Kreisbrandmeister: Kein Platz für Rechtsextremismus in der Feuerwehr

Bernd Kühle

Northeim. Rechtsextremistische Umtriebe werden in der Northeimer Feuerwehr nicht geduldet. Das hat Kreisbrandmeister Bernd Kühle im Gespräch mit der HNA betont.

Er reagierte damit auf Äußerungen des stellvertretenden Direktors des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Dirk Baier.

Dieser hatte vor dem Hintergrund des Brandanschlags am vergangenen Freitag auf eine Flüchtlingswohnung in Salzhemmendorf (Kreis Hameln-Pyrmont) betont, dass Feuerwehren nur selten Rechtsextreme aus ihren eigenen Reihen anzeigten oder dem Präventionsprojekt „Löschangriff gegen Rechts“ des Landesfeuerwehrverbandes meldeten. „Man zeigt eben keinen Wehr-Kameraden an“, beschreibt Baier den Korps-Geist in den Wehren. An dem Brandanschlag war auch ein Feuerwehrmitglied beteiligt, das bereits durch politisch motivierte Straftaten auffällig geworden war.

Jedes Feuerwehrmitglied, das in der Jugendarbeit tätig sei, müsse ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, erklärt Kreisbrandmeister Kühle. Wer politisch auffällig geworden sei, könne in der Jugendarbeit nicht aktiv sein.

Schwieriger ist nach seinen Worten der Umgang mit Personen, die rechtsextrem seien, sich aber innerhalb der Feuerwehr unauffällig verhielten. In jedem Fall gebe es in solchen Fällen ein Gespräch des Ortsbrandmeisters mit dem Wehrmitglied. Ob es aus der Wehr ausgeschlossen werde, liege im Ermessen des Kommandos.

Laut Polizei und Kühle gibt es bei den Wehren im Landkreis derzeit nur ein Mitglied, das als rechtsextrem gilt. „Da haben wir ein strenges Auge drauf“, betont der Kreisbrandmeister. Die Person verhalte sich aber vollkommen unauffällig und trage sein Gedankengut nicht in die Wehr hinein.

Kriminologe Baier geht beim Thema Rechtsextremisten in der Feuerwehr von einer großen Dunkelziffer aus. „Was bisher in die Öffentlichkeit gelangt ist, könnte nur die Spitze des Eisbergs sein.“

Er empfiehlt den Feuerwehren, die Jugendfeuerwehren über die Gefahren des Rechtsradikalismus aufzuklären. Dabei verweist er auf eine Studie, wonach 15-Jährige, die in Freiwilligen Feuerwehren aktiv sind, eher zu rechtsextremen Gedankengut neigen als Jugendliche, die nicht in der Feuerwehr sind.

„Dagegen wehren wir uns vehement“, weist Kühle dieses Bild von der Feuerwehr zurück. Im Gegenteil: Die Feuerwehr könne für allein gelassene Jugendliche die Rettung sein. Dort fänden sie Halt und könnten etwas Sinnvolles tun.

Mit zunehmendem Alter, gibt Baier das Ergebnis weiterer Studien wieder, würden sich Jugendliche von rechtsextremem Gedankengut verabschieden. Allerdings könnten diese Ideen in kritischen gesellschaftlichen Situationen wieder an die Oberfläche kommen. Dazu könnten auch die derzeitigen Kontroversen um die Flüchtlinge beitragen. (ows mit epd)

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