Landeskirche und Kirchenkreis werben um Nachwuchs

Evangelischer Kirche gehen die Pastoren aus

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Er ist für die Landeskirche Hannover auf Nachwuchsfang: Der ehemalige Northeimer Sixti-Pastor Mathis Burfien. Er ist seit 2014 Leiter der Projektstelle „Förderung von theologischem Nachwuchs“.

Northeim. Der evangelische Kirchenkreis Leine-Solling zählt derzeit 42 Pastorinnen und Pastoren. Diesen Personalstand zu halten, wird schwer.

Schwer nicht nur wegen weiter rückläufiger Zahlen der Kirchenmitglieder, sondern weil es laut Landeskirche auch eklatant an Nachwuchs im Berufsstand fehlt.

„Die Situation ist zwar durch Anstrengungen in der Nachwuchswerbung etwas besser geworden, aber reichen dürfte das angesichts der Pensionierungswelle ab 2020 nicht“, sagt Landeskirchen-Pressesprecher Benjamin Simon-Hinkelmann. Nach Schätzungen würden ab 2020 jedes Jahr 100 Pastorinnen und Pastoren in den Ruhestand gehen. Die aktuelle Gesamtzahl der Geistlichen liege bei 1786.

Simon-Hinkelmann: „Ab 2021 wird es eine Herausforderung werden, die frei werdenden Stellen wieder zu besetzen.“ Deshalb würden aktuell bereits mehr Berufsanfänger in den kirchlichen Dienst übernommen als aufgrund der aktuellen Stellensituation notwendig wären.

Wichtig sei vor diesem Hintergrund die Einrichtung der Projektstelle „Gewinnung theologischen Nachwuchses“ bei der Landeskirche vor drei Jahren gewesen, die vom ehemaligen Northeimer Sixti-Pastor Mathis Burfien geleitet wird. Er habe viele Aktionen initiiert, die dazu geführt hätten, dass sich die Zahl der Studienanfänger im Fach Theologie aus dem Bereich der Landeskirche im vorigen Jahr auf 69 verdoppelt habe.

Der Kirchenkreis Leine-Solling, der fast das gesamte Northeimer Kreisgebiet umfasst, honoriert ein Theologiestudium sogar mit barer Münze. Studenten aus dem Kirchenkreis erhalten 75 Euro Büchergeld in jedem Semester. Laut Hannelore Timpner vom Northeimer Superintendenturbüro machen aktuell 26 Studierende aus dem Landkreis davon Gebrauch.

Derzeit gebe es im Kirchenkreis eine vakante Pfarrstelle in Vogelbeck-Hohnstedt und ab 1. November eine weitere im Raum Iber. Beide Stellen seien zur Wiederbesetzung ausgeschrieben.

Die Aussichten für Studenten der evangelischen Theologie, später einen Job als Pastorin oder Pastor zu finden, sind extrem hoch. „Wer die Prüfung schafft, hat quasi seinen Job sicher“, sagte schon Anfang dieses Jahres der damalige Pressesprecher des Kirchensprengels Hildesheim-Göttingen, Karl-Otto Scholz auf HNA-Anfrage. An der Aussage hat sich bis heute nichts geändert.

Büchergeld verdoppelt

Der heimische Kirchenkreis Leine-Solling hat das drohende Nachwuchsproblem schon vor drei Jahren zum Anlass genommen, das seit 2002 gezahlte Büchergeld für Studierende aus dem Kirchenkreis zu verdoppeln. Seitdem gibt es pro Jahr für jeden 150 Euro als kleine Unterstützung während des Theologiestudiums, sofern die örtliche Kirchengemeinde, aus der der oder die künftige Studierende stammt, grünes Licht gibt. Einmal im Jahr wird dafür kirchenkreisweit eine Kollekte in den Gottesdiensten gesammelt.

Mit dieser Beihilfe liegt der Kirchenkreis landesweit weit vorn in der monetären Unterstützung heimischer Studierender. Die Landeskirche Hannover selbst vergibt zwar jährlich auch Geldpreise aus Stiftungen, um die sich Studenten mit besonders guten Leistungen bewerben können, eine dauerhafte Förderung während des Studiums gibt es jedoch bei ihr noch nicht.

500 Euro pro Semester

Andere Landeskirchen in Deutschland gehen angesichts des drohenden Nachwuchsmangels deutlich offensiver vor: So zahlt die benachbarte Evangelische Landeskirche Kurhessen-Waldeck ab diesem Jahr 500 Euro monatlich bis zum Abschluss des Studiums als Stipendium an 100 Studierende. Voraussetzung: Sie müssen sich bereit erklären, später in Gemeinden dieser Landeskirche für die Dauer der Inanspruchnahme arbeiten zu wollen.

Surfen und Beten

Die Landeskirche Hannover setzt da eher auf Werbung in Schulen und auf Berufsmessen, auf attraktive Berufsorientierungsseminare wie zum Beispiel das Angebot „Beten und Surfen“ an der portugiesischen Atlantikküste oder auch auf Kunst- und Theater-Workshops mit Jugendlichen sowie auf intensive Beratung vor und während des Studiums. Ansprechpartner ist Mathis Burfien, Tel. 0511 / 1241-487. Infos gibt es auch im Internet (www.theologie-studieren.de).

Ob auch der Kirchenkreis Leine-Solling den drohenden Pastorenmangel zu spüren bekommen wird, lasse sich nach Aussage von Hannelore Timpner noch nicht sagen. Eine große Pensionierungswelle stehe hier jedenfalls noch nicht an. Im kommenden Jahr gehe im Kirchenkreis jedenfalls definitiv nur ein Pastor in den Ruhestand.

Viele Studenten aus dem Kreis Northeim

Freuen kann sich der Kirchenkreis Leine-Solling im Übrigen darüber, dass aus seinem Gebiet seit Jahren überproportional viele Theologie-Studenten kommen. Jährlich sind es nach Auskunft der Northeimer Superintendentur etwa fünf Studierende aus dem Kreis Northeim.

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