könnten nur über Steuerberater gestellt werden. Stumpe: „Wir werden trotzdem weitermachen.“

„Es wird langsam etwas besser“, so schätzt Reiseverkehrskauffrau Frauke Scherer vom Tui-Reisecenter in der Northeimer Innenstadt die Lage der Reisebranche und dabei insbesondere der Reisebüros ein. Sie befindet sich mit weiteren drei Mitarbeitern ebenfalls noch in Kurzarbeit wegen der Coronakrise.

Auch sie spricht allerdings von „kleinen Lichtblicken“, weil schon wieder kurzfristig Flugreisen nach Spanien und Griechenland gebucht worden seien. „Dort kann man sich wie in Deutschland frei bewegen, die Lage in den Hotels, auch von der Hygiene her, ist gut“, wirbt sie für eine Reise.

Allerdings stünden derzeit die Inlands- und Österreichurlaube mit Eigenanreise per Auto deutlich im Vordergrund. Man vermittele Ferienwohnungen und durchaus auch zunehmend Hotel-Aufenthalte, zumal die Hotels ihre Quartiere unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln wieder zu 100 Prozent belegen dürften.

Bei den Flugreisen lasse sich feststellen, dass viele Kunden ihre schon angezahlten Urlaube auf das nächste Jahr umbuchen. Die Hoffnung auf ein besseres Reisejahr 2021, in dem dann vielleicht auch ein Corona-Impfstoff gefunden ist, teilen alle angefragten Reisebüros im Kreis Northeim. Noch ein weiteres Jahr mit Minimal-Umsätzen werden etliche von ihnen vielleicht nicht überstehen.

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