Gemeindebrandmeister im Gespräch

Experten-Interview: Autos explodieren nur im Film

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Keine Szene aus einem Spielfilm: Am 3. Januar brannte dieses Auto nach einem Unfall auf der Autobahn 7 bei Echte vollständig aus. Die Fahrzeuginsassen wurden nur leicht verletzt.

Northeim. Wie gefährlich ist ein brennendes Auto? Kann es explodieren? Aus aktuellem Anlass haben wir darüber mit dem Kalefelder Gemeindebrandmeister gesprochen.

Schon dreimal mussten die Feuerwehren im Landkreis Northeim in diesem Jahr brennende Fahrzeuge löschen. Bei Schnedinghausen brannte am 2. Januar ein Kleinlaster, einen Tag später ging auf der Autobahn 7 bei Echte nach einem Unfall ein Wagen in Flammen auf. Am 5. Januar fing ein Auto auf der A 7 bei Parensen Feuer.

KarstenMüller

Wir haben deshalb beim Kalefelder Gemeindebrandmeister Karsten Müller nachgefragt, wie gefährlich ein Autobrand tatsächlich ist. Denn die Wehren aus dem Alten Amt werden oft zu Einsätzen auf die Autobahn gerufen.

Herr Müller, können brennende Autos tatsächlich explodieren, wie es uns Actionfilme weismachen wollen?

Karsten Müller: Dass der Tank eines Autos filmreif explodiert, ist nahezu ausgeschlossen. Fahrzeugbrände entwickeln sich in der Regel langsam. Es können allerdings Stichflammen entstehen, wenn zum Beispiel die Airbags auslösen oder auslaufender Kraftstoff Feuer fängt. Die größten Gefahren sind der giftige Rauch und die Hitze.

Wie sollte man sich im Brandfall verhalten?

Müller: Im Brandfall sollte das Fahrzeug ohne panische Vollbremsung an die Seite gefahren werden. Dann die Zündung aus- und die Warnblinkanlage einschalten, die Motorhaube entriegeln und raus aus dem Auto. Wichtige Dinge wie die Papiere sollten mitgenommen werden. Bis sich bei einem Mittelklassewagen ein Brand des Motors in den Fahrgastraum ausbreitet, dauert es bis zu 20 Minuten. Wenn man das Auto verlassen hat, sollte umgehend die Feuerwehr alarmiert werden. Eventuell können Löschversuche unternommen werden. Wegen der Hitze und den giftigen Gasen ist es aber ratsam, möglichst viel Abstand zum Fahrzeug zu halten.

Wie viel nutzt ein Feuerlöscher bei einem Pkw-Brand?

Müller: Bei einem Entstehungsbrand können Löschversuche mit einem Autofeuerlöscher durchaus noch zu einem Erfolg führen. Da die Autofeuerlöscher aber sehr klein sind sollten sie wirklich nur bei einem Entstehungsbrand zum Einsatz kommen.

Worauf sollte man mit dem Feuerlöscher zielen?

Müller: Bei geöffneter Motorhaube sollte man so dicht wie möglich an den Flammenherd herangehen und das Feuer dann mit kurzen, gezielten Stößen löschen. Die Sprühdauer eines Autofeuerlöschers beträgt in der Regel nur wenige Sekunden. Wichtig ist es, sich bei dem Löschversuch nicht selbst in Gefahr zu bringen. Deshalb sollte man darauf achten, dass der Wind nicht von vorn kommt, damit man kein Löschpulver, keine giftigen Gase und keinen Rauch einatmet. Lässt sich der Motorraum nicht mehr öffnen, besteht je nach Lage und Fahrzeugtyp die Möglichkeit, vom Boden her oder über den Kühlergrill zu löschen. Im Zweifel sollte man die Motorhaube aber lieber geschlossen lassen und auf die Feuerwehr warten.

Welche besonderen Gefahren bestehen bei Autos mit alternativen Antrieben wie zum Beispiel Strom oder Erdgas?

Müller: Als Fahrer von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben sollte man sich genauso verhalten wie bei anderen Autos. Wichtig ist es, die Feuerwehr nach dem Eintreffen auf den besonderen Antrieb hinzuweisen. Sehr gut wäre es, wenn die sogenannte Rettungskarte zur Hand ist. Darauf stehen alle für die Feuerwehr relevanten Informationen, zum Beispiel die Lage der Akkus und des Gastanks. Diese Karte erleichtert den Feuerwehrleuten ihre Arbeit.

Hintergrund: Keine Pflicht für Feuerlöscher in Autos

Gefahrguttransporter und Busse müssen in Deutschland einen Feuerlöscher mitführen, für Pkw besteht diese Pflicht nicht. Dennoch ist ein Autofeuerlöscher sinnvoll. Es gibt ihn mit einem oder zwei Kilogramm Füllmenge. Grundsätzlich gilt: Je größer, desto besser, denn die Sprühzeit ist kurz. Ein guter Platz für die Montage ist direkt vor dem Fahrer- oder Beifahrersitz. Dafür gibt es spezielle Halterungen. Der Kofferraum ist als Lagerort eher ungeeignet, da der Löscher unter Gepäck begraben sein kann und bei einem Auffahrunfall nur schwer erreichbar ist.

Von Julia Schwekendiek

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