Tierheim Northeim braucht Hilfe

Ferienzeit im Landkreis Northeim: Tiere werden wie Müll in der Natur entsorgt

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Kümmern sich um ausgesetzte Tiere: Tierheimleiterin Tanja Leinert (Mitte) mit zwei Mitarbeitern und den beiden kürzlich gefundenen Schäferhunden. Foto: Kathrin Plikat

Northeim. Sie werden angebunden, ausgesetzt oder einfach beim Tierheim vor die Tür gestellt: Hunde, Katzen und Kleintiere, die ihren Besitzern ein „Klotz am Bein“ sind.

Jahr für Jahr muss auch das Northeimer Tierheim besonders in der Ferienzeit diese Erfahrung machen.

Gerade wurden zwei junge Schäferhunde aufgenommen, die die Polizei nahe Hardegsen aufgegriffen hat. Beide Tiere sind nicht gechippt – obwohl das seit 2011 in Niedersachsen Pflicht ist, damit der Tierhalter identifiziert werden kann.

Tanja Leinert macht diese „Entsorgung“ von Tieren richtig sauer. Die Leiterin des Northeimer Tierheims kann nicht verstehen, warum Menschen immer wieder so unmenschlich mit ihren Haustieren umgehen. „Statt den Hund vor der Urlaubsreise in einer Tierpension unterzubringen, wird er lieber im Wald an einen Baum gebunden und seinem Schicksal überlassen. Das ist wirklich grausam“, sagt Tanja Leinert.

Jahr für Jahr werden die Tierheim-Mitarbeiter gerade auch in der Ferienzeit mit diesen tierischen Schicksalen konfrontiert. Die Tierheim-Leiterin vermutet, dass viele Tierbesitzer einfach denken „Wozu haben wir denn ein Tierheim und den Tierschutzverein? Die werden sich schon kümmern“. 

Würden die Tiere direkt im Tierheim abgegeben und nicht irgendwo in der Natur „entsorgt“, wäre das etwas hilfreicher, würde die Tat an sich aber auch nicht besser machen. „Man kann Tiere doch nicht einfach wie Müll entsorgen“, so Leinert, die seit sechs Jahren das Northeimer Tierheim leitet. Auch ihre Einrichtung bietet eine Urlaubsbetreuung für Tiere an – natürlich gegen Bezahlung.

Leinert: „Das Geld ist einer der Gründe, warum Tiere einfach ausgesetzt werden. Denn werden sie krank, brauchen sie Medikamente oder Spezialfutter. Und das kostet nun mal Geld. Aber darüber muss ich mir doch vor der Anschaffung eines Tieres im Klaren sein.“

Apropos Geld: Natürlich ist auch das Northeimer Tierheim, das übrigens Tiere aus dem gesamten Landkreis Northeim aufnimmt, weiterhin auf Spenden und ehrenamtliche Unterstützer angewiesen. 

Zwar wurde nach einer Erbschaft ein Neubau errichtet (HNA berichtete), der vor gut einem Jahr bezogen wurde, doch fertig ist dieser Neubau noch nicht. „Im Obergeschoss können wir nur nach und nach die Räume fertigstellen, außerdem fehlt noch die Außendämmung“, erzählt Tanja Leinert. Auch die Umzäunung des Tierheimgeländes ist derzeit ein Provisorium, die Ausläufe für die aktuell zwölf Hunde bestehen aus alten Zaunteilen und Türen. „Um alles fertigstellen zu können, benötigen wir noch eine ordentliche Summe“, sagt Leinert. 

Doch beschweren will sie sich auf keinen Fall, betont sie gleichzeitig: „Wir haben in den vergangenen Jahren Erbschaften von Northeimer Bürgern gemacht, ohne das Geld wären wir noch lange nicht so weit wie heute. Da gibt es sicherlich viele Tierheime, denen es schlechter geht als uns“. 

Hinzu kommen die jährlichen Zuschüsse des Landkreises sowie der Städte und Gemeinden über den so genannten „Fundtiergroschen“, der aktuell 25 Cent pro Einwohner beträgt. So zahle die Stadt Northeim mit ihren fast 30 000 Einwohnern jährlich rund 7500 Euro ans Tierheim. Aus dem gesamten Landkreis fließen etwa 33 500 Euro in die Einrichtung. „Das hört sich erst mal viel an, reicht aber nicht, um unsere Kosten zu decken“, gibt die TierheimLeiterin zu bedenken. Große Summen verschlingen die Tierarzt-Kosten und die Personalkosten. 

Leinert und ein Kollege arbeiten hauptamtlich in der Einrichtung, dazu kommen drei ehrenamtliche Mitarbeiter. „Zum Glück bekommen wir regelmäßig Futterspenden, sodass wir da keine großen Kosten haben.“ Allerdings bräuchten kranke Tiere, darunter viele Katzen, Spezialfutter und Medikamente. „Das zahlen wir natürlich auch“, so Leinert. 

Würde es nach ihr gehen, müsste der „Fundtiergroschen“ erhöht werden. „Am besten auf einen Euro“, dann hätten wir sofort viel weniger Probleme“, sagt sie lächelnd. Helfen würde übrigens auch, wenn es mehr ehrenamtliche Helfer im Tierheim gäbe. „Wir brauchen dringend weitere Unterstützung. Ohne unsere jetzigen Helfer würden wir das alles gar nicht schaffen“, sagt die Tierheim-Chefin.

Derzeit werden im Northeimer Tierheim 50 Katzen, zwölf Hunde, mehrere Kaninchen, eine Gelbwangenschildkröte, ein Wellensittich und sogar eine Schlange, eine Kornnatter, betreut. Fast alle sind Fund- oder Abgabetiere. Meldet sich der Besitzer innerhalb von zwei Wochen nicht, gehen die Tiere in die Vermittlung. Wer sich für ein Tier interessiert, ehrenamtlich im Tierheim mithelfen oder spenden möchte, kann sich unter Tel 0 55 51/5 24 37 melden oder persönlich vorbeikommen. Das Tierheim Northeim am Auewäldchen ist von Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 16 Uhr und freitags von 14 bis 19 Uhr und nach vorheriger Vereinbarung geöffnet.

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