Kirchenamt und Kirchenvorstandsvorsitzende weisen Kritik an Sanierungsarbeiten zurück

Streit ums Fachwerk am Gemeindehaus in Sudheim

Vier Personen in Corona-Abstand vor einem Fachwerkhaus, das gerade saniert wird
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Dass das erst kürzlich freigelegte Fachwerk schon wieder verkleidet wird, stößt in Sudheim auf Ablehnung. Unser Foto zeigt (v.l.) Walter Jockers, Rolf Gieseler, Reinhold Bethe und Norbert Bethe.

Die Sanierung des Sudheimer Gemeindehauses sorgt für Irritationen

Sudheim – Normalerweise ist es ja eine gute Nachricht, dass man bei der Sanierung des Gemeindehauses in Sudheim schnell vorankommt. Dass das alte Fachwerk an der Südseite des Gebäudes dabei nach der Entfernung des alten Behangs aber nur für kurze Zeit zu sehen war und inzwischen schon wieder hinter einer Folie verschwunden ist, damit die gesamte Front mit Holz verkleidet werden kann, sorgt allerdings für Verärgerung im Ort.

„Wir legen großen Wert auf die Feststellung, dass der Kirchenvorstand gegen die Entscheidung für die erneute Verkleidung des alten Fachwerks nichts machen konnte“, sagt Walter Jockers, der als Beauftragter des Kirchenvorstandes in die Sanierungsarbeiten eingebunden ist.

Nachdem man das alte Fachwerk freigelegt habe, seien zwar Schäden festgestellt worden, die einen erhöhten Sanierungsaufwand nötig gemacht hätten. Die Entscheidung des Kirchenamts Northeim, das Fachwerk aus Kostengründen einfach wieder zu verkleiden, sei aber aus seiner Sicht zu schnell getroffen worden.

Lediglich auf die Farbgestaltung der Holzverkleidung habe der Kirchenvorstand noch Einfluss nehmen können, berichtet Jockers. „Vorgesehen war zunächst, das Holz grau und weiß zu streichen. Wir wollten aber keine zusätzliche Farbe, sodass die Bretter jetzt in Anlehnung an die Farben des Fachwerks an den anderen Gebäudeseiten schwarz und weiß gestrichen werden sollen.

„Wir haben am Volkstrauertag zufällig erfahren, was hier geplant ist und dass das freigelegte Fachwerk hinter einem Bretterverhang verschwinden soll,“ macht Rolf Gieseler, Vorsitzender des Sudheimer Dorfverschönerungsvereins seinem Ärger über die Entscheidung Luft. Er findet es „unmöglich“, dass man es nichtig für nötig gehalten habe, die Sudheimer vorher darüber zu informieren.

Auch der Northeimer Ortsheimatpfleger Norbert Bethe kann die Entscheidung nicht nachvollziehen. „Immerhin handelt es sich doch um ein denkmalgeschütztes Gebäude“, gibt er zu bedenken. Nach seinen Informationen sei auch der Denkmalschutz im Northeimer Rathaus nicht über diese Baumaßnahme im Voraus informiert worden.

Die Kritik an der Vorgehensweise bei der Sanierung des Gemeindehauses ist aus Sicht der Vorsitzenden des Sudheimer Kirchenvorstandes, Gisela Heberle allerdings nicht nachvollziehbar. „Der Kirchen vorstand war bei der Entscheidung sehr wohl eingebunden“, sagte sie auf HNA-Anfrage.

Ebenso wie Kirchenvorstandsmitglied Jens Lütje widersprach sie damit dem durch die Kritiker der Baumaßnahme dargestellten Sachverhalt. Richtig sei vielmehr, dass der Kirchenvorstand der entsprechenden Empfehlung der zuständigen Kirchenbehörde gefolgt sei – und zwar aus zwei Gründen, so Heberle und Lütje.

Zum einen hätte es für die Gemeinde einen weitaus größeren finanziellen Aufwand bedeutet, das Fachwerk der Südseite so herzurichten, dass man auf eine Verkleidung hätte verzichten können. Und zum anderen ergebe sich mit der Verkleidung die Möglichkeit, das Gebäude mit einer Wärmedämmung zu versehen.

Auch Karl-Heinz Himstedt, Leiter des Kirchenamtes Northeim, weist die Kritik an der Baumaßnahme zurück. „Nachdem der Bauausschuss des Kirchenkreises den Antrag der Kirchengemeinde auf Sanierung der südlichen Fassade am 3. Dezember 2019 bewilligt hatte, haben wir die Maßnahme mit der zuständigen kirchlichen Denkmalpflege abgestimmt“, sagt er auf HNA-Nachfrage. Dabei sei seitens des Amtes für Bau- und Kunstpflege in Hildesheim nicht dem Wunsch der Kirchengemeinde entsprochen worden, einen Pfannenblech- oder Schieferbehang zu verwenden. Stattdessen sei eine Holzverkleidung genehmigt worden.

„Alternativ sollte je nach Zustand des freigelegten Fachwerks überlegt werden, ob eine Wiederherstellung infrage kommt“, so Himstedt. Über diese Stellungnahme der Denkmalpflege seien der Baubeauftragte der Kirchengemeinde und der Kirchenvorstand von der zuständigen Mitarbeiterin des Kirchenamtes informiert worden.

Nach Entfernung des alten asbesthaltigen Behangs habe sich herausgestellt, dass das freigelegte Fachwerk in keinem guten Zustand war, berichtet Himstedt weiter. Auf Bitte des Kirchenvorstandes habe man dann noch einmal beim Amt für Bau- und Kunstpflege nachgefragt, ob nicht doch eine Schieferbekleidung möglich sei.

Dies sei aber erneut abgelehnt worden. Bei mehreren Ortsterminen habe man dann gemeinsam mit dem Kirchenvorstand die Vorgehensweise abgestimmt.

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