Quote bei Theorietest bei über 30 Prozent

Fahrschüler fallen im Landkreis Northeim öfter durch die Prüfungen

Northeim. Die Zahl der Fahrschüler, die im vergangenen Jahr durch die theoretische und praktische Prüfung gefallen sind, ist im Landkreis Northeim gestiegen.

Wie der Tüv-Nord auf HNA-Anfrage mitteilte, haben 30,7 Prozent die Theorie- und 23 Prozent die Praxisprüfung nicht bestanden. Die Werte beziehen sich dabei auf das Straßenverkehrsamt Landkreis Northeim, was die Prüfungsorte Northeim, Einbeck und Uslar beinhaltet. 2016 lagen die Quoten noch bei 29,6 (Theorie) und 22,7 Prozent (Praxis).

„Die steigenden Zahlen hängen besonders mit dem hohen Schwierigkeitsgrad der Prüfungen zusammen“, sagt Dieter Quentin, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Niedersachsen. „Hinzu kommt, dass auch viele Asylbewerber, die zunehmend den Führerschein machen, an genau diesen hohen Hürden scheitern“, sagt Quentin.

Wer mit einem ausländischen und nicht in Europa erworbenem Führerschein nach Deutschland komme, dürfe damit ein halbes Jahr fahren, erklärt der 59-Jährige. „Anschließend müssen sie sich beim Umschreiben in Theorie und Praxis prüfen lassen.“ Doch diese Fahrschüler können sich auch ohne Einverständnis ihres Fahrlehres zur Prüfung anmelden – und fielen dann öfters durch.

Quentin betont, dass es auch viele Deutsche gäbe, die „die Prüfungen auf die leichte Schulter nehmen.“ Die hohen Anforderungen sollten seiner Ansicht nach aber bleiben. „In Zeiten, wo die Verkehrsdichte zunimmt, ist das richtig.“

Nicht nur im Landkreis Northeim, sondern auch in Niedersachsen wird deutlich, dass Fahrschüler in beiden Prüfungen häufiger durchfallen. Haben laut Kraftfahrtbundesamt 2015 in Niedersachsen 30,1 Prozent (Theorie) und 25,1 Prozent (Praxis) der Schüler nicht bestanden, waren es 2016 bereits 32 (Theorie) und 25,6 Prozent (Praxis). Zahlen für 2017 lagen noch nicht vor. 

Northeimer Fahrlschulleiter sucht Ursachen

Den einen, universellen Grund, warum Fahrschüler häufiger durch Theorie- und Praxisprüfungen fallen, als noch vor einigen Jahren, gibt es nicht. Es spielen dabei unterschiedliche Faktoren eine Rolle, wie der Northeimer Fahrschulleiter Andreas Simons im Interview erklärt.

Herr Simons, wieso fallen die Fahrschüler zunehmend durch die Theorieprüfungen? 

Andreas Simons: Einige Schüler nehmen den Test auf die leichte Schulter und merken erst später, welcher Aufwand eigentlich nötig ist. Und dazu gibt es viele, die zwar wirklich fleißig lernen, aber unter starker Prüfungsangst leiden. In entscheidenden Momenten überlesen sie dann teilweise die Fragen.

Also liegt es nur an den Schülern? 

Simons: Nein, keineswegs. Auch der Fragenkatalog hat sich mit der Zeit geändert. Zum einen müssen sich die Fahrschüler komplexes Wissen aneignen, was sie meiner Ansicht nach gar nicht bräuchten. Warum etwa müssen sie Fragen zu technischen Details beantworten können? Zum anderen ist die Anzahl der Fragen sehr hoch, was dazu führt, dass einige Schüler die Testbögen nur auswendig lernen. Diese Lerntypen fallen zwar nicht so häufig durch, verstehen dafür aber die Zusammenhänge nicht immer richtig.

Was hat es mit den steigenden Durchfallquoten in den praktischen Prüfungen auf sich?

Simons: Eine gute Frage, denn die Fahrlehrer melden ihre Schüler natürlich nur zur Prüfungsfahrt an, wenn sie davon überzeugt sind, dass sie sie auch bestehen. Hier spielt die Prüfungsangst wieder eine große Rolle. Schüler, die sich in den Fahrstunden vorbildlich verhalten, können in der Prüfung einen Blackout bekommen.

Wie hat sich der Verkehr in den vergangenen Jahren entwickelt? 

Simons: Das Verkehrsaufkommen ist deutlich gestiegen, was es den Fahrschülern nicht einfacher macht. Denn in der praktischen Prüfung können sich auch andere Verkehrsteilnehmer falsch verhalten, worauf der Prüfling dann durchfällt.

Stimmt der Eindruck, dass viele Autofahrer aggressiver werden?

Simons: Ja, das ist leider häufiger zu beobachten.

Woran liegt das? 

Simons: Zeitdruck und Stress treten vermehrt auf und sind Dinge, die sich auf die Stimmung und die Fahrweise in hohem Maße auswirken. Dazu zu herrscht ein gewisses Machtgehabe: Wenn auf der Autobahn ein Kleinwagen einen teuren Sportwagen überholt, verkraften das manche Insassen nicht und fühlen sich zu waghalsigen und unnötigen Manövern verleitet.

Gehen auch die Eltern der Fahrschüler mit schlechtem Beispiel voran?

Simons: Leider ja. Wer fährt schon in der Innenstadt exakt 50? Das wird von vielen Autofahren bagatellisiert, doch wenn es Fahrschüler gleichtun, fallen sie in der Prüfung durch. Ich denke, es müsste mehr Kontrollen geben. Neulich hatten wir im Unterricht das Stoppschild behandelt. Ein Schüler sagte nur: „Da hält sowieso kein Mensch an“. Diese Haltung muss sich ändern.

Zur Person

Andreas Simons

Andreas Simons ist seit 2012 selbstständig und ist Inhaber einer Fahrschule in Northeim. Zuvor war der 48-Jährige selbst als Fahrlehrer angestellt. Andreas Simons wohnt in Northeim und hat eine Tochter.

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch/dpa 

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