Reißfestes Problem

Feuchttücher legen die Pumpen in der Kanalisation lahm

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Filteranlage im Northeimer Klärwerk: Abwassermeister Thomas Ertelt zeigt, was der Rechen aus dem Abwasser herausholt. Rund 150 bis 180 Tonnen Müll kommen pro Jahr zusammen.

Northeim. Extrem reißfeste Feuchttücher sind zu einem Problem für die Kanalisation geworden. Immer häufiger verstopfen die Tücher die Rohre und bringen die Pumpen zum Stillstand.

So verzeichnete die Northeimer Kläranlage in diesem Sommer etwa einen Störfall pro Woche. Das Reinigen kostet Geld. Am Ende müssen alle Verbraucher über höhere Gebühren dafür aufkommen.

„In der Kanalisation finden wir alles, was in die Toilette passt“, berichtet der Northeimer Abwassermeister Thomas Ertelt, darunter Strumpfhosen, Wischlappen, Joghurtbecher und jede Menge Feuchttücher. Das Problem: Im Gegensatz zu herkömmlichem Klopapier zersetzen sich diese Dinge nicht. Sie verstopfen die Pumpen, die das Abwasser von den Häusern zur Kläranlage transportieren. Das Reinigen ist kosten- und personalintensiv. „Bis zu vier Stunden kann es dauern, bis eine Pumpe gereinigt ist“, erklärt Ertelt. 31 Pumpwerke gibt es allein im Zuständigkeitsgebiet der Stadt Northeim.

Auch andere Kläranlagen im Umkreis haben mit Problemen zu kämpfen, hat eine Umfrage der HNA ergeben. „Problematisch wird es, wenn harte Dinge wie Steine in der Kanalisation landen. Sie setzen sich nicht nur in den Laufrädern der Pumpen fest, sondern können sie auch beschädigen“, sagt Hans-Ulrich Wiese, Geschäftsführer des Abwasserverbands Raum Katlenburg. Darüber hinaus sei die Belastung des Abwassers durch Fette ein Problem. „Wenn Fett erkaltet, wird es hart. Gegen Fettklumpen müssen die Mitarbeiter zum Teil mit der Kreuzhacke vorgehen“, so Wiese.

Um gegen das Problem anzugehen, sei Aufklärung besonders wichtig, betont Sven Probst von der Kalefelder Kläranlage. Leider sei die Wirkung von Kampagnen eher gering. In Kalefeld würden neben Feuchttüchern vor allem Damenbinden und Tampons Probleme bereiten, berichtet er.

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